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Deutsche Bank : Ackermann: Acht Milliarden Euro für Postbank

  • Aktualisiert am

Ackermann: „Wir haben sehr gut vorgearbeitet” Bild: dapd

Die Deutsche Bank braucht wegen der neuen schärferen Regeln für die Finanzbranche keine weitere Kapitalerhöhung. Knapp acht der zehn Milliarden Euro aus der bereits geplanten Kapitalerhöhung benötigt die Deutsche Bank für die Übernahme der Postbank.

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          Die Deutsche Bank braucht für die Postbank-Übernahme knapp acht Milliarden Euro und damit den größten Teil des Geldes aus der geplanten Kapitalerhöhung. Aus der Übernahme der Postbank entstehe ein zusätzlicher Kapitalbedarf von etwa 7,7 Milliarden Euro, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Montag in Frankfurt. Dies gelte, wenn die Bank im Rahmen ihrer Übernahmeofferte weitere 21 Prozent an der Postbank erwerben wird und ihr Anteil damit auf mehr als 50 Prozent steigt. Sollten mehr Aktien angeboten würde, wäre der Kapitalbedarf etwas höher.

          Die Deutsche Bank hatte am Sonntag ein Übernahmeangebot für die Postbank angekündigt, an der sie bereits fast 30 Prozent hält (siehe Deutsche Bank beschließt Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe). Unter anderem dafür erhöht die Deutsche Bank ihr Kapital um fast zehn Milliarden Euro. Die Deutsche Bank will den Postbank-Aktionären dabei zwischen 24 und 25 Euro je Aktie bieten. Dies ist deutlich weniger als die Deutsche Bank der früheren Postbank-Mutter, der Deutschen Post, bisher bezahlt hat.

          Die größte deutsche Bank hatte sich im Spätsommer 2008 - kurz vor der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers - mit der Post auf den Kauf der Postbank verständigt. Wegen der Finanzkrise wurde die Transaktion teilweise neu aufgerollt.

          Bild: F.A.Z.

          Die Postbank ist mit 14 Millionen Kunden die größte deutsche Filialbank. An den bisherigen Plänen, die Marke Postbank zu erhalten, ändere sich nichts, betonte Ackermann. Für die Personalstärke beider Häusern werde die Übernahme aber natürlich „gewisse Konsequenzen haben“. Die Postbank beschäftigt in Deutschland rund 21.000 Menschen, die Deutsche Bank etwa 30.000.

          Die Deutsche Bank ist die größte Privatbank in Deutschland, auch nach der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank und schon vor der vollständigen Einvernahme der Postbank. Die Zahl ihrer Privatkunden in Deutschland gibt die Deutsche Bank mit rund 10 Millionen an. Die Postbank hat mit rund 14 Millionen zwar mehr, aber dafür auch im Schnitt weniger betuchte Kunden.

          In den vergangenen Jahren war die Deutsche Bank schon häufiger auf Einkaufstour. Zu den großen Übernahmen zählen unter anderem der Kauf der New Yorker Investmentbank Bankers Trust für rund 17 Milliarden D-Mark im November 1998. Später kaufte die Deutsche Bank die Berliner Bank, die Norisbank und die in Schieflage geratene Traditionsbank Sal. Oppenheim.

          Wegen der neuen schärferen Regeln für die Finanzbranche (siehe Bankenaufseher verschärfen die Regeln) braucht die Deutsche Bank nach eigenen Angaben keine weitere Kapitalerhöhung. „Wir werden die Basel-III-Kriterien bereits Ende 2013 erfüllen“, sagte Ackermann. „Wir haben sehr gut vorgearbeitet.“ Deshalb brauche die Deutsche Bank über die am Sonntag angekündigte Kapitalerhöhung von fast zehn Milliarden Euro hinaus kein weiteres Geld vom Aktienmarkt, um die neuen Kapitalauflagen für die Banken zu erfüllen.

          Unterdessen warnte Ackermann vor einem frühzeitigen Abhaken der Finanzkrise. „Die Finanzmärkte haben sich stabilisiert, die Lage ist aber nicht so stabil, dass es nicht zu neuerlichen Verwerfungen kommen könnte“, sagte er. Dies zeigten etwa die Schuldenprobleme in Teilen der Eurozone.

          Vier Interessenten für BHF-Bank

          Den Verkauf der Tochter BHF-Bank will die Deutsche Bank bis Jahresende über die Bühne bringen. „Der Verkaufsprozess läuft sehr erfreulich“, sagte Finanzvorstand Stefan Krause am Montag. Die Deutsche Bank habe vier Interessenten ausgewählt, die nun einen tieferen Blick in die Bücher werfen würden. Anschließend werde dann voraussichtlich noch mit ein oder zwei potenziellen Käufern weiterverhandelt. „Der Plan ist, dass wir bis Jahresende zu einer Vertragsvereinbarung kommen“, sagte Krause.

          Experten haben Zweifel, dass die Deutsche Bank den Buchwert der BHF-Bank von rund 650 Millionen Euro bekommen kann. Viele Institute haben nur Interesse an Teilen der auf reiche Privatkunden spezialisierten BHF-Bank geäußert. Doch die Deutsche Bank möchte das Geldhaus als Ganzes verkaufen. Unter den Interessenten ist noch die Bank LGT aus Liechtenstein.

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