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Deutsche Bank : Die neue Einsamkeit des Josef Ackermann

Ackermann und die Deutschen: Der große Roman hat ein neues Kapitel bekommen Bild: REUTERS

Ein einziges Wort hat alles zerstört. Plötzlich ist der Chef der Deutschen Bank wieder der böse Mann. Sogar die Frankfurter Banker zeigen jetzt mit Fingern auf ihn. Ackermann versteht die Welt nicht mehr.

          8 Min.

          Er ist jetzt wieder ganz allein. Alle dreschen auf ihn ein: härter, grausamer als jemals zuvor. Josef Ackermann, der Schweizer, hat alle Hochs und Tiefs in Deutschland erlebt. Aber so hoch oben wie in den vergangenen Monaten war er noch nie. So tief gefallen wie in der letzten Woche ist er ebenfalls noch nie. Ob er sich davon je wieder erholen wird, ist ziemlich ungewiss.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein einziger Satz des Deutsche-Bank-Chefs hat eine Lawine der Abscheu und Verärgerung ausgelöst. Er persönlich würde sich „schämen“, wenn seine Bank in der Krise vom Staat Geld annähme, soll Ackermann vor Spitzenmanagern seiner Bank gesagt haben.

          Bis heute ist nicht gänzlich geklärt, was er wirklich gesagt hat, weil die Bank das Zitat weder dementiert noch bestätigt. „Die Deutsche Bank braucht kein Kapital vom Staat“, hat er anschließend noch einmal offiziell nachgelegt, ausgerechnet in der Boulevardzeitung „Bild am Sonntag“. Und buchstäblich alle Welt bestraft ihn dafür jetzt. Als Tolpatsch, Egoist, Spielverderber und Gemeinwohlschänder wird er beschimpft.

          Seit dem stolzen Interview, in dem Ackermann auch einmal selbst seine Rolle herausstreichen wollte, prasselt die Kritik auf ihn nieder

          Ackermann weiß nicht, wie ihm geschieht

          Ackermann weiß nicht, wie ihm geschieht: Muss man sich heute als Bank schämen, wenn man kein Geld vom Staat nimmt? Ist Eigenständigkeit - in Zeiten, in denen Banker überall versagt haben - kein Grund zu Stolz und Selbstbewusstsein? Ackermann leidet und versteht die Welt nicht mehr.

          Wäre es doch nur bei den Albernheiten des Tatort-Kommissars Peter Sodann geblieben. Der hat gesagt, er würde den Chef der Deutschen Bank am liebsten einmal richtig verhaften. Und Ackermann hat geantwortet, da werde einem ja angst und bange um das deutsche Land. Dass die Linken ihn nicht lieben, das ist der Banker gewohnt. Es schmerzt ihn auch dann nicht besonders, wenn der Linke ein populärer Ex-Fernsehstar und Bundespräsidentenkandidat ist.

          Viel schlimmer aber wiegt die Kritik des neuen deutschen Polittraumpaares Angela Merkel und Peer Steinbrück: „Äußerst bedenklich, unverständlich und völlig unakzeptabel“ sei Ackermanns Bemerkung, ließen die beiden über ihren Regierungssprecher am Wochenbeginn ausrichten. Auch im Verlauf der Woche sah das politische Berlin keinen Anlass, von dieser harten Schelte im Stakkato-Ton etwas zurückzunehmen.

          Dass Ackermanns professionelle Imagepolierer mit gestelzten, aber nichtssagenden Formulierungen („im Zusammenhang mit der Kontroverse um die Inanspruchnahme“) in der Hauptstadt gut Wetter machen wollten, hat die Sache auch nicht gebessert.

          Finanzwelt distanziert sich wie noch nie

          Verheerend für Ackermann aber ist, dass die Finanzwelt sich von der Deutschen Bank distanziert wie bislang noch nie. Es gibt Krieg innerhalb der Bankerkaste, und alle zeigen mit dem Finger auf die beiden Frankfurter Glastürme und den Chef. „Ackermann hat sich isoliert. Der Riss ist nicht mehr heilbar“, heißt es in Frankfurter Bankenkreisen: „Er schadet dem Finanzplatz.“

          Üblicherweise stehen Banker eng zusammen, wenn es gegen die böse Welt zu kämpfen gilt. Jetzt solidarisieren sie sich mit der Politik gegen Ackermann, wenngleich aus anderen Motiven. Und die Angestellten der Deutschen Bank sind verstört über den zum Fehltritt gewordenen Auftritt ihres Chefs, der sie alle in Misskredit gebracht hat. „Dabei lief doch alles so gut“, sagt einer von ihnen.

          Es war tatsächlich supergut für Ackermann gelaufen. Endlich sei der Schweizer in Deutschland angekommen, hieß es. Er hatte sich einen neuen Medienberater genommen, ein neues Image gebastelt und die Ernte harter Arbeit in die Scheunen gefahren.

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