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Deutsche Bahn : Gabriel schickt Ex-TUI-Chef Frenzel in Bahn-Aufsichtsrat

Michael Frenzel Bild: dpa

Es ist ein Coup des Wirtschaftsministers: Der langjährige TUI-Chef Michael Frenzel soll in den Aufsichtsrat der Bahn einrücken. Er war früher schon einmal Chef des Kontrollgremiums - wird er es wieder?

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          Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) besetzt den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG überraschend um. Anstelle von Staatssekretär Rainer Sontowski soll auf dem Ticket des Wirtschaftsministeriums jetzt der langjährige TUI-Vorstandsvorsitzende Michael Frenzel in das Kontrollgremium einrücken. Sontowski legte sein Mandat, das er erst im Januar übernommen hatte, am Mittwoch nieder, wie in Aufsichtsratskreisen in Berlin zu hören war.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Berufung des 67 Jahre alten Managers Frenzel gilt als Coup des Wirtschaftsministers. Gabriel hatte schon vor einiger Zeit angekündigt, er wolle gern jemanden aus der Wirtschaft als neuen Aufseher gewinnen. Formal war es damals um die Nachfolge des FDP-Abgeordneten Patrick Döring gegangen, der nach der Wahlniederlage seiner Partei nun aus dem Bahn-Kontrollgremium ausscheidet. Seinen Sitz übernimmt aber die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann.

          Für Frenzel muss Gabriel seinen Staatssekretär aus dem Rennen nehmen. Üblicherweise koordiniert der Bund seine Bahnpolitik über seine drei Staatssekretäre für Verkehr, Finanzen und Wirtschaft. Dabei ist Verkehrsstaatssekretär Michael Odenwald der einzige, der  Erfahrung mit dem Konzern einbringt.

          Auch Lühmann ist bisher keine Bahn-Spezialistin – im Gegensatz zu SPD-Mitglied Frenzel. Der Manager, der Preussag/TUI von 1994 bis 2013 führte, war – als Vertrauter von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) – von 2001 bis 2005 schon Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bahn. Diesen Posten musste er allerdings nach einem verlorenen Machtkampf mit dem damaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn aufgeben.

          Debatte um Felcht-Nachfolge

          Die Berufung Frenzel belebt die Debatte um die Nachfolge des derzeitigen Aufsichtsratsvorsitzenden Utz-Hellmuth Felcht. Der ehemalige Chemiemanager war vom früheren Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zur Bahn geholt worden. Seine Amtszeit läuft im März 2015 aus. Frenzel dürfte dann gute Chancen haben, spätestens im nächsten Frühjahr wieder an die Spitze des Gremiums zu rücken. Schon vor einigen Monaten hatte es Gerüchte gegeben, die SPD beanspruche, den Posten mit einem „eigenen Mann“ zu besetzen, nachdem sie dem umstrittenen Wechsel des ehemaligen Kanzleramtschefs Ronald Pofalla (CDU) zur Deutschen Bahn zugestimmt habe. Der Bahn-Aufsichtsrat entschied derweil am Mittwoch: Ronald Pofalla wird zum 1. Januar 2015 Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen. Der 55 Jahre alte Jurist soll dann die neue Abteilung „Wirtschaft, Politik und Regulierung“ leiten. Außerdem ist Pofalla in Zukunft auch für die internationalen Beziehungen zuständig, ein Schwerpunkt ist vor allem die EU in Brüssel.

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