https://www.faz.net/-gqe-6m2n2

Deutsche Bank : Ackermann und die neuen Vorstandsvorsitzenden

Josef Ackermann beerbt zum 31. Mai 2012 Clemens Börsig als Aufsichtsratsvorsitzender Bild: AP

Josef Ackermann hat die Deutsche Bank stark geprägt. Nach der Neuordnung wird es interessant sein zu sehen, wie er mit den zwei neuen Co-Vorstandsvorsitzenden zusammenarbeiten wird. FAZ.NET beleuchtet die neue Personalstruktur.

          4 Min.

          Am Ende führte kein Weg an Josef Ackermann vorbei. Die Art und Weise, wie der Schweizer die Deutsche Bank durch die Finanzkrise führte, sein hohes Ansehen in Politik und Wirtschaft und seine erstklassige internationale Vernetzung sprachen in seinem Machtkampf gegen den amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig für den 63 Jahre alten Vorstandsvorsitzenden, nachdem Ackermann sich entschlossen hatte, für den Aufsichtsratsvorsitz anzutreten.

          Dabei tragen Ackermann und Börsig Verantwortung für die unselige Lage, in die sich die Führung der Deutschen Bank auf der Suche nach einem neuen Personaltableau an der Spitze gebracht hatten. Anders als zu Zeiten des alten Fahrensmannes Hilmar Kopper hatte die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren niemanden als Kronprinzen für Ackermann aufgebaut - nicht untypisch für Unternehmen mit einem sehr starken Vorstandsvorsitzenden, der in einem Kronprinzen eventuell einen künftigen Königsmörder gesehen hätte.

          Ackermanns Idee, den ehemaligen Bundesbankpräsidenten Axel Weber als (Co-)Vorstandsvorsitzenden zu installieren, scheiterte an erheblichen Widerständen in der Bank, die über den Aufsichtsrat hinausgingen. Ackermann hat die Bank in den vergangenen Jahren stark geprägt. Seit 1996 im Hause - damals holte ihn Hilmar Kopper -, wurde er im Jahre 2002 Vorstandssprecher.

          Josef Ackermann

          „Der beste Banker auf diesem Planeten“

          Seine Machtfülle nahm im Jahr 2006 mit der für die Deutsche Bank untypischen Berufung zum Vorstandsvorsitzenden noch einmal erheblich zu. In den vergangenen Jahren war die Kommunikation der Bank immer stärker darauf ausgerichtet, Ackermann - den einer seiner Vorgänger intern schon vor Jahren als „den besten Banker auf diesem Planeten“ bezeichnete - als eine Lichtgestalt des Bankgewerbes herauszustellen.

          Ackermann kommt aus dem Investmentbanking, hat aber in den vergangenen Jahren die übrigen Geschäftsbereiche der Bank wie das Filialgeschäft und die Vermögensverwaltung auszubauen versucht. Seinem Wechsel in den Aufsichtsrat im kommenden Jahr, der aus Gründen ordentlicher Unternehmensführung (Corporate Governance) zwar nicht unmöglich ist, aber auch hinterfragt werden kann, dürfte die Wahl zum Vorsitzenden des Aufsichtsgremiums folgen.

          Es wird interessant sein zu sehen, wie Ackermann mit zwei Co-Vorstandsvorsitzenden zusammenarbeiten wird, die er jedenfalls in dieser Kombination nicht gewünscht hat. Ackermann hatte früher mehrfach einen Wechsel in den Aufsichtsrat abgelehnt, unter anderem mit der Begründung, dass er versucht sein könnte, sich in dieser Tätigkeit zu sehr in die Arbeit des Vorstands einzumischen.

          Jain verdient schon heute mehr als Ackermann

          Die Ernennung von Anshu Jain und Jürgen Fitschen zu Co-Vorstandsvorsitzenden kam unter dem Einfluss des aktuellen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig zustande, der gleichwohl als Verlierer des Machtkampfes mit Ackermann betrachtet werden muss.

          Der 48 Jahre alte gebürtige Inder Jain arbeitet seit dem Jahr 1995 im Investmentbanking der Deutschen Bank. Zuvor war er für die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch tätig. Jain führt seit einiger Zeit das Investmentbanking alleine, das in guten Zeiten weit mehr als die Hälfte der Gewinne des Konzerns erzielt, aber auch volatil und risikoreich ist.

          Weitere Themen

          DAX hat Rekordhoch im Blick Video-Seite öffnen

          Chance auf neues Allzeithoch : DAX hat Rekordhoch im Blick

          Die Chancen stehen gut, dass der Dax in Kürze ein neues Allzeithoch erklimmen wird. Börsianer bezweifeln, dass der deutsche Leitindex seine bisherige Bestmarke von 13.596,89 Zählern bereits zu Beginn der Woche überspringen wird.

          Topmeldungen

          Demonstranten in Lausanne, einige Tage bevor sich die Wirtschafts- und Politikelite in Davos trifft. Nicht nur die Klimapolitik steht im Fokus der Protestler – auch der Kapitalismus.

          „Trust-Barometer“ : Deutsche zweifeln am Kapitalismus

          Nur noch jeder achte Deutsche glaubt, dass er von einer wachsenden Wirtschaft profitiert. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.