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Deutsche Bank : Ackermann sagt Treffen der Führungskräfte ab

Anshu Jain (l.) und Josef Ackermann Bild: REUTERS

Die wichtige Führungskräftetagung der Deutschen Bank soll erst nach dem Wechsel an der Spitze stattfinden. Der künftige Ko-Vorstandschef Fitschen geht in den Vorstand des Bankenverbands.

          Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat die wichtige Führungskräftetagung am 11. April in Montreux abgesagt. Dies teilte der Ende Mai scheidende Vorstandschef in einem internen Schreiben mit. Ein Sprecher der Bank bestätigte am Mittwoch die Absage, wollte sich aber nicht zu den Einzelheiten äußern. Wie aus dem Umfeld der Bank verlautete, begründete Ackermann die Verschiebung mit dem bevorstehenden Wechsel an der Vorstandsspitze.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach der Hauptversammlung am 31. Mai werden Anshu Jain und Jürgen Fitschen als Doppelsitze Ackermann ablösen. Es wird damit gerechnet, dass sie den Führungskräften ihre Strategie, ihre künftige Aufgabenverteilung und die Struktur der Bank innerhalb der ersten 100 Tage nach Amtsübernahme vorstellen. Die Berufung neuer Mitglieder für den Vorstand und das erweiterte Führungsgremium, das sogenannte Group Executive Committee (GEC), hatte zuletzt für Querelen im Vorstand gesorgt.

          Fitschen will Ackermanns Platz

          „Wir glauben, dass diese Konferenz für die Teilnehmer und die Bank den größtmöglichen Nutzen bringt, wenn sie erst dann stattfindet, nachdem das kürzlich bekanntgegebene Führungsteam mit der diesjährigen Hauptversammlung seine neuen Funktionen übernommen hat und es in der Lage ist, die künftige Strategie und Struktur der Bank in hinreichender Detaillierung zu diskutieren“, schrieb Ackermann den rund 200 Führungskräften, die bislang an der Tagung teilnehmen sollten.

          Aus Finanzkreisen verlautete auch, dass Fitschen den Platz Ackermanns im Vorstand des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) einnehmen wird. Er soll auf der Delegiertenversammlung am kommenden Montag kandidieren. Im Bankenverband gibt es die Hoffnung, dass Fitschen im März 2013 auch Präsident wird. Dann endet die Amtszeit von Andreas Schmitz, dem Vorstandssprecher von HSBC Trinkaus.

          Im Umfeld der Bank wurde betont, dass die Verschiebung des Führungskräftetreffens einstimmig im Vorstand beschlossen worden sei. Damit haben auch Jain und Fitschen zugestimmt. Das Treffen war schon einmal im vergangenen Herbst verschoben worden. Es hätte wohl am 11. April stattgefunden, wenn Ackermann wie ursprünglich geplant den Aufsichtsratsvorsitz der Bank übernommen hätte. Doch dazu hatte er nicht die notwendige Zustimmung der Investoren erhalten, so dass er Mitte November auf den Wechsel an die Aufsichtsratsspitze, der in der Politik kritisiert worden war, verzichtet hatte.

          Ein anderes Gesicht

          Dass erst jetzt das Treffen verschoben wurde, wird in Bankkreisen auch mit den vielen Änderungen in den Führungsgremien begründet. So rücken in den Vorstand drei neue Mitglieder auf. Das für das Tagesgeschäft verantwortliche GEC wird von zwölf auf 18 Mitglieder aufgestockt. Die Führungskräftetagung hätte im April ein anderes Gesicht gehabt, als wenn sie erst nach dem Wechsel an der Spitze stattfinde, hieß es im Umfeld der Bank. Aufgrund der Fülle an Änderungen würden auch auf den unteren Stufen zahlreiche Manager nachrücken, die aber im April noch nicht hätten teilnehmen können.

          Neben Ackermann werden Ende Mai auch Risikovorstand Hugo Bänziger, sowie Personal- und Technologievorstand Hermann-Josef Lamberti gehen. Der Schweizer Bänziger gilt als Vertrauer Ackermanns. Der ursprünglich für den Risikovorstand vorgesehene Bill Broeksmit konnte wegen Bedenken der Finanzaufsicht Bafin nicht nominiert werden. Stattdessen nimmt nun dessen Platz im Vorstand Stuart Lewis, bislang Bänzigers Stellvertreter, ein.

          Gerüchte über Risikovorstand

          In Finanzkreisen zirkulierten Gerüchte, wonach die Bafin in informellen Gesprächen ihre Zweifel an den Führungsqualitäten Broeksmits bereits signalisiert habe, als in der Öffentlichkeit noch nicht bekannt gewesen sei, dass er Risikovorstand werden solle. Die personellen Änderungen waren zehn Tage vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung am vergangenen Freitag nach draußen gedrungen. Am Rande einer Veranstaltung in Frankfurt wollte sich Bafin-Präsidentin Elke König dazu nicht äußern. Sie sagte nur, dass die drei neuen Vorstandsmitglieder - neben Lewis Stephan Leithner und Henry Ritchotte - akzeptiert worden seien.

          König fügte hinzu, dass sie mit der neuen Aufgabenverteilung im Vorstand keine Probleme habe. Zuletzt war Kritik laut geworden, dass der neue Risikovorstand nicht mehr für das Liquiditäts- und Zinsmanagement (Treasury) zuständig sein wird. Dies wird in Zukunft Finanzvorstand Stefan Krause verantworten. Schon seine Vorgänger bei der Deutschen Bank wie etwa der noch amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Börsig waren dafür zuständig.

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