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Strategiewechsel überfällig : Die Deutsche Bank ist krank an Leib und Seele

Wie sieht die Zukunft der Deutschen Bank aus? Bild: Wolfgang Eilmes

Die Deutsche Bank hat bitter zu leiden unter der Großmannssucht mehrerer Managergenerationen. Nach ihrem Vorstandsvorsitzenden muss sie auch ihre Strategie wechseln.

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          Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, heißt es in einem Gedicht Hermann Hesses. Ob von dem Wechsel im Vorstandsvorsitz der Deutschen Bank von John Cryan zu Christian Sewing ein Zauber ausgeht, ist mehr als fraglich. Gerade hierzulande dürfte der Aufstieg eines deutschen Bankiers zwar Hoffnungen nähren, der geschäftliche Schwerpunkt der Bank werde sich von den globalen Kapitalmärkten in heimische Gefilde verlegen. Doch um die seit Jahren in einer schlechten Verfassung befindliche Bank wieder in Form zu bringen, wird es mehr bedürfen als eines neuen Kopfes an der Spitze des Vorstands.

          Galt nicht auch der in der Finanzkrise gestählte Brite Cryan anlässlich seiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden vor knapp drei Jahren als ein Manager, der die arg zerzauste Deutsche Bank zu neuer Größe führen würde? Nach mehreren Verlustjahren in Folge hat sich der Zauber des ehemaligen Hoffnungsträgers verflüchtigt. Der traditionsreichen Bank ist zu wünschen, dass es Sewing nicht ebenso ergehen wird.

          Denn die Deutsche Bank ist krank an Leib und Seele. In der Rangliste der wertvollsten Banken der Welt steht sie weit abgeschlagen nicht nur hinter den Riesen aus der Wall Street, sondern auch hinter Banken aus Schwellenländern, deren Namen in Deutschland allenfalls Spezialisten bekannt sein dürften. Die Deutsche Bank hat bitter zu leiden unter der Großmannssucht mehrerer Managergenerationen, die sich im internationalen Kapitalmarktgeschäft mit der amerikanischen Weltspitze messen wollten und darüber das erdverbundene Bankgeschäft mit Privatpersonen und Unternehmen vernachlässigten.

          Aufsichtsrat ist verantwortlich

          Reich wurden darüber vor allem die Investmentbanker, und das auf Kosten der Aktionäre und der Substanz der Bank. Mit dem Siegeszug der Investmentbanker verkaufte die Deutsche Bank auch ihre Seele. Wo immer in den vergangenen Jahren im Zuge der Aufarbeitung der Finanzkrise Skandale ruchbar wurden, die Deutsche Bank war dabei.

          Während andere europäische Großbanken nach der Finanzkrise ihr Geschäftsmodell überprüften und ihr Investmentbanking reduzierten, sah die Deutsche Bank keinen Anlass, ihren geschäftlichen Schwerpunkt zu verändern. Für diese strategische Fehlentscheidung trägt der Aufsichtsrat die Verantwortung, der seit sechs Jahren von Paul Achleitner geführt wird. Mit der Berufung Sewings zum Vorstandschef mag der gerade in Deutschland in die Kritik geratene Aufsichtsratsvorsitzende besänftigend wirken. Aber solange die Deutsche Bank keine strategische Kehrtwende vornimmt, wird kein Vorstandsvorsitzender reüssieren können.

          Verkleinerung auf Großsparkasse ist keine Alternative

          Die Bank muss ihre Präsenz im internationalen Handelsgeschäft mit Finanzprodukten deutlich reduzieren und stattdessen ihr Geschäft mit Unternehmen und Privatpersonen ausbauen. Das bedeutet nicht, auf eine starke internationale Präsenz zu verzichten; schließlich wurde die Deutsche Bank vor beinahe 150 Jahren gegründet, um deutsche Unternehmen in die weite Welt zu begleiten. Eine Verkleinerung auf eine Großsparkasse wäre keine Alternative für die Deutsche Bank. Die fragwürdige Boni-Kultur der Investmentbanker aber muss der Vergangenheit angehören.

          Sewing verantwortet bisher im Vorstand der Deutschen Bank das Privat- und Firmenkundengeschäft; das Investmentbanking ist nicht seine Passion. Er kann somit einen Wandel in der Deutschen Bank verkörpern. Aber allein kann er es nicht schaffen.

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