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Anshu Jain und Jürgen Fitschen : Banker auf Bewährung

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2015 muss die Wende bringen

Das Jahr 2015 muss nun die Wende bringen. So ähnlich formuliert Jain es selbst. Eine neue Strategie muss her, eine richtige Strategie, eine, die den Namen auch verdient, also länger hält als das, was die Doppelspitze zu ihrem Start im Sommer 2012 vorgelegt hat. Das verlangt auch Oberkontrolleur Paul Achleitner, der Jain zwar tapfer verteidigt, im Übrigen aber stets betont, dass er, falls nötig, vor harten Schnitten nicht zurückschreckt.

Noch vor der Hauptversammlung im Mai wollen Jain und Fitschen liefern, eine „Strategie 2020“ oder wie auch immer das Programm heißen wird, das einen weiteren Umbau von Konzern wie Vorstand nach sich ziehen wird. „Wenn es wieder nichts wird mit dem großen Wurf, dann stellt sich die Führungsfrage. Der Vorstand hat noch einen Schuss“, warnt ein Großinvestor und droht vorsorglich schon mal mit einem „heißen Tanz“ auf dem Aktionärstreffen.

Gegen den Ärger hilft vor allem eines: gute Zahlen, am besten positive Überraschungen. Am kommenden Donnerstag haben Jain und Fitschen die Gelegenheit dazu, dann legen sie das Ergebnis für das Jahr 2014 vor, und nach allem, was man hört, wird es zumindest weniger schrecklich als befürchtet.

Was garantiert fehlen wird, ist die frohe Botschaft, nach der sich alle Beteiligten sehnen: „Altlasten beseitigt“. Nein, diese Überschrift wird es nicht geben, die juristischen Scharmützel dauern an in der Bank der 1000 Klagen. Die Manipulation des Libor-Zinssatzes ist nur der prominenteste Fall.

Im Laufe dieses Jahres will der Vorstand die gröbsten Streitfälle bereinigen, allein: die Bank hat es nicht in der Hand, sie ist den Unwägbarkeiten der Justiz, gerade in Amerika, ausgeliefert. Und solange das so bleibt, solange nicht klar ist, wie viele Milliarden noch draufgehen für die Sünden der Vergangenheit, fassen Profis die Aktie nur mit spitzen Fingern an.

Der zweite Grund für den Abschlag auf die Deutsche-Bank-Papiere: Niemand vermag gegenwärtig zu erkennen, was genau der Konzern künftig sein will: nur Investmentbank (unwahrscheinlich), nur Filialbank (unprofitabel) oder irgendwas dazwischen (die wahrscheinlichste Variante). „Wir bieten das an, was der Kunde von uns will“, lautet die vage Auskunft des Vorstands. Strittig ist nur: Welcher Kunde? Und braucht dieser Kunde morgen überhaupt noch eine Bank? Wer heute unter 25 ist, wird wahrscheinlich nie in seinem Leben eine Filiale betreten, hat Anshu Jain erkannt und mehr Tempo im Digitalen gefordert, was allein freilich auch noch keine Strategie ausmacht.

Andere Häuser sind da weiter. In der Schweiz etwa hat die UBS ihr Investmentbanking auf das Allernötigste zusammengestrichen, in England hat Barclays – in der Vergangenheit am ehesten mit der Deutschen Bank vergleichbar – das Konzept „Universalbank“ für überholt erklärt. In Amerika diskutieren sie, JP Morgan zu zerschlagen.

Die Deutsche Bank aufzuspalten ist eines der möglichen Szenarien, die in Frankfurt kursieren: also Privatkunden samt Postbank abtrennen, dies löst für sich genommen freilich kein Problem: Dem Investmentbanking setzt die Regulierung zu, und mehr Vorsicht bedeutet weniger Marge. Auf der anderen Seite verwüstet die EZB – als Kollateralschaden ihrer Billionenbombe – ehemals solide Geschäfte der Bank, genauer: aller Banken.

In Nullzinszeiten gibt’s von den Privatkunden nun mal nichts zu holen, auch im Transaction Banking, wo der Zahlungsverkehr für Konzerne abgewickelt wird, ist nicht viel zu gewinnen – Strafzinsen sind zumindest für diesen Bereich auch in der Deutschen Bank nicht mehr ausgeschlossen.

Die führende Universalbank der Welt zu bauen, das war bisher Jains Anspruch, das neue Konzept muss er schleunigst formulieren. Klar ist nur so viel: Die neue Deutsche Bank wird schlanker, mit einer kürzeren Bilanz, weniger Filialen und weniger Mitarbeitern. Wie das Personal an der Spitze heißt, muss sich spätestens Ende diesen Jahres weisen. Dann ist zu klären, wer die Deutsche Bank regiert, wenn 2017 der Vertrag von Jürgen Fitschen altersgemäß endet. Anshu Jain wird dann 54 Jahre alt sein und 22 Jahre im Konzern.

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