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Deutsche Bahn : Der Kundenansturm wächst, aber Züge fehlen

Ein IC2 im Hauptbahnhof in Hannover Bild: dpa

Die Zahl der Fahrgäste steigt deutlich, auch dank der gesunkenen Mehrwertsteuer. Doch die Deutsche Bahn tut sich schwer, dem gerecht zu werden. Jetzt gibt es auch noch technische Mängel an neuen IC-Zügen.

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          Die Deutsche Bahn erlebt zurzeit einen ungeahnten Ansturm: Nach der Senkung der Mehrwertsteuer ist die Nachfrage nach Fernverkehrstickets zu Jahresbeginn um eine zweistellige Prozentzahl gewachsen. Im ganzen Jahr rechnete der Bahnvorstand bisher mit rund fünf Millionen Fahrgästen mehr wegen des Preisnachlasses. Nun muss die Bahn, die zuletzt rund 150 Millionen Kunden in ICE und IC-Zügen zählte, womöglich neu kalkulieren.

          Kerstin Schwenn
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Leicht fällt es der Bahn indes nicht, den Bedürfnissen der steigenden Zahl von Fahrgästen gerecht zu werden. Denn die Fahrzeugflotte wächst nicht so schnell und reibungslos wie erhofft. Die neuen ICE 4 stehen derzeit öfter und länger in den Werkstätten als erwartet. Jetzt kommt noch neuer Streit mit Bombardier hinzu: Die  Bahn will dem Hersteller 25 Intercity-Züge wegen technischer Mängel nicht abnehmen.

          „Nicht mit der erwarteten Zuverlässigkeit“

          Bombardier gestand am Dienstag ein, dass die Doppelstockzüge vom Typ IC2 „aktuell nicht mit der von der DB und von Bombardier selbst erwarteten Zuverlässigkeit im Betrieb sind“. Man bedauere die Unannehmlichkeiten, die der Bahn und den Fahrgästen entstanden seien, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Bombardier arbeite gemeinsam mit der Bahn daran, „die Zuverlässigkeit der IC2-Züge zeitnah deutlich zu verbessern“.

          Die Bahn hatte mitgeteilt, man setze auf eine schnelle Behebung der Mängel durch den Hersteller und prüfe darüber hinaus alle rechtlichen Mittel. Die Bahn ergänzt ihre IC-Flotte seit Ende 2015 mit den Doppelstockwagen. Schon damals hatten sich die ersten Lieferungen verzögert. Bei den aktuellen Mängeln geht es um die zweite Bauserie des Zuges. Auch die Schweizer SBB berichteten im vergangenen Jahr von Schwierigkeiten mit den Doppelstockzügen von Bombardier, beispielsweise mit den Zugtüren.

          Dem Vernehmen nach gibt es in Deutschland nun Probleme mit der Software des Zugbetriebssystems. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert aus Dokumenten, in denen beschrieben wird, dass das Betriebssystem des Zuges regelmäßig zusammenbreche, wenn die Züge die Richtung änderten. Lokführer müssten eine Stunde vor Abfahrt am Zug sein, um das System zu starten. Die Fahrzeuge werden unter anderem zwischen Dresden und Köln sowie Singen und Stuttgart eingesetzt. Schon vor rund einem Jahr hatte es Meldungen über Probleme mit der zweiten Bauserie des Doppelstock-Intercitys gegeben. Die Bahn bezeichnete die Probleme damals als „nicht gravierend und bei  der Einführung neuer Fahrzeuge alles andere als ungewöhnlich.“

          Vor mehr als zehn Jahren eskalierte die Lage

          Ähnlich ist derzeit die Sprachregelung im Hinblick auf „Kinderkrankheiten“ des neuen ICE 4, den Siemens zusammen mit Bombardier baut. Im vergangenen Frühjahr hatte die Bahn die Auslieferung der Züge gestoppt, nachdem an Wagenkästen fehlerhafte Schweißnähte entdeckt worden waren. Siemens wies die Verantwortung dafür Bombardier zu, der die Wagenkästen liefert. Auch im Betrieb erweisen sich die Züge offenbar noch als fehleranfällig. Die Bahn gibt Milliardenbeträge aus, um das Alter ihrer Flotte zu senken. Im Durchschnitt sind die Züge zurzeit mehr als 20 Jahre alt – und zunehmend reparaturbedürftig. Dass Züge fehlen, belastet die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn schwer.

          In der Vergangenheit ist der Konzern immer wieder mit den Herstellern in Streit geraten. Vor mehr als zehn Jahren eskalierte die Lage, als das Eisenbahnbundesamt Fahrzeugen der ICE-Baureihe 407 von Siemens oder den Talent-Regionalzügen von Bombardier die Zulassung wegen technischer Unzulänglichkeiten versagte. Dadurch verzögerten sich die Zuglieferungen um Jahre. Es folgten Rechtsstreitigkeiten mit Schadensersatzforderungen in dreistelliger Millionenhöhe.

          Um solche Szenarien für die Zukunft möglichst zu vermeiden, einigten sich Bundesregierung, Bahn, Hersteller und Eisenbahnbundesamt schon 2010 auf schnellere und transparentere Verfahren. Seit 2011 dient das Handbuch Eisenbahnfahrzeuge als verbindlicher Leitfaden für den Prozess von der Herstellung bis zur Zulassung von Zügen. Rechtlich verankert wurde etwa, dass technische Regelwerke grundsätzlich sieben Jahre von der Antragstellung an gelten, damit sich Normen nicht während des Entwicklungsverfahrens ändern. Außerdem ist seither die Zulassung von Fahrzeugserien und -varianten möglich. Bis dahin musste jedes Fahrzeug einzeln zugelassen werden.

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