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Paul Achleitner : „Hier muss sich niemand Gedanken machen, Banken zu retten“

  • Aktualisiert am

Der Vergleich mit den amerikanischen Behörden wird die Deutsche Bank mehr als sieben Milliarden Dollar kosten. Bild: dpa

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank beruhigt die deutschen Steuerzahler. Im F.A.S.-Interview lobt Paul Achleitner außerdem den Vorstand für den Vergleich in Amerika – und bekennt sich zum Investmentbanking.

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          Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner beruhigt alle deutschen Steuerzahler: „In Deutschland muss sich niemand darüber Gedanken machen, Banken zu retten“, sagte Achleitner im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ mit Blick auf die anstehenden Staatseingriffe in Italien. Einer europäischen Bankenfusion erteilt der Deutsche-Bank-Kontrolleur eine Absage: „Im Moment ist die Phantasie für eine paneuropäische Fusion gebremst, da haben wir andere Prioritäten.“

          Im Gespräch mit der F.A.S. verteidigt Achleitner den Einstieg ins Investmentbanking als alternativlos: „Der Schritt war richtig für die Deutsche Bank“, so Achleitner: „Wir stehen fest zu diesem Geschäft. Nur muss es in einer Art und Weise ausgeübt werden, wie es den heutigen gesellschaftlichen, politischen und regulatorischen Vorgaben entspricht.“

          „Sehr erleichtert“ zeigt sich der Aufsichtsratschef über den vor Weihnachten gefundenen Vergleich der Bank mit dem amerikanischem Justizministerium, „auch wenn die Summe hoch ausgefallen ist“, wie er einräumt. Achleitner wörtlich: „Der Vorstand hat hier sehr gute Arbeit geleistet, allen voran John Cryan, Karl von Rohr und Marcus Schenck. Und gleichzeitig musste die Bank im Tagesgeschäft stabil gehalten werden. Was die Kollegen und ihre Teams hier geleistet haben, verdient Hochachtung.“

          Paul Achleitner, 60, ist seit Mai 2012 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank
          Paul Achleitner, 60, ist seit Mai 2012 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank : Bild: Laif/Wolfgang Stahr

          Im Ringen mit den Amerikanern um die künftigen Eigenkapitalvorschriften für Banken fordert der Deutsche-Bank-Aufsichtsratsvorsitzende mehr Selbstbewusstsein der Europäer: „Die globalen Regeln, fest geschrieben im Basel-Abkommen, dürfen nicht einseitig den Vorstellungen der Amerikaner entsprechen. Warum eigentlich sollen wir auf Ratschläge aus Amerika hören, wenn wir uns erinnern, wo die Finanzkrise ihren Anfang genommen hat? Es ist offenkundig, dass nationale Interessen zunehmend robuster definiert und vertreten werden. Es wird Zeit, dass auch wir Europäer für unsere Interessen eintreten. Wir dürfen nicht zulassen, dass wir in einer so wichtigen Domäne wie im Kredit- und Kapitalmarkt, dem Herzkreislaufsystem einer jeden Wirtschaft, nichts zu sagen haben – so wie es bei der Internetwirtschaft passiert ist. So etwas darf sich nicht wiederholen.“

          Es sei wirklichkeitsfremd, so Achleitner, die politische Einflussnahme auf Banken zu leugnen: „Am Beispiel von Russland oder Iran können Sie sehen, wie stark die politischen Implikationen des Finanzwesens sind: Dass Russland der Zugang zum Kapitalmarkt versperrt wird, schmerzt dort mehr als alle anderen Sanktionen. Die Annahme, dass es im Zusammenhang mit Banken keine politischen Interessen gibt, ist reichlich naiv. Am Ende hat für die meisten Banken immer der Heimatmarkt Priorität.“

          Als die größte Gefahr für das Geschäft im neuen Jahr nennt Achleitner in der Sonntagszeitung die „geopolitischen Risiken“: Die sind das große Thema, ganz klar. Jedes für sich hat das Potential, die Märkte zu erschüttern. Und die Ereignisse in Berlin kurz vor Weihnachten haben uns gezeigt, dass wir den Terror im eigenen Land haben.“

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