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Deutsche Bank : Die teuren Investmentbanker

Anshu Jain ist der oberste Investmentbanker der Deutschen Bank. Bild: dpa

Die Rechtskosten der Deutsche Bank explodieren: Schon wieder hat sie rote Zahlen geschrieben. Mehr Strafzahlungen werden folgen, die Zeche auch für die Boni-Exzesse zahlen die Aktionäre. Eine Analyse.

          Sie begleiten die Deutsche Bank inzwischen regelmäßig: die schlechten Nachrichten. Nach einer vergleichsweise ruhigen zweiten Jahreshälfte 2013 verläuft der Januar für die Doppelspitze um Anshu Jain und Jürgen Fitschen fast schon dramatisch. Zunächst die Generalabrechnung der Finanzaufsicht Bafin in der Zinsaffäre, nun ein Milliardenverlust im vierten Quartal - an der Börse ist der Aktienkurs der Deutschen Bank um fünf Prozent gefallen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Beides, die Bafin-Schelte und der Milliardenverlust, schlägt sich in einer Zahl nieder – den Rechtsrisiken. Diese haben das Quartalsergebnis mit mehr als 500 Millionen Euro belastet. Das Ende dürfte damit noch nicht erreicht worden sein. Denn in den Vereinigten Staaten und Großbritannien werden weitere Strafen aufgrund der Zinsmanipulationen erwartet. Der noch laufende Kirch-Prozess kann der Bank teuer zu stehen kommen. Darüber hinaus verschärfen die Aufsichtsbehörden in der ganzen Welt ihre Ermittlungen wegen des Verdachts von Manipulationen am Devisenmarkt. Dies dürfte zu einer zweiten Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin führen, die schon seit Sommer 2012 die Deutsche Bank wegen der Zinsabsprachen durchleuchtet.

          Die Aktionäre werden viele Fragen stellen

          Dass die Bank in der Devisenaffäre unter Druck steht, zeigen die Suspendierungen mehrerer New Yorker Devisenhändler in der vergangenen Woche. Die meisten Rechtsrisiken sind dem Investmentbanking zuzuordnen. Der früher von Ko-Chef Jain verantwortete Bereich zeigt nun auch noch Schwächen im Anleihegeschäft.

          Die meisten Aktionäre werden sich nun fragen, ob die Ertragssäule tatsächlich so profitabel ist. Denn einschließlich der Strafzahlungen im Dezember nähern sich die Rechtskosten der Marke von 4,5 Milliarden Euro.

          Dass Jain und Fitschen stets auf ihren Kulturwandel verweisen und die Rechtsrisiken als Altlasten bezeichnen, macht es nicht besser. Denn diese Altlasten, die nun von den Aktionären getragen werden müssen, haben die Boni für die Investmentbanker in früheren Jahren kräftig sprudeln lassen.

          Das zeigt das Beispiel des Händlers Christian Bittar, der wegen der Zinsaffäre im Jahr 2011 gehen musste: Ihm hatte der Vorstand für das Jahr 2008 den unglaublichen Bonus von 80 Millionen Euro zugesagt. Davon wurde die Hälfte einbehalten, als Bittars früheres Fehlverhalten in den Zinsabsprachen bekannt wurde. Die restlichen 40 Millionen Euro fordert die Bank nicht ein, weil sie das für rechtlich aussichtslos hält. Es ist aber ein denkbar schlechtes Signal in Zeiten, in denen die Rechtskosten höher ausfallen als der Gewinn eines guten Geschäftsjahres 2011.

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