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Deutsche Bank : Ackermanns letzte Schlacht

  • -Aktualisiert am

Josef Ackermann, derzeit noch Chef der Deutschen Bank Bild: dpa

Am Dienstag entscheidet der Aufsichtsrat der Deutschen Bank über die Nachfolge von Josef Ackermann. Oberkontrolleur Börsig schlägt eine Doppelspitze aus Investmentbanker Anshu Jain und Jürgen Fitschen vor. Ackermann könnte - entgegen früheren Aussagen - in den Aufsichtsrat wechseln.

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          Die Fehde zwischen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig hat schon so manche Volte genommen - der Sieger kam bisher stets aus der Schweiz.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dies könnte sich am Dienstag ändern, wenn die beiden in ihre vermutlich letzte Schlacht ziehen, dieses Mal mit leichten Vorteilen für Börsig: Der Aufsichtsrat entscheidet über die Nachfolge von Ackermann. Oberkontrolleur Börsig schlägt eine Doppelspitze aus Investmentbanker Anshu Jain und Jürgen Fitschen vor.

          Was Ackermann vorschwebt, weiß man nicht genau: diese beiden jedenfalls nicht. So viel scheint klar. Und wenn Ackermann sich in der Frage nicht durchsetzt, der operative Chefposten aus seiner Sicht also nur suboptimal besetzt wird, fordert er wenigstens das Optimum für den Aufsichtsrat - im Grunde also sich selbst, auch wenn er seit Jahr und Tag geschworen hat, wenn er gehe, dann ganz. Ein Mandat als Deutsche-Bank-Kontrolleur komme nicht in Frage, hat Ackermann stets betont. Es gibt ja auch noch andere Dinge im Leben: Lehre, Forschung, Kultur.

          Clemens Börsig

          Das gilt weiterhin, ansonsten aber hat sich die Lage geändert: Ackermann fühlt sich unvermindert gebraucht, zu gerne würde er sich weiter in die Pflicht nehmen lassen. Wie bestellt kamen da die pflichtschuldig vorgetragenen Wünsche von Aufsichtsräten der Arbeitnehmerseite, ihr Chef möge dem Konzern erhalten bleiben. Und da der Schweizer auch auf der Kapitalseite Fans hat, bleibt die Lage auf den letzten Metern vor der Entscheidung unübersichtlich.

          Als Ratgeber auf dem Euro-Gipfel in Brüssel lief er am Donnerstag jedenfalls noch mal zu großer Form auf: Wer sonst hätte wohl das Format, die Bankenwelt als Ganzes gegenüber der Politik zu vertreten?, war die Botschaft dieses heimlichen Wahlkampfes, vorgetragen mit dem charmantesten aller Ackermann-Lächeln.

          Gegen den unmittelbaren Wechsel des Vorstandschefs in den Aufsichtsrat sprechen jedoch gewichtige Argumente: Erstens, ganz banal, das Aktienrecht, das zwei Jahre Pause vorschreibt (es sei denn 25 Prozent der Eigner unterstützen ein Ausnahmegesuch). Dann die Tatsache, dass eine friedliche Koexistenz Ackermanns mit Börsig im Aufsichtsrat die Phantasie überstrapaziert, und schließlich die Frage, wie geschwächt die Doppelspitze starten soll: Werden Jain und Fitschen es dulden, von einem Mann abhängig zu sein, der sie mit aller Macht verhindern wollte? Und wenn nicht, wer wird dann als Ersatz-Bankchef aus dem Hut gezaubert? Der Konzern verweigert zu alldem jeden Kommentar.

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