https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-buehne-frei-fuer-boersig-und-ackermann-1800246.html

Deutsche Bank : Bühne frei für Börsig und Ackermann

Clemens Börsig (li.) und Josef Ackermann
          4 Min.

          Die Deutsche Bank stellt sich auf ein unverändert schwieriges Jahr ein. Vorstandschef Josef Ackermann erwartet keine rasche Erholung der Konjunktur. „Auch 2009 wird kein einfaches Jahr“, sagte der Schweizer auf der Hauptversammlung in Frankfurt. Einen offenen Machtkampf zwischen Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig gibt es allerdings nicht vor den Aktionären. Stattdessen verteidigt der Aufsichtsrat seinen Chef gegen Kritik.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Aufsichtsrat habe bei der Suche nach einem Nachfolger für Bankchef Josef Ackermann zwar durchaus alle Alternativen bedacht - bis hin zu der Notwendigkeit, „Börsig in die Pflicht zu nehmen“, sagte Aufsichtsrat Tilman Todenhöfer bei der Hauptversammlung. Börsig habe jedoch deutlich gemacht, „dass er in dieser Hinsicht keinerlei Ambitionen hat, sondern Vorsitzender des Aufsichtsrates bleiben möchte“. Börsig habe während des gesamten Prozesses „keine eigenen Ziele verfolgt“, betonte der Vorsitzende des mit Personalfragen betrauten Präsidialausschusses des Aufsichtsrates.

          Zur Erinnerung: Am Abend des 27. April teilte der Aufsichtsrat mit, dass Ackermann seinen Vertrag um drei weitere Jahre bis Mai 2013 verlängern wird.

          Bild: F.A.Z.

          Börsig vor dem Rücktritt?

          Ursprünglich wollte der 61 Jahre alte Ackermann auf der Hauptversammlung am 27. Mai 2010 zurücktreten. Doch die Suche nach einem geeignetem Nachfolger, die die Aufgabe des Aufsichtsratschefs Börsig war, gestaltete sich schwierig. Kurzerhand soll sich Börsig dazu entschlossen haben, selbst vom Aufsichtsratsvorsitz auf den Vorstandsvorsitz zu wechseln. Doch der 60 Jahre alte frühere Finanz- und Risikovorstand fand für seine eigene Rückbeförderung ins operative Geschäft nicht die Rückendeckung der institutionellen Investoren und der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat. Als Lösung des Führungsdebakels bleibt Ackermann nun weiterhin im Chefsessel von Deutschlands größter Bank.

          Von einer Demontage des Aufsichtsratsvorsitzenden spricht Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Instrumente zu dieser Demontage habe Börsig selbst geliefert, denn er habe auf der Suche nach einem Nachfolger für Ackermann mehr als unglücklich agiert. Nieding erwartet, dass Börsig noch die Hauptversammlung leiten und dann nach einer Schamfrist seinen Rücktritt erklären wird.

          Schwierige Suche nach einem Nachfolger

          Per Gerichtsbeschluss könnte die Deutsche Bank dann einen neuen Aufsichtsrat für den frei werdenden Sitz bestellen oder gleich einen der stellvertretenden Mitglieder in das Gremium aufrücken lassen. Doch wer soll Börsigs Nachfolger werden? Die Suche, zumal in diesem Fall unter Zeitdruck, dürfte sich noch schwieriger gestalten als die in der Personalie Ackermann. In Medienberichten fiel der Name des früheren SAP-Vorstandschefs Henning Kagermann. Dieser hätte den Aufsichtsratsvorsitz übernommen, wenn Börsig auf Ackermanns Posten gewechselt wäre. Demnach soll Börsig damit gerechnet haben, bereits auf dieser Hauptversammlung das Zepter übernehmen zu können. Angeblich wäre Ackermann dazu bereit gewesen, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen. Allerdings gibt es keine öffentlichen Aussagen Ackermanns, die darauf schließen lassen, dass er bereit gewesen wäre, ein Jahr früher als geplant zurückzutreten.

          Weitere Themen

          Ein Treiber und Getriebener

          Zum Tode Anshu Jains : Ein Treiber und Getriebener

          Als Co-Vorstandsvorsitzender verkörperte Anshu Jain über viele Jahre das Investmentbanking einer Deutschen Bank, die mit den amerikanischen Riesen der Branche wetteifern wollte. Nun ist er mit 59 Jahren gestorben.

          Topmeldungen

          Anshu Jain war eine so leidenschaftliche wie umstrittene Führungsfigur.

          Zum Tode Anshu Jains : Ein Treiber und Getriebener

          Als Co-Vorstandsvorsitzender verkörperte Anshu Jain über viele Jahre das Investmentbanking einer Deutschen Bank, die mit den amerikanischen Riesen der Branche wetteifern wollte. Nun ist er mit 59 Jahren gestorben.
          Videokonferenz zwischen Joe Biden und Xi Jinping im November 2021.

          China und Amerika : Ist ein Krieg noch zu vermeiden?

          Ob und wie sich der Wettkampf der Systeme kontrollieren lässt, wird öffentlich bislang kaum debattiert. Der Weckruf des ehemaligen australischen Premierministers Kevin Rudd ist angesichts der Taiwankrise aktuell wie nie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.