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Deutsche Bank : Aktionäre gegen Josef Ackermann

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wollte an die Spitze des Aufsichtsrats ziehen und machte dann einen Rückzieher Bild: dpa

Josef Ackermanns Abschied geschieht weniger freiwillig als offiziell verlautbart. Nach Informationen der F.A.S. waren die Aktionäre gegen seinen Wechsel in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Doch in der Schweiz könnte bereits die nächste Aufgabe auf ihn warten.

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          Es ist das Ende einer großen Karriere. Josef Ackermann tritt ab. Aufsichtsratschef, wie von ihm geplant, wird er nicht mehr. Im Mai 2013 verlässt „Joe“ die Bank. Offiziell. Es könnte aber auch viel schneller gehen. Denn eine lahme Ente („lame duck“) wollte er nie sein. Vieles spricht dafür, dass er Deutschland verlässt, heim nach Zürich oder nach New York, oder beides. Der Schweizer Landarztsohn, der im Laufe seiner Dienstzeit zum deutschen Banker schlechthin wurde, ja zum Gesicht des Kapitalismus, ist nicht mehr gelitten. Er war es nie wirklich.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          25 Prozent Eigenkapitalrendite hatte der Deutsche-Bank-Chef als Ziel ausgegeben. Die Zahl wurde öffentlich zum Symbol seiner Maßlosigkeit: „egoistisch“, eine „moralische Verirrung“, schnaubte Franz Müntefering, ein heute fast vergessener SPD-Politiker. Jetzt scheitert Ackermann genau an jenen Leuten, denen zuliebe er die 25 Prozent anstrebte: Nicht die öffentliche Meinung (die stets gegen ihn war), nicht die Politik (die in ihrem Urteil wankte) treibt ihn davon. Es waren die Investoren, die Eigentümer der Bank, die keine Lust hatten, ihn zu halten: Ackermann, das Gesicht der Profitgier, ist ihnen schlicht nicht profitabel genug. Die Aktionäre hatten am Aktienkurs wenig Freude. Gemessen am Börsenwert (Kurs mal Anzahl der Aktien) ist die Deutsche Bank im internationalen Ranking regelrecht abgesackt: Von Rang 14 zu Ackermanns Amtsantritt im Jahr 2002 auf Platz 37 heute.

          25 Prozent der Investoren hätte Ackermann benötigt, damit er im nächsten Frühjahr direkt vom Vorstand in den Aufsichtsrat hätte wechseln können. Dies schreibt ein neues Gesetz vor, das für ausscheidende Chefs eine zweijährige Zwangspause vorsieht, bevor sie ihre Nachfolger kontrollieren dürfen - es sei denn, sie können ein Viertel der Eigner für sich mobilisieren.

          Kein Selbstläufer

          Nach der missratenen Chef-Suche im Sommer, als Ackermann seinen Wunschkandidaten, den Ex-Bundesbanker Axel Weber, nicht durchsetzen konnte, er die danach gezimmerte Doppelspitze Anshu Jain/Jürgen Fitschen für nicht seiner Nachfolge würdig und sich für unentbehrlich hielt, tönten seine Getreuen ziemlich vollmundig, der Aufstieg in den Aufsichtsrat ( „er lässt sich in die Pflicht nehmen“) werde eine Art Selbstläufer. Ein böser Irrtum. Die Investoren sahen keinen Grund, Ackermann zuliebe von den Corporate-Governance-Grundsätzen abzuweichen.

          Nach der Aufsichtsratssitzung am vorigen Montag machte die Deutsche Bank amtlich, was zwischen Ackermann und den Spitzen des Aufsichtsrates seit Anfang November klar war: Ackermann geht - nicht in den Aufsichtsrat, sondern nach Hause. Ausreichend Rückhalt bei den Aktionären war nicht gegeben. Es trotzdem zu versuchen wäre zum Desaster geworden.

          Angesichts der Strapazen in der Euro-Krise fehle ihm die Zeit, für die eigene Person zu werben, teilten Ackermanns Leute mit, geübt in der Umdeutung jeder Niederlage in eine Art Sieg oder zumindest in eine selbstlose Umkehr des Meisters im Dienste des Gemeinwohls - dieses Mal: der Rettung des Weltfinanzsystems. Die Weltenrettung hätte eine Road Show in eigener Sache erstens als zu strapaziös, zweitens als machtversessen unanständig erscheinen lassen, hieß es offiziell. Ganz so, als hätte ein Joe Ackermann, Weltbanker des Jahres, es nötig, sich seinen Investoren wie ein Novize erst einmal vorzustellen.

          Ernüchternde Erkenntnis

          Die Absicht ist offenkundig. Es sollte auf alle Fälle - nicht zuletzt für den Eintrag im Geschichtsbuch - protokolliert werden, dass Ackermann ganz alleine die Einsicht kam zu demissionieren. Es galt den Verdacht zu zerschlagen, dass Aufsichtsräte, von der Einzigartigkeit Ackermanns deutlich weniger überzeugt, ihm den Rückzug nahelegten. Letzteres ist die glaubwürdigere Erzählung, zumal eine böse Variante kursiert, die besagt, interne Gegner hätten den Widerstand an der Eigner-Front wenn nicht gezüchtet, so doch medial verstärkt.

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