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Deutsche Bank : Die Krise trifft die Investmentbanker

  • -Aktualisiert am

Bei der Deutschen Bank wird umgebaut Bild: agata skowronek

Die Welle der Stellenstreichungen im Investmentbanking trifft nun auch die Deutsche Bank. An der Wall Street und in der Londoner City kursieren Meldungen, wonach rund 900 der hochbezahlten Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Auch Frankfurt werde nicht ungeschoren davon kommen, vermuten Marktbeobachter.

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          Die Welle der Stellenstreichungen im Investmentbanking trifft nun auch die Deutsche Bank. An der Wall Street und in der Londoner City kursieren Meldungen, wonach rund 900 der hochbezahlten Arbeitsplätze beim deutschen Branchenprimus gestrichen werden sollen, das wären knapp 10 Prozent der Bereiche Global Markets und Global Banking oder gut 6 Prozent der gesamten Investmentbankingsparte. Auch der Standort Frankfurt werde nicht gänzlich ungeschoren davon kommen, vermuten Marktbeobachter.

          Die Deutsche Bank kommentierte diese Meldungen nicht. Finanzvorstand Stefan Krause hatte kürzlich jedoch schon angedeutet, dass diejenigen Sparten im Investmentbanking verkleinert werden sollen, deren Geschäfte in Folge der Finanzmarktkrise besonders stark eingebrochen sind. Dazu zählt unter anderem der Eigenhandel der Bank sowie der Bereich strukturierte Wertpapiere.

          Renditeträchtige Bereiche werden ausgebaut

          Andere Teile des Investmentbankings, die weiterhin hohe Renditen versprechen, sollen dagegen gestützt und ausgebaut werden, hieß es im Umfeld der Bank. Dazu zählten etwa der Devisenhandel oder der computergesteuerte Wertpapierhandel (Algo-trading). Anfang Oktober hatte die Deutsche Bank schon den Abbau von 1100 Stellen im Privatkundengeschäft angekündigt, da technische Systeme zusammengelegt werden sollen. Zugleich will das Kreditinstitut aber auch 2500 neue Kundenberater in den nächsten vier Jahren einstellen.

          Die Deutsche Bank folgt mit ihren jüngsten Plänen der angelsächsischen und Schweizer Konkurrenz. Große Investmentbanken haben in den vergangenen Wochen und Monaten schon mit Stellenstreichungen in ähnlicher Größenordnung auf die schwere Finanzmarktkrise reagiert. So kündigte etwa das größte Schweizer Geldhaus UBS auf der Generalversammlung im Oktober an, die Zahl der Arbeitsplätze im Investmentbanking bis Jahresende von 19 000 auf 17 000 reduzieren zu wollen.

          Auch Marktführer will Stellen kürzen

          Der globale Marktführer Goldman Sachs gibt offiziell zwar keinen Kommentar ab, an der Wall Street ist es aber ein offenes Geheimnis, dass die amerikanische Investmentbank in diesem Jahr ebenfalls radikaler zu Werke geht als sonst üblich. Normalerweise trennt sich Goldman Sachs zum Jahresende immer von 5 Prozent der Mitarbeiter, in diesem Jahr werden es wohl doppelt so viele werden, heißt es in der New Yorker Finanzwelt.

          Zur Citigroup kursierten im Sommer Meldungen, die Bank plane, 6500 Investmentbankern den Laufpass zu geben, was ebenfalls eine Reduzierung des Personals in diesem Bereich um rund 10 Prozent bedeuten würde. Vor wenigen Tagen teilte der Citigroup-Chef Vikram Pandit mit, rund um den Globus sollen sogar 53 000 Stellen und damit sogar rund 20 Prozent der gesamten Belegschaft abgebaut werden.

          Auch die geplante Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank wird im Investmentbanking deutliche Spuren hinterlassen. Von den 9000 Vollzeitstellen, die nach der Übernahme insgesamt gestrichen werden sollen, sind 1300 für den Bereich Corporates & Markets vorgesehen. Das Investmentbanking der neuen Commerzbank wird damit um 40 Prozent kleiner ausfallen als die derzeit vorhandenen Sparten beider Institute zusammen. Marktbeobachter gehen davon aus, dass besonders die Dresdner Kleinwort betroffen sein wird, da die Commerzbank ihr Investmentbanking schon vor einiger Zeit deutlich reduziert hat.

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