https://www.faz.net/-gqe-9w10e

Einzige Frau im Vorstand : Ein frisches Gesicht für die Deutsche Bank

Christiana Riley Bild: Picture-Alliance

Im Alter von nur 41 Jahren ist Christiana Riley als jüngstes Mitglied seit Alfred Herrhausen in den Vorstand der Deutschen Bank aufgerückt. Als Chefin des Amerika-Geschäfts muss sie manche offene Flanke schließen.

          3 Min.

          Die Deutsche Bank ist ein Sanierungsfall. 2019 fiel der vierte, je nach Rechnung sogar der fünfte Jahresverlust in fünf Jahren an. Der Vorstand um den seit April 2018 amtierenden Vorsitzenden Christian Sewing muss sich rechtfertigen, warum er dennoch 13 Millionen Euro Boni erhält. Nach Sewing und zwei weiteren Vorstandsmitgliedern ergreift Christiana Riley auf der Jahrespressekonferenz am Donnerstag das Wort. Die Amerikanerin beginnt auf Englisch, schwenkt aber gleich ins Deutsche: „Los geht’s“, sagt sie, bevor sie akzentfrei ihre Rede in perfektem Deutsch vorträgt. Für einen Moment ist die unangenehme Boni-Diskussion vergessen. Riley gelingt es, einen anderen für die Deutsche Bank fatalen Eindruck zu korrigieren: dass sich das Institut ganz aus Amerika zurückziehen würde.

          Die erst 41 Jahre alte Riley absolviert vieles in rasendem Tempo. Zum Jahresanfang 2020 bekam sie von der europäischen Bankenaufsicht die Erlaubnis, in den Vorstand aufzurücken. Die Zulassung erhielt sie schon nach sechs Monaten, üblicherweise prüft die Aufsicht die Eignung von Bankgeschäftsführern viel länger. Im Vorstand der Deutschen Bank ist Riley nun die einzige Frau und das jüngste Mitglied, seitdem Alfred Herrhausen 1970 mit 40 Jahren aufgerückt war. Und Riley ist das erste Vorstandsmitglied der Deutschen Bank überhaupt, das für das Amerika-Geschäft verantwortlich ist.

          Mit 23 Jahren nach Deutschland ausgewandert

          Riley ist im Alter von 23 Jahren nach Deutschland ausgewandert. Im Romanistik-Studium an der Eliteuniversität Princeton hatte sie zuvor ihre bis heute bestehende Leidenschaft für französische und italienische Literatur vertieft und anschließend in der Investmentbank Greenhill angeheuert. Die schickt sie 2001 nach Frankfurt. Dort findet sie zuerst ihr privates Glück, sie lernt ihren Mann kennen, einen Deutschbriten, der seither auch für die Investmentbanken Goldman Sachs und Moelis tätig war. Christiana Riley macht an der London Business School ihren MBA und geht dann zur Unternehmensberatung McKinsey. Dort lernt sie auch Bettina Orlopp kennen, die inzwischen im Commerzbank-Vorstand ist – der Kontakt hält bis heute.

          2006 wechselt Riley schließlich zur Deutschen Bank, zunächst in die Abteilung Konzernstrategie, die damals vom späteren Hypo-Real-Estate-Chef Axel Wieandt geleitet wird. Dort ist Riley stark mit analytischen Konzepten befasst, die unter anderem in den Erwerb der Postbank münden. Bis zum Sommer 2019 lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern bei Frankfurt und macht Karriere in der Deutsche-Bank-Zentrale, zuletzt ist sie Finanzvorstand der Investmentbanking-Sparte. Doch plötzlich zieht die Familie im August 2019 während der Schulsommerferien eilig nach New York um. Christiana Riley ist kurz zuvor im Juli Amerika-Chefin geworden und will schnell vor Ort sein.

          Weitere Themen

          Bescheidene Geburtstagsfeier

          150 Jahre Commerzbank : Bescheidene Geburtstagsfeier

          Die Commerzbank hat in ihrer Geschichte viele Höhen und Tiefen erlebt. 150 Jahre nach ihrer Gründung scheint ihre Zukunft ungewisser denn je. Auch die Feier fällt kleiner aus.

          Topmeldungen

          Er wedelt noch, sie merkelt schon: Habeck, Baerbock und die „Merkel-Raute“

          Heimlich für Merz? : Die Grünen hoffen auf Merkel-Stimmen

          Die Grünen wollen regieren. Das ginge mit einer Laschet-CDU leichter als mit einer Merz-CDU. Vor allem wollen sie jedoch stärkste Partei werden. Den Platz dafür in der politischen Mitte könnte eher Merz als Laschet schaffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.