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Neue Technologie : Deutsche Bahn testet Wasserstoffzug

Bahn-Chef Richard Lutz (links) und Siemens-Vorstandsvorsitzender Roland Busch im Wasserstoffzug „Mireo Plus H“ Bild: AFP

Die Deutsche Bahn will weg von dreckigen Dieselzügen. Dabei soll ihr Wasserstoff helfen. Der erste, gemeinsam mit Siemens entwickelte Wasserstoffzug wird nun getestet.

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          Die Deutsche Bahn möchte vom Diesel loskommen und plant deshalb den Umstieg auf eine völlig neue Technologie. Am Freitag hat Deutsche-Bahn-Chef Richard Lutz die erste Fahrt mit einem neuen Wasserstoffzug Mireo Plus H absolviert und anschließend auch den neuen Tankvorgang mit einer mobilen Wasserstofftankstelle erprobt.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Der neue Zug, den die Bahn zusammen mit Siemens entwickelt, hat eine Reichweite von rund 1000 Kilometern und erreicht nach Konzernangaben eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 160 km/h. Ab Januar wird der Mireo Plus H Testfahrten in Baden-Württemberg aufnehmen, ein Jahr später soll er regelmäßig zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim unterwegs sein.

          „Bis 2040 werden wir als Deutsche Bahn klimaneutral sein. Ein wichtiger Hebel dabei ist der Abschied vom Diesel“, sagte Lutz. Ein einziger Zug spare über seine Lebensdauer von 30 Jahren bis zu 45­ 000 Tonnen CO2 gegenüber Autofahrten ein, ergänzte Siemens-Chef Roland Busch bei der Premierenfahrt am Freitag. Die Wasserstoff-Technologie soll künftig Dieseltriebzüge im Regionalverkehr ersetzen und somit einen wesentlichen Beitrag zum Dieselausstieg leisten.

          Generalsanierung von 2024 an

          Die Deutsche Bahn preist Wasserstoffzüge als eine besonders klimafreundliche Antriebstechnologie, denn mit „grünem Wasserstoff“ fahren die Züge ihren Angaben zufolge emissionsfrei – ausgestoßen wird nur Wasserdampf. Auch die Bundesregierung setzt große Hoffnungen auf diese Technologie. Das Projekt wird mit insgesamt 13,74 Millionen Euro durch das Bundesverkehrsministerium gefördert.

          Während Bahn-Chef Lutz am Freitag in Süddeutschland die Zukunft des Bahnverkehrs testen konnte, kämpfen seine Mitarbeiter mit den unzähligen Baustellen, die der Staatskonzern auf den Weg dorthin zu bewältigen hat. Das marode Schienennetz führt schon seit Monaten zu erheblichen Verzögerungen im Zugverkehr, die teils mehrere Stunden ausmachen können. Der Zustand der Schienen ist so schlecht, dass Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und die Bahn eine Generalsanierung geplant haben, die 2024 beginnen soll. Dann werden etliche auch hoch ausgelastete Korridore so umfassend erneuert, dass es auf einigen Strecken zu Totalsperrungen kommen wird.

          Hinzu kommen immer wieder auch wetterbedingte Ausfälle, wie in den vergangenen Tagen in Köln. Dort haben Bahnmitarbeiter alle Mühe die Schäden eines massiven Wassereinbruchs zu beheben, der seit Donnerstag den Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen stört. Mehrere Zehntausend Liter Wasser müssen aus einem Stellwerk gepumpt werden. Der Wassereinbruch habe große Teile der Stellwerkstechnik irreparabel zerstört, wie die Bahn nach Begutachtung der Schäden bekannt gab.

          Deshalb müssen nun mühsam etliche Kabel und Klemmleisten erneuert werden. Aufgrund der starken Schäden geht die Deutsche Bahn davon aus, dass die Einschränkungen im Zugverkehr rund um Köln bis mindestens Samstag bestehen bleiben. Der Regional- und Fernverkehr wird über Köln Messe/Deutz oder die Südbrücke umgeleitet oder fällt zum Teil aus.

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