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Besseres Netz : Die Bahn will Funklöcher in den Zügen schließen

Bald besser verbunden? Bild: Nerea Lakuntza

Arbeiten im Zug ist bisher häufig nicht mehr als ein gut gemeintes Versprechen: Doch schon in diesem Jahr soll sich das „spürbar“ ändern, sagt der Verkehrsminister mit wichtigen Anbietern an seiner Seite.

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          Die Schließung von Funklöchern ist ein mühseliges Unterfangen, zumal bei einer Geschwindigkeit von mehr als 300 Kilometern pro Stunde. Niemand weiß das besser als die Deutsche Bahn und ihre Kunden. Sie spüren das Tag für Tag, wenn sie auf einer Geschäftsreise mit dem klimafreundlichen Zug versuchen, eine produktive Tätigkeit zu beginnen.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Das kann nur mit einem gemeinsamen Kraftakt gelingen, deshalb kamen am Berliner Hauptbahnhof am Freitag gleich drei Akteure zusammen, die ihr Vorhaben präsentierten: Neben der Deutschen Bahn auch der Mobilfunkanbieter Vodafone und der Bundesverkehrsminister Volker Wis­sing (FDP). Bahnreisende sollen schon bald in den Fernverkehrszügen eine stabile Mobilfunkverbindung und ein „ruckelfreies“ Internet nutzen können.

          „5G+“ aktivieren

          Schon in diesem Jahr werde sich die Situation in den Zügen „spürbar“ verbessern, versprach Wissing, schon bald soll es das modernste Mobilitätsangebot in Europa sein. Bis Mitte 2025 soll es auch schnell werden, ergänzte Vodafone-CEO Hannes Ametsreiter: Bandbreiten von mindestens 225 Megabit pro Sekunde auf den Hauptverkehrsstrecken der ICE- und IC-Züge. Entlang dieser Strecken will der Düsseldorfer Provider auch sein Netzwerk „5G+“ aktivieren, das ohne LTE-Technik auskommt („5G Standalone“) – „5G+“ bietet besonders kurze Datenlaufzeiten, allerdings nur für Smartphones, die dafür besonders ausgerüstet sind. Auf knapp 14.000 Streckenkilometern immerhin mindestens 125 Megabit pro Sekunde. Damit wären rund 21.000 Kilometer abgedeckt, von einem Streckennetz, das mehr als 33.000 Kilometer umfasst. Damit dies gelingt, hat Vodafone zugesagt, 160 zusätzliche Mobilfunkstationen entlang der Bahnstrecken zu bauen und rund tausend technisch aufzurüsten.

          Auch die Bahn hat einiges zu tun: Sie wird noch umfangreicher als bisher Flächen und Glasfaserinfrastruktur entlang der Schienen zur Verfügung stellen. Außerdem tauscht sie Fensterscheiben in den Zügen aus, damit die Funksignale besser in den Innenraum der Züge gelangen können.

          Auch die Telekom soll liefern

          Das Engagement von Vodafone ist dabei nicht einzigartig: Die Deutsche Telekom hatte bereits im vergangenen Juni eine lückenlose Versorgung mit Mobilfunk an der Schiene bis 2026 angekündigt. Die Telekom investiert nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Euro in die zusätzliche Versorgung aller Strecken bis zum Jahr 2026.

          Damit sollen zwischen 100 und 200 Mbit pro Sekunde zur Verfügung stehen, die Bundesnetzagentur schreibt eine Geschwindigkeit von mindestens 50 Mbit pro Sekunde vor. Sie nennt ihr Bahnprojekt „Schwarzer Schäferhund“, was man durchaus als Seitenhieb auf die Telekommunikationskonkurrenz verstehen kann, weil deren Angebote noch so viele „weiße Flecken“ haben, wie der Telekom-Vorstandsvorsitzende Tim Höttges erst am Donnerstag den Aktionären auf der Hauptversammlung erklärte. Dabei geht es um die 33.600 Kilometer Schienen in Deutschland und die Schwierigkeit, das Signal auch wirklich in die Züge zu bekommen.

          Wenn ein ICE mit 300 Stundenkilometern unterwegs ist, wird das Signal im Schnitt etwa alle 40 Sekunden in die nächste Funkzelle übergeben. Das ist schon die erste Anfälligkeit, doch daran arbeiten die Mobilfunkanbieter, entlang der Strecke und auch in Tunneln die Versorgung herzustellen.

          Schwieriger wird es dabei, das auch in die Züge zu bekommen: Obwohl die Bahn Repeater auf den Zugdächern und dann in den Abteilen verteilt, kommt wegen der hohen Dämpfung durch die Architektur des Zuges nach Angaben der Telekom nur 0,1 Prozent des Funksi­gnals an der Strecke wirklich im Zug an. Das ist zehn Mal weniger als etwa bei einem Auto. Die Bahn will deshalb künftig die Scheiben der neuen ICE schon vor dem Einbau so lasern, dass sie Mobilfunkwellen durchlassen.

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