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Weniger, aber günstiger : Bahnreisende bekommen einen neuen Speiseplan

Das Bordbistro der Bahn: Hier gibt es bald weniger, dafür günstigere Gerichte. Bild: AFP

Das Bordbistro der Bahn wird generalüberholt – und soll preiswerter werden. Und auch sonst soll sich einiges ändern, um das „Reiseerlebnis“ zu verbessern.

          Pünktlichkeit – die ist wichtig für die Deutsche Bahn, aber sie ist nicht alles. Zu einem „verbesserten Reiseerlebnis“ gehören für den Konzern ganz andere „Highlights“, die den Kunden zufriedener stellen sollen. Das wurde am Donnerstag auf der Veranstaltung „Mobilität erleben“ in Berlin-Weißensee deutlich. Während des Events, zu dem die Bahn einmal im Jahr 250 Gäste einlädt, zeigte das Unternehmen Vertretern aus Politik und Wirtschaft neue Produkte und Services. Wie wichtig die Unterrichtung der „Multiplikatoren“ dem vielkritisierten Unternehmen ist, zeigte die hochkarätige personelle Besetzung der Vortragsrunden: Bahnchef Richard Lutz und Personenverkehrsvorstand Berthold Huber nahmen sich die Zeit für das Marketing. Im Mittelpunkt 2018: ein neues Konzept für die Bordgastronomie.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von einer lukullischen Revolution wird niemand sprechen, aber einiges soll sich doch ändern. „Was Reisende am liebsten essen, wird neu interpretiert – abwechslungsreich und vielfältig“, sagte Michael Peterson, Marketingvorstand der Tochtergesellschaft DB Fernverkehr. „Dafür investieren wir unter anderem in ein neues Sortiment, das Tradition und Moderne verbindet, höherwertigere Zutaten zum Einsatz bringt und den Kunden mehr Flexibilität gibt, die Speisen auch an ihren Platz mitzunehmen.“

          Im Klartext bedeuten die gut gedrechselten Formulierungen des Marketingvorstands: Die Speisekarte in den 650 rollenden Restaurants und Bistros in den ICE- und IC-Zügen wird „etwas kleiner“. Die Hoffnung im Konzern: So müssten Gäste seltener enttäuscht werden, wenn ihr Wunschgericht nicht mehr vorrätig sei. Und dadurch erwarte man eine höhere Zufriedenheit der Reisenden, so Peterson. Und die ist tatsächlich steigerungsfähig. Nicht nur Stammkunden der Bahn klagen oft, dass an kalten Tagen die Kaffeemaschine ausfalle und an heißen Tagen der Kühlschrank im Bordbistro.

          Monitore mit Platzanzeige

          Zur höheren Zufriedenheit könnte auch beitragen, dass das Unternehmen an der Preisschraube dreht – und zwar nach unten. Wie stark die Preise sinken könnte, ließ Peterson jedoch offen. Für einige Wochen will die Deutsche Bahn ihre Fahrgäste jedoch mit Sonderangeboten locken. Eine Tasse Kaffee soll es dann für 2,50 Euro geben anstatt für drei Euro. Generell sollen auf der Speisekarte noch häufiger Klassiker wie Currywurst oder Chili con Carne zu finden sein. Jedoch in einer verfeinerten Variante, wie betont wurde: die Wurst etwa mit Tortilla-Streuseln, das Chili mit einem Klecks Schmand. Auf jeden Fall entspreche das neue Speisesortiment „heutigen Lebens- und Essgewohnheiten“, verspricht das Unternehmen. Vegetarier und Veganer sollen daher nicht zu kurz kommen. Für sie gebe es weiterhin ein Angebot an Gerichten wie zum Beispiel Quinoa- und Couscous-Salat.

          Auch über die Gastronomie hinaus will die Bahn aufrüsten. Für 18 Millionen Euro soll die erste Intercity-Generation modernisiert werden, wie Personenverkehrsvorstand Huber ankündigte. 14.000 Sitze in rund 210 Wagen werden dafür aufgearbeitet, sie erhalten neue Polster und Stoffe. Die Toiletten werden „rundum erneuert“ und neue Wandmotive sollten Kleinkind- und Familienbereiche „noch kindgerechter“ machen, hieß es. Der Umbau, der schon begonnen hat, soll 2021 abgeschlossen sein. 18 Millionen Euro darf er kosten.

          Die Bahn will Kunden zudem weniger Grund zum Klagen geben, vor allem wenn Züge sich verspäten oder ausfallen. Für die Kundeninformation setzt sie deshalb noch mehr als bisher auf „digitale Helfer“ wie Monitore, die in Echtzeit über Fahrtverlauf, nächste Halte und Anschlüsse oder sogar über An- und Abflugzeiten informieren. Auf großes Interesse dürfte dabei ein Service für Kunden ohne Platzreservierung stoßen. Auf großen Monitoren im Einstiegsbereich der ICE-Züge wird Kunden künftig auf einen Blick angezeigt, wo es noch freie Sitzplätze gibt. „Die Frage ,laufe ich nach rechts oder links‘ stellt sich dann nicht mehr“, verspricht der Schienenkonzern. Dieser Service soll zunächst nur testweise starten.

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