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Deutsche Bank : Anshu Jain wird Alleinherrscher im Investmentbanking

Anshu Jain: Die Spekulationen, ob er Ackermanns Nachfolger wird, dürften jetzt zunehmen Bild: Wonge Bergmann / F.A.Z.

Ist Anshu Jain der Kronprinz der Deutschen Bank, der Nachfolger für Josef Ackermann im Jahr 2013? Die Spekulationen bekommen nun neue Nahrung. Denn Jain wird künftig das Investmentbanking alleine leiten; der Co-Leiter Michael Cohrs zieht sich zurück.

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          Anshu Jain wird künftig alleine das Investmentbanking der Deutschen Bank leiten. Der bisherige Co-Leiter Michael Cohrs werde das Haus verlassen, teilte die Bank am Dienstagabend mit. Jain übernimmt die alleinige Führung des Investmentbanking zum 1. Juli; den Vorstand der Deutschen Bank wird Cohrs Ende September verlassen. Der Deutschen Bank bleibt er dann nur noch als Berater verbunden. Über Cohrs‘ Ausstieg hatten seit einiger Zeit Gerüchte kursiert.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Wie aus Kreisen der Bank zu hören ist, zieht sich der 53 Jahre alte Amerikaner freiwillig zurück, um kürzerzutreten und noch einmal etwas anderes zu machen. Hierzu trägt fraglos bei, dass der Amerikaner keine Chance sah, bei der Deutschen Bank weiter aufzusteigen. Die alleinige Führung des Investmentbankings stand ebenso außer Frage wie die Nachfolge Ackermanns, die er, wie intern zu hören ist, aber wohl auch niemals ernsthaft erwogen haben soll.

          Cohrs und Jain waren Mitte der neunziger Jahre zur Deutschen Bank gestoßen, die seinerzeit das Investmentbanking in London und New York sehr stark ausbaute. Cohrs hatte zuvor für Goldman Sachs und Warburg gearbeitet, Jain für Kidder Peabody und Merrill Lynch.

          Die beiden Männer wurden vom damaligen Leiter des Investmentbankings der Deutschen Bank, Edson Mitchell, gefördert. Mitchell kam Ende 2000 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Cohrs und Jain hatten das Investmentbanking, die mit weitem Abstand ertragsstärkste Einheit der Deutschen Bank, seit sechs Jahren aus London gemeinsam geleitet, wo die Deutsche Bank rund 7000 Mitarbeiter beschäftigt, gemeinsam geführt. Im ersten Quartal 2010 entfielen von den Gesamteinnahmen der Bank von 9 Milliarden Euro alleine 6,6 Milliarden Euro auf das Investmentbanking. Cohrs und Jain waren im vergangenen Jahr zudem in den Vorstand der Gesamtbank eingetreten. Die von Jain verantworteten Einheiten verdienten allerdings deutlich mehr Geld als Cohrs‘ Verantwortungsbereich.

          Auch Cohrs arbeitete nicht ohne Erfolg

          Dabei arbeitete auch Cohrs nicht ohne Erfolg. Zu seiner Verantwortung gehörten die Beratung und Finanzierung von Unternehmenskunden. Ehemals wenig bedeutend, befindet sich die Deutsche Bank in diesen Geschäften heute im erweiterten Kreis der führenden internationalen Banken. Jedoch bescherte die Unternehmensfinanzierung der Bank in der Krise auch eine Menge Kredite fragwürdiger Qualität.

          Das große Geld wird im Investmentbanking seit Jahren - und nicht nur in der Deutschen Bank - in den Marktabteilungen für Renten, Devisen und Rohstoffen verdient, wo ein reger Handel stattfindet und Produkte wie Swaps und andere Derivate an Kunden verkauft werden. Vor allem im Devisenhandel zählt die Deutsche Bank zu den allerersten Adressen in der internationalen Bankenwelt. Diese sehr gut laufenden Bereiche verantwortet Jain.

          Für die jeweils neun Monate, die Jain und Cohrs im vergangenen Jahr dem Vorstand der Deutschen Bank angehörten, wird für Jain eine Vergütung von 7,8 Millionen Euro und für Cohrs eine Vergütung von 3,2 Millionen Euro ausgewiesen. Beide traten zum 1. Januar 2009 in den Vorstand ein; für die Vergütungen in den ersten drei Monaten macht die Bank keine Angaben.

          Co-Spitzen sind im Investmentbanking wie generell in der Wirtschaft nicht sehr verbreitet, weil aus ihnen leicht ein Kompetenzgerangel entstehen kann. Insofern ist es eher erstaunlich, dass die beiden Männer über mehrere Jahre die wichtigste Abteilung der Deutschen Bank gemeinsam geführt haben, ohne dass Erzählungen über schwere Spannungen an die Öffentlichkeit drangen. Cohrs und Jain sollen, wie aus der Bank zu hören ist, dem Vernehmen nach recht gut miteinander ausgekommen sein, wobei zu berücksichtigen ist, dass der Umgangston im Investmentbanking unverblümter ist als in anderen Lebensbereichen. Die „New York Post“ berichtete kürzlich mit Verweis auf Quellen aus der Bank indessen von einem „gelegentlich hitzigen internen Machtkampf“ zwischen beiden Männern.

          Die Konzentration der Verantwortung auf Jain wird wohl zumindest auf absehbare Zeit nicht von einem großflächigen Personalumbau in der Führung des Investmentbanking begleitet. Allerdings sollen im Interesse größerer Kundennähe die beiden bisher getrennt verantworteten Bereiche enger zusammenrücken.

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