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Treffen mit der Regierung : Schlägt bald die Stunde des Ronald Pofalla?

Wird Ronald Pofalla immer mehr zum starken Mann im Bahn-Tower? Bild: dpa

Der Chef des kriselnden Bahn-Konzerns, Richard Lutz, ist in Bedrängnis – er muss zum Rapport nach Berlin: Verkehrsminister Scheuer wartet auf Rezepte für bessere Pünktlichkeit. Wird nun Ronald Pofalla zum starken Mann im Bahn-Tower?

          Richard Lutz hat noch eine Woche Zeit für den Feinschliff: Am 15. Januar muss der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn der Bundesregierung erklären, wie die Bahn endlich besser und die Wut der Kunden kleiner werden soll. Im Verkehrsministerium erwarten ihn Minister Andreas Scheuer (CSU) und Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU). Beide haben vor Weihnachten angesichts der vielen Probleme der Bahn den Druck auf den Bahn-Chef und seine Vorstandskollegen erhöht. Die jüngste Entwicklung wirft zwei Kardinalfragen an die Politik auf: Ist 25 Jahre nach der ersten Bahnreform die Zeit für eine zweite gekommen? Und: Ist Lutz der richtige Mann an der Konzernspitze? Weil eine inhaltliche Neustrukturierung der Bahn hochkomplex ist, werden sich Scheuer und Ferlemann zunächst auf die handelnden Personen konzentrieren.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Lutz will deswegen am kommenden Dienstag zeigen, dass er eine Vorstellung davon hat, wie die Züge wieder pünktlicher und zuverlässiger fahren können. Dabei wird er die 200 Seiten lange „Agenda für eine bessere Bahn“ aufblättern, die der Vorstand dem Bahn-Aufsichtsrat schon Ende November präsentierte. Scheuer ist damit nicht im Detail vertraut. Auch Ferlemann, seit 2009 Parlamentarischer Staatssekretär und seit 2018 „Bahnbeauftragter“ der Bundesregierung, sitzt nicht im Kontrollgremium; dort vertritt der beamtete Staatssekretär Guido Beermann das Haus.

          In der „Agenda“ sind einige Dutzend Maßnahmen aufgelistet, die kurzfristig helfen sollen, den desolaten Zustand der Fahrzeugflotte zu verbessern und Personalengpässe zu beheben. So sollen die Reparaturwerke in Köln, Krefeld und Hamburg ausgebaut werden, um ICE mit Mängeln schneller wieder flottzukriegen. Hunderte neue Mitarbeiter sollen dort neu eingestellt werden, außerdem Lokführer und Servicekräfte in den Zügen. An neuralgischen Standorten sollen Reservezüge bereitstehen. In der „Agenda“ wird zudem erwogen, die Vorstandschefs der Regiobahn, des Fernverkehrs und der Güterbahn an Konzernvorstandssitzungen zu beteiligen, um den Informationsfluss über Betriebsprobleme zu verbessern. Das alles wird nicht genügen, um die Qualität des Bahnfahrens schnell zu verbessern.

          Zweifel an Lutz’ Führungskraft

          Die Pünktlichkeit gilt als Dreh- und Angelpunkt – und ist Quell eines internen Streits zwischen Personenverkehrsvorstand Berthold Huber und Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. Der ehemalige CDU-Politiker startete im Sommer im „Lagezentrum Pünktlichkeit“ einen Großversuch zur Verbesserung der Statistik – mit einer ungewöhnlichen Idee: Testweise enden stark verspätete ICE-Züge von Berlin nach Düsseldorf zuweilen schon in Essen oder Duisburg. Der Vorteil: Der Zug fährt jedenfalls auf dem Rückweg nach Berlin wieder pünktlich nach Fahrplan. Der Nachteil: Fahrgäste mit Ziel Düsseldorf müssen samt Gepäck in überfüllte Regionalzüge umsteigen oder einen späteren ICE nehmen, ohne Platzreservierung. Pofalla will den Pilotversuch ausweiten, Huber wehrt sich dagegen. Bald wird sich zeigen, ob Lutz seinem innovativen Infrastrukturvorstand folgt oder Huber, der wegen der verheerenden Pünktlichkeit Dauerkritik erntet.

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