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Teure Verträge : Bahn will Berater künftig strenger auswählen

Das Logo der Deutschen Bahn ist an der Fassade der Zentrale der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz in Berlin Bild: dpa

Die Bahn zieht erste Konsequenzen aus dem Wirbel um teure Beraterverträge. In den Fokus der Untersuchungen rückt derweil der ehemalige Konzernvorstand Ulrich Homburg.

          Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn hat in seiner Sondersitzung am Donnerstag noch keine Konsequenzen aus dem Wirbel um Beraterverträge mit ehemaligen Managern gezogen. Die Untersuchungen laufen weiter. Die Bahn teilte in Berlin mit, derzeit würden Verträge mit 26 ehemaligen Beratern überprüft, darunter seien drei Konzernvorstände.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Im Mittelpunkt stehen dabei drei Verträge mit dem ehemaligen Konzernvorstand Ulrich Homburg, der von 2009 bis 2015 für den Regional- und Fernverkehr verantwortlich war. Außerdem geht es nach F.A.Z.-Informationen um Verträge mit dem langjährigen Finanzvorstand Diethelm Sack, der bis 2009 im Konzern war, sowie mit Norbert Bensel, von 2002 bis 2009 erst Personal- und dann Logistikvorstand. Bei Sack soll es um eine Beratung zu einem mittleren vierstelligen Betrag gehen, bei Bensel um einen Präsentationsauftrag, der auf Wunsch der Gewerkschaft EVG zwar mit dem Aufsichtsrat abgestimmt, aber nicht formal unterzeichnet war.

          Der Bahn-Aufsichtsratsvorsitzende Michael Odenwald bekräftigte nach der Sitzung: „Beraterverträge von ehemaligen Vorständen und Geschäftsführern am Aufsichtsrat vorbei darf es zukünftig nicht mehr geben. Wir setzen alle Kraft in die Aufklärung.“ Dabei geht es jetzt vor allem um Homburg. Er soll in den nächsten Tagen von den externen Ermittlern, der Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei Noerr sowie Compliance-Spezialisten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young befragt werden.

          Ulrich Homburg, einstiges Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn, im Jahr 2014 bei einer Pressekonferenz

          Homburgs Honorare in den zwei Verträgen zum Regionalverkehr (unter anderem zur Berliner S-Bahn) sowie einem weiteren zur Personalberatung (Einsatz als Headhunter für Spitzenpositionen) sollen sich angeblich auf rund 800.000 Euro belaufen. Anlässlich seines Ausscheidens 2015 hatte Homburg zuvor schon eine Abfindung von mehr als drei Millionen Euro bekommen. Über ihre bisherigen Erkenntnisse haben die externen Ermittler die Bahnaufseher ausführlich informiert. Voraussichtlich wird das Thema in der nächsten regulären Sitzung am kommenden Mittwoch wieder auf der Tagesordnung stehen.

          Die Innenrevision der Bahn und die externen Ermittler überprüfen außerdem Verträge mit 23 weiteren ehemaligen Spitzenmanagern aus den Jahren 2010 bis 2018.  Nach bisherigen Erkenntnissen geht es um Honorare im vierstelligen oder niedrigen fünfstelligen Bereich. Nach Bekanntwerden der Vorgänge hatte es vergangene Woche hinter vorgehaltener Hand Forderungen von Vertretern der Politik im Aufsichtsrat gegeben, Bahnchef Richard Lutz dafür haftbar zu machen. Wegen Homburg wurde in diesem Zusammenhang auch der Name des heutigen Personenverkehrs-Vorstands Berthold Huber genannt. Eine „Haftung“ von Vorständen für die Vorfälle sei am Donnerstag im Aufsichtsrat kein Thema gewesen, hieß es in Bahnkreisen.

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