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Konzernumbau : Bahnchef Grube sucht das Glück

  • -Aktualisiert am

Bahn-Chef Rüdiger Grube auf dem Dach der Konzernzentrale in Berlin Bild: Andreas Pein

Rüdiger Grube baut mal wieder um. Der Vorstand soll verkleinert werden - neue Köpfe und eine neue Strategie sollen es richten. Warum bekommt der Konzern so wenig auf die Reihe?

          6 Min.

          Zwei gewaltige Aufgaben hat Rüdiger Grube vor der Brust. Beide erfordern höchste Aufmerksamkeit, besser noch Leidenschaft: Anfang August wird geheiratet, der Bahnchef ehelicht die Hamburger TV-Köchin Cornelia Poletto. Zuvor hat er in Berlin noch was Geschäftliches zu erledigen: Ein Konzernumbau, der sich gewaschen hat, steht an, die „größte Bahn-Reform seit 1994“, eine Revolution gar, wie die ganz Verwegenen im Bahn-Tower sagen.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit sechs Jahren regiert dort Rüdiger Grube so, wie es seine Art ist, unfassbar diszipliniert, solide, verbindlich - jedenfalls etliche Dezibel leiser als sein Vorgänger (und Trauzeuge der ersten Ehe) Hartmut Mehdorn, der alte Springinsfeld. Grube hat die Bahn beruhigt. Wenn Ruhe die erste Manager-Pflicht ist, hat er sein Soll erfüllt. Aber ist da noch was? Eine Idee gar?

          Zunächst hat Rüdiger Grube, der Sohn norddeutscher Obstbauern, den Gegenbeweis angetreten zu allen linksdrehenden Soziologen, die mit der Klage durch die Talkshows ziehen, wie undurchlässig die Gesellschaft doch geworden sei, wie die Elite sich abschottet gegen jeden Aufstiegswilligen: einmal unten, immer unten.

          Dieses Geschwätz widerlegt Grube. Er reiht sich ein in die Riege der Bauern-, Metzger-, Bierfahrer-Söhne unter Deutschlands Konzernchefs. Darauf, so viel lässt sich sagen, ist er stolz, stolz auch auf ein Land, das dies bis heute ermöglicht, ein Bildungssystem, in dem vorankommt, wer sich anstrengt, wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen: Leistung lohnt sich. Das ist die feste Überzeugung Grubes, des promovierten Ingenieurs, der nie eine „Business School“ besucht hat, sondern es auf dem zweiten Bildungsweg nach oben geschafft hat: Hauptschule, Lehre, Fachabitur. Erst spät in den 30ern hat er seine Konzernkarriere begonnen, nach einer gewerblichen Ausbildung im Flugzeugbau, einer Zeit als selbständiger Berater und einer Etappe als Lehrer (seiner damaligen Liebe wegen).

          „Pilot wäre mein Traum“

          Womöglich wäre Facharbeiter das Optimum seines Berufslebens geblieben, erzählt er gerne, hätte es nicht diesen einen Moment gegeben, als er, der Lehrling, Junggewerkschafter und Jugendvertreter, zur Gattin des Fabrikanten „ins feine Blankenese“ geladen wurde. Was er sich vorstelle für sein weiteres Leben, fragte ihn Helene Blohm, Mitinhaberin der Flugzeugwerft Blohm & Voss, die durch einen Artikel in der Betriebszeitung auf Grube aufmerksam geworden war. „Pilot wäre mein Traum“, hat der ihr geantwortet. Nur fehle ihm dafür das Geld. Daraufhin hat die Fabrikantenfamilie ihm monatlich 300 D-Mark zugesteckt. Die Bildungskarriere des Bauernjungen konnte beginnen.

          Im August wird geheiratet: TV-Köchin Poletto mit Bräutigam Grube

          Wenn Grube heute von diesem „sehr anstrengenden Weg“ berichtet, davon, wie wenig vorbildlich seine Noten anfangs waren, dass ihn Welten vom Humboldtschen Bildungsideal trennten, dann sichert er sich damit Respekt, reserviert er sich allgemeines Wohlwollen. Bodenständigkeit, Zuverlässigkeit - all das gehört zur Marke „Bahnchef Grube“. Einen „Kümmerer“ nennt er sich selbst. Und tatsächlich: Rüdiger Grube kümmert sich, immer und überall. Um Kunden, Mitarbeiter, die Politik. Oder wer sonst im Weg steht. „Zuhören ist eine wichtige Managerfähigkeit“ ist einer seiner Standardsätze.

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