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Deutsche-Bank-Aufseher Clemens Börsig : „14 Millionen Gehalt gibt es so schnell nicht wieder“

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„Die Banker sind nicht allein Schuld an der Krise”, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Clemens Börsig Bild: Daniel Pilar / F.A.Z.

Die Deutsche Bank ändert ihre umstrittenen Bonuszahlungen. Aufsichtsratschef Börsig sagt im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Für viele Mitarbeiter wird die Auszahlung des Bonus für 2008 über mehrere Jahre gestreckt.“ Auch die sonst üblichen Spitzengehälter soll es zunächst nicht mehr geben.

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          Dass es nach der derzeitigen Krise steil wieder nach oben geht, glaubt er nicht. Dass die Banker allein Schuld an der Misere sind, auch nicht. Seine Lehre aus der Krise: „Alle Entwicklungen, die zu schön sind, um wahr zu sein, sind nicht wahr.“ Clemens Börsig im Interview.

          Herr Börsig, die Deutsche Bank hat 2008 einen Rekordverlust erlitten. Schüttet sie trotzdem Boni aus?

          Ja. Allerdings angesichts der Ergebnissituation sehr viel weniger als in früheren Jahren.

          Dennoch: „Niemand wird bei uns dafür belohnt, dass er uns ”eine Krise eingebrockt„ hat”

          Ihr oberster Angestellter, Josef Ackermann, und seine erste Garde haben verzichtet.

          Zunächst, Herr Ackermann ist Vorstandsvorsitzender und nicht mein oberster Angestellter. Aber zur Sache: Das war ein freiwilliger Verzicht, eine sehr honorige Geste.

          Welchen Sinn haben Boni generell, wenn sie die belohnen, die uns die Krise eingebrockt haben?

          Niemand wird bei uns dafür belohnt, dass er uns „eine Krise eingebrockt hat“. Im Gegenteil: Es haben jetzt auch in der Bank viele unter der Krise zu leiden, die dazu in keiner Weise beigetragen haben, und infolge der Krise wesentlich höheren Herausforderungen ausgesetzt sind als je zuvor.

          Boni setzen falsche Anreize: Kurzfristiger Erfolg wird belohnt, ohne an die schädlichen Folgen zu denken, so heißt es allerorten. Stimmen Sie dem zu?

          So einfach sind die Zusammenhänge nicht. Denn dann müssten ja diejenigen Banken, die in der Vergangenheit die höchsten Boni bezahlt haben, jetzt in der Krise die höchsten Verluste haben und umgekehrt. Aber schauen Sie sich mal um unter den notleidenden Banken: Das ist so nicht der Fall.

          Welche Konsequenzen aus der Krise ziehen Sie für die Bezahlung des Vorstandes?

          Die Deutsche Bank hat bei der variablen Vergütung der Vorstände schon seit langem langfristige Faktoren berücksichtigt und die Langfristkomponente in jüngerer Vergangenheit weiter ausgebaut. Für andere Mitarbeiter spielte die lange Frist bisher eine geringere Rolle, aber das ändert sich gerade. Für viele wird die Auszahlung des Bonus für 2008 über mehrere Jahre gestreckt.

          Die Stars im Investmentbanking haben bisher ein Vielfaches des Vorstandsvorsitzenden verdient. Ist das gesund?

          Spitzenverdienste sind gerechtfertigt, soweit es der Leistung entspricht. Und dass einzelne Mitarbeiter mehr verdienen als der Vorstandsvorsitzende, ist keine Besonderheit der Banken. Nehmen Sie ein Pharmaunternehmen. Eine Forschungsgruppe, die ein erfolgreiches Medikament entwickelt, kann an den Lizenzgebühren auch mehr verdienen als der Vorstand.

          Also wird es weiterhin bei Ihnen Leute geben, die mehr verdienen als der Chef?

          Sicher. Gute Leute sind immer knapp. Und Leistung muss entsprechend honoriert werden. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir in den nächsten Jahren nicht mehr die Spitzengehälter sehen werden wie in der jüngeren Vergangenheit. Aber mittelfristig kann das wieder anziehen.

          Kann jemand wie Herr Ackermann bald wieder mit 14 Millionen Euro Jahresgehalt rechnen?

          Das hängt von der künftigen Performance ab. Aber aus heutiger Sicht würde ich sagen, diese Zahlen werden wir so schnell nicht wieder sehen.

          Verstehen Sie die öffentliche Erregung über die hohen Gehälter, verbunden mit der Frage: Welche Leistung der Banker wird damit eigentlich honoriert?

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