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Verspätungschaos bei der Bahn : Fast ein Drittel aller Fernzüge sind zu spät

  • Aktualisiert am

180 Minuten Verspätung werden im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main für einen ICE nach München angezeigt. Bild: Picture-Alliance

Die Verspätungen bei der Bahn werden immer schlimmer. Bahnchef Richard Lutz macht mit einem internen Brief jetzt Druck. Indes droht neues Ungemach: Die Lokführer wollen deutlich mehr Geld.

          Die Fernzüge der Deutschen Bahn haben sich im August noch häufiger verspätet als zuvor. Drei von zehn ICE und Intercitys kamen unpünktlich ans Ziel. Die Pünktlichkeitsquote sank über drei Monate kontinuierlich: Von 74,7 Prozent im Juni auf 72,1 Prozent im Juli und nun 69,8 Prozent im August, wie die Deutsche Presse-Agentur am Freitag aus Konzernkreisen erfuhr.

          Das ist der schlechteste August-Wert seit 2015. Damals kam die Bahn auf 69,3 Prozent.Pünktlich ist ein Zug nach Bahn-Definition, wenn er weniger als sechs Minuten nach der im Fahrplan angegebenen Zeit ankommt. Im Regionalverkehr verbesserte sich die Pünktlichkeit im August um 0,2 Punkte auf 94,3 Prozent leicht, unter anderem durch pünktlichere S-Bahnen.

          Engere Zusammenarbeit der Geschäftsfelder

          Vorstandschef Richard Lutz richtete einen dringenden Appell an seine Führungskräfte, den negativen Trend umzukehren. In einem internen Brief an die Führungskräfte kündigte er am Freitag an, der schlechten Pünktlichkeit entschieden entgegenzutreten. „Das sind wir nicht nur unseren Kunden, sondern auch unseren Mitarbeitern schuldig“, schrieb Lutz. Er will die Eisenbahn in Deutschland operativ stärker aus dem Konzernvorstand heraus steuern. Die einzelnen Geschäftsfelder müssten noch weitaus enger zusammenarbeiten, es dürfe keine Ressort-Egoismen mehr geben. Das Gesamtwohl der Bahn sowie das Wohl der Fahrgäste müssten im Vordergrund stehen.

          Das ursprüngliche Ziel von 82 Prozent pünktlicher Fernzüge hatte Lutz im Juli aufgegeben. Stattdessen sei mit einer Quote von unter 80 Prozent zu rechnen. „Wir erwarten eine Trendwende zum Besseren im zweiten Halbjahr“, hatte er bei Vorstellung der Halbjahresbilanz gesagt – die ersten zwei Monate liefen jedoch eindeutig nicht gut.

          Neue Lokführer-Streiks?

          Indes will die Lokführergewerkschaft GDL bei der Bahn in der kommenden Tarifrunde kräftige Gehaltserhöhungen, höhere Zuschläge für Nacht- und Feiertagsarbeit sowie günstigere Pausenregelungen durchsetzen. Die laufenden Monatsgehälter sollen dabei um 7,5 Prozent steigen, teilte die Gewerkschaft am Freitag mit. Insgesamt wolle sie die Tarifrunde unter das Motto „Mehrwert durch Wertschätzung“ stellen, sagte ihr Vorsitzende Claus Weselsky.

          Da die GDL auch die Einführung sogenannter fester Besetzungsnormen für die Züge im Fern- und Nahverkehr fordere, biete sich eine zweijährige Laufzeit des neuen Tarifvereinbarung an. Die Zulagen für Nacht- und Feiertagsarbeit sollen nach Vorstellung der GDL auf 25 bis 50 Prozent des Stundenlohns erhöht werden. Die erste Verhandlungsrunde von Bahn und GDL ist für den 12. Oktober angesetzt.

          Das Unternehmen äußerte sich am Freitag nicht näher zu der Forderung. Es bestätigte, dass diese eingegangen sei und kündigte eine „Gesamtbewertung“ an, sobald auch die Tarifforderung der Eisenbahnergewerkschaft EVG vorliege. Diese wird für Ende September erwartet. In der Vergangenheit hatte die Konkurrenz zwischen GDL und EVG mehrfach zu erbitterten Arbeitskämpfen geführt. Bis 2020 gilt allerdings noch eine Grundlagenvereinbarung, die Konkurrenzstreitigkeiten zwischen den beiden Gewerkschaften verhindern soll.

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