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Treffen mit der Regierung : Schlägt bald die Stunde des Ronald Pofalla?

Voraussichtlich werden Fernzüge vom Frühjahr an auch zwischen Fulda und Mannheim vorzeitig „gewendet“ werden, wenn sie verspätet sind, ist zu hören. Das Problem mangelnder Pünktlichkeit könnte sich dieses Jahr noch verschärfen. Denn die Bahn will ihre Schnellfahrstrecken generalüberholen. Es drohen Umleitungen, etwa zwischen Hannover und Würzburg. Weitere Korridore für die „Pofalla-Wende“ werden daher geprüft.

Wird Pofalla immer mehr zum starken Mann im Bahn-Tower? An Lutz’ Führungskraft wird nun selbst in den höheren Etagen des Konzerns gezweifelt. Als langjähriger Finanzvorstand sehr geschätzt, ist es Lutz in den knapp zwei Jahren seit seiner Amtsübernahme im März 2017 nicht nach außen sichtbar gelungen, Gespür für den Betrieb auf dem Gleis zu entwickeln, obwohl er aus einer Eisenbahnerfamilie stammt. Anders als seine Vorgänger Hartmut Mehdorn und Rüdiger Grube, die die Bahn auf sehr unterschiedliche Weise führten, ist er selbst überzeugten Bahnkunden optisch unvertraut.

Schulden auf Rekordhöhe

Auch die Mitarbeiter fremdeln immer noch. Aufsichtsratsvize Alexander Kirchner, Vorsitzender der Bahngewerkschaft EVG, berichtete kürzlich vom Unmut der Beschäftigten. Angesichts der vielen Verspätungen und Ausfälle seien „die Kollegen in den Zügen und Bahnhöfen direkt mit der Wut der Reisenden konfrontiert“. Besserung erwarteten sie aktuell nicht. Selbst die ordentlichen Aufschläge der jüngsten Tarifrunde dürften ihre Stimmung nur wenig heben.

Bahn-Aufsichtsratschef Michael Odenwald will bislang an Lutz festhalten. Aber er dringt auf Antworten, vor allem im Hinblick auf die Finanzierung der Vorstandspläne. Lutz’ „Galgenfrist“ reicht womöglich nur bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im März. Eine Beförderung von Pofalla, der nach wie vor enge Verbindungen zur Politik pflegt und zurzeit auch noch die Kohle-Kommission leitet, könnte indes nicht reibungslos verlaufen. Ungewiss ist, ob der Koalitionspartner SPD den Aufstieg des CDU-Mannes an die Bahn-Spitze unterstützte. Die Opposition hat sich klar dagegen positioniert. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte der F.A.Z. vor Weihnachten, er halte Pofalla nicht für einen geeigneten Bahn-Chef. Im Vorstand gebe es ohnehin zu wenige, die wüssten, wie das System Bahn funktioniert.

Die Zeit drängt. Für mehr Pünktlichkeit braucht die Bahn mehr Geld vom Bund für Investitionen, da die Gewinne schrumpfen. Neben der notorisch schwachen Güterbahn DB Cargo bereitet auch DB Regio Sorgen. Die Bahn will in den nächsten fünf Jahren zusätzlich 5 Milliarden Euro in neue Züge und Schienen investieren, davon sind 4 Milliarden noch nicht finanziert. Hinzu kommen Geldwünsche für Infrastruktur und Digitalisierung. Mittel am Kapitalmarkt zu beschaffen scheidet weitgehend aus, die Schulden der Bahn sind mit knapp 20 Milliarden Euro auf Rekordhöhe. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat ihr eine Schuldengrenze von 20,4 Milliarden Euro gesetzt. Bleiben nur eine Kapitalerhöhung durch den Bund oder der Verkauf von Konzerngesellschaften, etwa der DB Arriva und DB Schenker. Scheuer will Finanzierungsfragen zunächst hintanstellen. „Ja, es gibt eine Finanzdebatte“, sagte er. „Aber ich will erst Verbesserungen sehen. Und dann diskutieren wir, wie man die finanzielle Basis so gestaltet, dass die weitreichenden Aufgaben besser abgebildet werden.“

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