https://www.faz.net/-gqe-8gbmm

Kommentar zur Deutschen Bank : Freispruch erster Klasse

Ist heute freigesprochen worden: Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen. Bild: AFP

Ein Strafprozess gegen fünf Deutsch-Banker, der ein Jahr lang gedauert hat. Am Ende stand ein Freispruch. Kein Wunder, denn in der Wahrheitsfindung ist die Staatsanwaltschaft nie vorangekommen.

          Der Tatvorwurf war erheblich, das Strafverfahren komplex. Dennoch musste man sich fragen, warum der spektakuläre Wirtschaftsprozess gegen Jürgen Fitschen und vier ehemalige Vorstände der Deutschen Bank wegen versuchten Prozessbetrugs fast auf den Tag genau ein Jahr gedauert hat. Die fünf Banker konnten schon seit mehreren Monaten mit einem Freispruch rechnen, denn in der Wahrheitsfindung ist die Anklage nie vorangekommen.

          Stattdessen haben ihre Vertreter immer neue Beweisanträge gestellt. Es war aller Ehren wert, dass die Staatsanwaltschaft herausfinden wollte, welche Rolle die Angeklagten in der Insolvenz des Filmrechtehändlers Leo Kirch spielten, ob die Deutsche Bank ein Mandat zur Zerschlagung seines Medienimperiums haben wollte und ob der damalige Bankchef Rolf Breuer genau deshalb ein Fernsehinterview gegeben hat.

          Allein: Die fraglichen Ereignisse liegen gut 14 Jahre zurück, und auch die prominentesten Zeugen konnten sich kaum noch erinnern. Kirchs Erben haben von der Deutschen Bank mittlerweile Schadensersatz von fast 1 Milliarde Euro erhalten.

          Für die Theorie einer Verschwörung gegen Kirch fanden die Strafverfolger nicht einen einzigen Beweis. Dem Vorsitzenden Richter des Münchner Landgerichts blieb gar nichts anderes übrig, als der Unschuldsvermutung zu folgen: „Das ist ein Freispruch, wie er sich gehört.“ Für die Deutsche Bank ist es nach all den schlechten Nachrichten der jüngeren Vergangenheit gewiss ein Freispruch erster Klasse.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Folgen:

          Weitere Themen

          60 Satelliten auf einmal ins All Video-Seite öffnen

          Internet 2.0 von SpaceX : 60 Satelliten auf einmal ins All

          Die erdnahen Trabanten stellen die erste Stufe eines geplanten Netzwerks des Internetdiensts Starlink dar, das Hochgeschwindigkeits-Internet für zahlende Kunden auf der ganzen Welt zur Verfügung stellen soll. Starlink ist ein Projekt des Unternehmers Elon Musk.

          Nach langem Anlauf fusioniert Video-Seite öffnen

          T-Mobile US und Sprint : Nach langem Anlauf fusioniert

          Ein Zusammenschluss der Nummer drei und Nummer vier des amerikanischen Mobilfunkmarktes war in den vergangenen Jahren schon zwei Mal gescheitert. Jetzt steht nur noch das Justizministerium als einzige Hürde im Weg.

          Topmeldungen

          Der russische Präsident Wladimir Putin und Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, geben sich während einer gemeinsamen Pressekonferenz in Moskau die Hand.

          Nach Ibiza-Video : Orbán und Putin wenden sich von Strache ab

          In seinem Ibiza-Video hat Heinz-Christian Strache den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán als sein Vorbild bezeichnet. Doch der hat sich nun von Österreichs ehemaligem Vizekanzler distanziert. Auch Putin wendet sich von Strache ab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.