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F.A.Z.-exklusiv : Bahn testet Reservierungen im Nahverkehr

Reservierung bald auch im Nahverkehr? Die Bahn probiert gerade aus, wie das ankommt. Bild: dpa

Wer eine lange Bahnreise unternimmt, kann einen Sitzplatz reservieren. In fünf Regionen probiert die Bahn nach Informationen von FAZ.NET nun aus, ob das auch auf kürzeren Strecken sinnvoll ist.

          Im Fernverkehr können Bahnreisende seit Jahrzehnten vor der Fahrt einen Sitzplatz reservieren, im Nahverkehr bislang allerdings nicht. Das könnte sich nun ändern: Die Bahn testet derzeit in einigen Zügen Reservierungen auch im Nahverkehr.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dafür hat die Bahn nach Informationen von FAZ.NET mehrere Regionen in fünf verschiedenen Bundesländern ausgewählt und kooperiert auch mit Verkehrsverbünden. Die Teststrecken liegen in Bayern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

          Ab Januar kann jeder testen

          Der Service ist zunächst an Pendler mit Abo-Monatskarten gerichtet. Inhaber von Zeitkarten der Bahn oder beteiligter Verkehrsverbünde können sich Plätze in den Zügen reservieren. Wer regelmäßig denselben Zug verwendet, kann sich seinen Stammplatz auch in einem Rutsch für mehrere Wochentage vormerken.

          Die Reservierung gilt für die Dauer der Zeitkarte. Die Zahl der reservierbaren Plätze ist begrenzt. Ab Januar 2017 können auch gewöhnliche Bahnfahrer auf den Teststrecken für Einzelfahrten Sitzplätze reservieren.

          Während der Testphase kostet der Service unterschiedlich viel. Auf der Strecke Cottbus-Leipzig zahlen Pendler 40 Euro für das ganze Jahr für ihre Platzreservierung. Eine Einzelreservierung soll auf dieser Strecke ein Euro kosten. Teilweise gibt es die Reservierungen auch günstiger. Langfristig will die Bahn aber einen einheitlichen Preis verlangen. Dafür muss sie aber noch mit den beteiligten Verkehrsverbünden verhandeln.

          Wer den neuen Service der Bahn nutzen will, muss sich derzeit noch auf der Internetseite www.mein-sitzplatz-regio.de anmelden. Nach der Wahl des Zuges können Bahnfahrer mit Hilfe einer grafischen Sitzplatzanzeige den gewünschten Platz auswählen. Die Reservierungsbestätigung sendet die Bahn per E-Mail.

          Ab Januar können Bahnfahrer auch am Fahrkartenautomat und im Reisezentrum Sitzplätze reservieren, dort ist keine Registrierung erforderlich. Da es in Nahverkehrszügen üblicherweise keine flexiblen Reservierungs-Anzeigen über den Sitzen gibt, hat die Bahn einige Plätze mit Schildern gesondert markiert, ähnlich den Bahn-Comfort-Zonen im ICE. Bei Bedarf müssen Fahrgäste ohne Reservierung die ausgeschilderten Plätze für Gäste mit Reservierungsbestätigung freimachen.

          Bei der Einführung der Sitzplatzreservierung in Regionalzügen hat sich die Bahn von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group helfen lassen. Deren Berater haben sich das Modell ausgedacht. Die Digitaltochtergesellschaft BCG Digital Ventures ist darauf spezialisiert, digitale Ideen für große Traditionsunternehmen zu entwickeln.

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