https://www.faz.net/-gqe-7x9og

Die Bahn investiert : 850 Bahnbaustellen – gleichzeitig!

Die Baufahrzeuge rollen an: In den kommenden Jahren will die Bahn 17.000 Kilometer Schienen erneuern. Bild: dpa

17.000 Kilometer Schienen und 8700 Weichen: Die Bahn gibt 28 Milliarden Euro aus, um ihre Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Für die Kunden bedeutet das mehr Verspätungen. Aber es gibt auch ein Versprechen.

          Die Deutsche Bahn will viele Milliarden ausgeben, um ihr Schienennetz instand zu halten. Bis zum Jahr 2019 will die Deutsche Bahn 28 Milliarden Euro ausgeben, um Gleise, Brücken und Tunnel zu sanieren. Bis zu 850 Baustellen gleichzeitig wird es dann im Netz geben, noch einmal 50 mehr als heute. Das ist für das Unternehmen eine Herausforderung und für Bahnfahrer eine Geduldsprobe.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die „Langsamfahrstellen“ sind aber verbunden mit einem Versprechen: Ist das Netz erst einmal modernisiert, sind die Züge schneller und pünktlicher unterwegs als heute. Sollte die Bahn diese Zusage nicht einhalten, droht sie im Wettbewerb mit Auto, Fernbus und Flugzeug zurückzufallen.

          Der Bund, dem die Staatsbahn gehört, lässt sich die Sanierung der Schieneninfrastruktur in den nächsten Jahren damit deutlich mehr kosten als bisher. Zu den 28 Milliarden steuert der Finanzminister 20 Milliarden Euro hinzu, den Rest muss die Bahn selbst erwirtschaften. So haben Bund und Bahn es in ihrer neuen „Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung“ (LuFV) verabredet, die nach jahrelangen Verhandlungen nun unterzeichnet wird. Großzügig erhöht der Bund darin das jährliche Sanierungsbudget der Bahn von 2,5 auf 4 Milliarden Euro.

          Lange Bauarbeiten um Berlin

          Die Bahn hätte sich noch einen „Schnaps mehr“ gewünscht, ist aber zufrieden mit dem Ergebnis. Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer sagt: „Wir starten das größte Modernisierungsprogramm, das es in der Infrastruktur der Bahn je gegeben hat. Bis 2019 werden wir rund 17.000 Kilometer Schienen und 8700 Weichen erneuern.“ Außerdem sollen in den nächsten fünf Jahren mindestens 875 Brücken erneuert werden.

          Die Bahn arbeitet an einem eng abgestimmten Baufahrplan, um die Einschränkungen für die Reisenden so gering wie möglich zu halten. Vermeiden lassen sie sich nicht. Kefer sagt, die Bahn wolle ihre Kunden jedenfalls gut über die vielen Baustellen informieren. Abgesehen von Oberbau, Brücken und Tunneln wird die Bahn bis zum Jahr 2019 rund 4 Milliarden Euro in die Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik stecken. Das klingt üppig, bleibt aber doch an der Untergrenze dessen, was die EU-Kommission von Deutschland an Investitionen verlangt.

          Die Investitionswelle wird schon im kommenden Jahr auf allen wichtigen Strecken zu spüren sein, teilweise stehen monatelange Bauarbeiten an – etwa in und um Berlin (wegen der S-Bahn) sowie zwischen Hannover und Göttingen. Hier werden ab Mitte Mai auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke elf Weichen erneuert. Der Fernverkehr wird umgeleitet, die Fahrt dauert dadurch 30 Minuten länger. Auf der Rennstrecke Köln – Frankfurt werden von Mitte April bis Mitte Mai die Schienen ausgewechselt; dazu wird die Strecke an vier Wochenenden gesperrt. Zwischen Mannheim und Stuttgart sollen von Mitte September an zwei Monate lang Gleise und Weichen erneuert werden – die Umleitung kostet 40 Minuten zusätzliche Fahrtzeit.

          Auch die Infrastruktur zwischen München und Ingolstadt wird erneuert und für eine Höchstgeschwindigkeit bis Tempo 200 ausgelegt. Die Umleitung des Fernverkehrs über Augsburg voraussichtlich bis August dauert rund 30 Minuten länger. Um unnötige Behinderungen zu vermeiden, sollen Baumaßnahmen in „Korridoren“ gebündelt werden.

          Für Bau und Koordination will die Bahn nach Kefers Angaben rund 1700 Mitarbeiter zusätzlich einstellen. Um ihre Effizienz zu verbessern, sollen zudem die Unternehmen DB Projektbau und DB International verschmolzen werden. Die Bahn erhofft sich davon mehrere 100 Millionen Euro Einsparungen.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Hauptbahnhof der Geduldsproben

          Stuttgart 21 : Hauptbahnhof der Geduldsproben

          In Stuttgart müssen Reisende noch lange mit Provisorien leben. Von Anfang 2020 an können sie die Bahnhofshalle gar nicht mehr betreten – sie müssen dann durch „Gehkanäle“ laufen.

          Topmeldungen

          Dietmar Bartsch, Linken-Fraktionschef im Bundestag, steht Rede und Antwort beim ARD-Sommerinterview.

          TV-Kritik: „Sommerinterview“ : Erzählen Sie lieber was vom Pferd!

          In der ARD darf Dietmar Bartsch die Linke groß reden, im ZDF versucht Shakuntala Banerjee, die FDP kleiner zu halten, als sie ist. Besser wäre es, über das Format der Sommerinterviews neu nachzudenken: Oberflächliche Dampfplauderei ist entbehrlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.