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Interner Umbau : Deutsche Bank beschneidet die Spielräume der IT-Mitarbeiter

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: EPA

Die ersten strategischen Aussagen des früheren SAP-Vorstands Bernd Leukert zur IT der Deutschen Bank sind mit Spannung erwartet worden. Sein Ziel: Eine „Vereinheitlichung und Vereinfachung“ .

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          Der neue IT-Vorstand der Deutschen Bank, Bernd Leukert, stößt einen weitreichenden internen Umbau an. In einem im Intranet der Deutschen Bank veröffentlichten Brief, der von dem Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing und zwei weiteren Vorständen unterzeichnet ist, schreibt Leukert: „Um erfolgreich zu sein, müssen wir die Art, wie wir technologische Lösungen entwickeln, grundlegend ändern und moderne Arbeitsweisen nutzen.“

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die ersten strategischen Aussagen des früheren SAP-Vorstands zur IT der Deutschen Bank sind mit Spannung erwartet worden. Vor zwei Wochen sollte Leukert eigentlich auf einer Konferenz erstmals auftreten, blieb dem Podium am Ende aber fern. Nun schreibt Leukert an die Mitarbeiter der Deutschen Bank: „Mit unserer Technologiestrategie werden wir unsere Geschäftsbereiche darin bestärken, zu entscheiden, ,was‘ entwickelt wird.“ Auf diesen Satz des seit 1. September amtierenden IT-Vorstands hat mancher Branchenexperte gewartet. Schließlich gilt als eines der Versäumnisse deutscher Banken, dass ihr Produktangebot zu breit ist, weil auf zu viele Extrawünsche von Kunden etwa beim Girokonto eingegangen wird. Da alle Produktvarianten programmiert werden müssen, wirken viele deutsche Banken für die Herausforderungen der Automatisierung und Digitalisierung schlecht gewappnet.

          Leukert legt allerdings anscheinend einen anderen Schwerpunkt. Offenbar sieht er Versäumnisse weniger in den Geschäfts- als in den Technologiebereichen. In der Vergangenheit habe es beim Thema „Wie etwas entwickelt werde“, zu große Spielräume gegeben. „Wir haben zu wenig auf konzernweit einheitliche Architektur und Standards geachtet“, lautet Leukerts Befund und kündigt eine „Gesamtstrategie für die Themen IT, Daten und Sicherheit“ mit dem Ziel der „Vereinheitlichung und Vereinfachung“ an. Tatsächlich hatte Kim Hammonds, eine Vorgängerin von Leukert, im Jahr 2016 exakt 45 Betriebssysteme in der Deutschen Bank ausgemacht, die sie bis zum Jahr 2020 auf vier reduzieren wollte. 2018 allerdings musste Hammonds gehen, nachdem sie die Deutsche Bank als unfähigstes („dysfunctional“) Unternehmen bezeichnet hatte, in dem sie je gearbeitet habe. Bis heute fällt die Deutsche Bank immer wieder durch IT-Pannen und den Aufsehern mit zu laschen, wenig automatisierten Geldwäschekontrollen auf.

          Auch Leukert will anscheinend wie Hammonds „weiterhin Anwendungen abschalten“. Allerdings werde dies durch die „hohe gegenseitige Abhängigkeit unserer Systeme erschwert“. Vieles müsse daher zunächst voneinander entkoppelt werden, schreibt er. Auch für Auslagerungen in die „Cloud“ müssten zunächst mit Investitionen in die IT die Voraussetzungen geschaffen werden. Leukert, der Kosten senken muss, aber bis 2022 auch immerhin 13 Milliarden Euro investieren kann, bekennt sich zu mehr Verlässlichkeit in der Deutschen Bank: „In der Vergangenheit war es üblich, dass Ziele verschoben und Budgets gekürzt wurden. Wir werden langfristig planen und budgetieren, während wir uns gleichzeitig auf weniger Themen konzentrieren, die jedoch für unsere Bank von höchster Priorität sind“, verspricht Leukert. Den Anteil interner IT-Experten will er zu Lasten externer IT-Berater erhöhen und somit die „Ingenieurkultur“ und „Entwicklungskompetenz“ stärken.

          Während die gruppenweiten Technologieaktivitäten unter seiner Leitung gebündelt werden, sollen nach Leukerts Vorstellung künftig mehr gemischte Teams aus Produktverantwortlichen und Technologieexperten in der Deutschen Bank „agil“ zusammenarbeiten und gemeinsam nach Geschäfts-, Kontroll- und Technologiezielen bewertet werden. „Für unsere Produktverantwortlichen in den Geschäfts- und Infrastrukturbereichen bedeutet dies, dass sie weiterhin vorgeben, was in der Bank entwickelt wird, dies jedoch zu niedrigeren Kosten. Für unsere Technologieexperten bedeutet es mehr Freiheit, das zu tun, was sie am besten können“, schreibt Leukert und erhofft sich für die Deutsche Bank damit eine Komplexitätsverringerung „in bisher nicht gekanntem Umfang“. 

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