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Umbau der Deutschen Bank : Sewings Befreiungsschlag

Christian Sewing will die Führungsetage der Deutschen Bank komplett umkrempeln. Bild: Frank Röth

Drei Vorstände gehen, drei neue kommen: Deutsche-Bank-Chef Sewing greift durch. Doch jetzt muss er sich als Erneuerer beweisen. Die Voraussetzungen dafür sind nicht die schlechtesten.

          Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank holt zum Befreiungsschlag aus: Christian Sewing nimmt nicht nur deutliche Kürzungen im Konzern vor, sondern ordnet auch die Führungsstruktur neu. Unterhalb des Vorstands wird eine neue Ebene eingeführt, das Group Management Committee. Das Gremium soll Entscheidungsprozesse beschleunigen und wird sich aus den weiterhin neun Vorstandsmitgliedern sowie den neun Leitern der Geschäftsbereiche zusammensetzen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nachdem Investmentbank-Chef Garth Ritchie am Freitag das Handtuch geworfen hatte, wurde am Sonntag bekannt, dass Privatkundenchef Frank Strauß sowie die für Regulierung zuständige Sylvie Matherat ausscheiden. Alle drei Vorstandsmitglieder gehen zum 31. Juli. Den Posten der Französin übernimmt Stefan Simon, seit August 2016 Mitglied im Aufsichtsrat. Der Kölner Anwalt sitzt dort für den Großaktionär, die Herrscherfamilie Qatars. Simon war bis Sommer 2016 Partner der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg und gilt als Fachmann für Konzernrecht, aufsichtsrechtliche Vorgaben (Compliance) sowie Unternehmensführung.

          Darüber hinaus rücken in den Vorstand Christiana Riley und Bernd Leukert. Die 1978 geborene Amerikanerin Riley verantwortete einige Jahre die Konzernstrategie der Bank und war seit Ende 2015 Finanzchefin der Unternehmer- und Investmentbank. Sie wird künftig das Amerika-Geschäft leiten. Leukert ist im Februar überraschend aus dem Vorstand des Softwarekonzerns SAP ausgeschieden. Er wird künftig in der Deutschen Bank Digitalisierung und Innovationen verantworten. Leukert war vier Jahre lang im SAP-Vorstand zuständig für Produkte und leitete zwei Jahre lang den Lenkungskreis der Plattform Industrie 4.0, der die Digitalisierung der Wirtschaft voranbringen soll.

          Die drei Neuen: Bernd Leukert, Christina Riley und Stefan Simon (von links nach rechts)

          Sündhaft teure Abgänge

          Schon seit Freitag ist bekannt, dass Sewing die Verantwortung für das Investmentbanking übernimmt. Er wird auch die neu geschaffene Unternehmerbank, also das Geschäft mit großen und mittelständischen Firmenkunden steuern. Die Trennung von Ritchie erfolgt im „gegenseitigen Einvernehmen“. Der seit 1996 für die Deutsche Bank tätige Brite war mit einer Vergütung von 8,6 Millionen Euro das bestbezahlte Vorstandsmitglied im vergangenen Jahr. Dazu trug auch seine Sonderfunktion rund um den EU-Austritt Großbritanniens bei. Seine Brexit-Zulage soll im zurückliegenden Jahr 3 Millionen Euro betragen haben. Sein erst Ende 2023 endender Arbeitsvertrag dürfte ihm seinen Abschied mit einem zweistelligen Millionenbetrag versüßen.

          Sewing und der nun gehende Strauß kennen sich gut. Beide haben zusammen von Juli 2015 bis April 2018 das Privatkundengeschäft verantwortet. Der frühere Eishockeyprofi galt wie Sewing als Eigengewächs der Bank. Jahrelang nahm Strauß im Privatkundengeschäft Führungsfunktionen wahr. Er verlässt die Bank, weil er gegen die Aufspaltung seines Bereichs war, der bislang Privatkunden und mittelständische Firmenkunden umfasste. Matherat bekam zusammen mit Ritchie die Unzufriedenheit der Aktionäre auf der Hauptversammlung am 23. Mai zu spüren. Sie wurden nur mit jeweils rund 61 Prozent der Stimmen entlastet, kein anderes Vorstandsmitglied schnitt schlechter ab. Matherat war als oberste Aufpasserin in der Bank bis 2023 bestellt.

          Auch ihr Abgang dürfte eine hohe Abfindung kosten. Vor allem ihre Kommunikation mit Aufsichtsbehörden im Geldwäscheskandal der Danske Bank, die einen Großteil ihrer zweifelhaften Transaktionen über die Deutsche Bank als Korrespondenzbank ausführte, wird kritisiert. Auch bei der Razzia im Dezember 2018 wegen Geldwäsche von Kunden in Steueroasen („Panama Papers“) wird ihr vorgeworfen, eine unglückliche Figur gemacht zu haben.

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