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Deutsche-Bahn-Kommentar : Im Karussell

  • -Aktualisiert am

Andreas Scheuer (CSU), Bundesverkehrsminister (l), und Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bahn AG, im Oktober 2018 in Berlin Bild: dpa

Das Tempo, mit dem die Bundesregierung die Probleme bei der Bahn lösen möchte, ist schwindelerregend. Der Vorsitzende Richard Lutz sollte sich entschlossen gegen diese Politik wehren.

          Das Karussell dreht sich immer schneller: Der ersten Bahn-Krisensitzung soll an diesem Donnerstag unversehens die nächste folgen. Bahnchef Richard Lutz muss dann wieder vor Verkehrsminister Andreas Scheuer, seinem Apparat und einigen Abgeordneten rapportieren. Ein weiteres Treffen soll es am 30. Januar geben.

          Das Tempo ist Schwindel erregend, Stürze vom Karussell sind nicht ausgeschlossen. Der Sache tut die Jahrmarktstimmung nicht gut. Denn die Probleme der Bahn sind nicht schnell zu lösen. Der Bund hat an dem Dilemma einen gehörigen Anteil. Wohl auch deshalb hat Scheuer am Dienstag der Versuchung zur Eskalation widerstanden.

          Als Anheizer versucht sich aber sein Bahnbeauftragter Enak Ferlemann, der seit Wochen gegen Lutz schießt. Er posaunt, der Bund wisse, wie es bei der Bahn laufen müsse, nur solle jetzt erst der Vorstand liefern. Ferlemann, der bald zehn Jahre Staatssekretär ist, hätte sein Erfolgsgeheimnis gern schon früher lüften dürfen.

          Wer dafür sorgt, dass ein Bahnvorstand zu früh vom Karussell fällt, macht die Rückkehr zur zuverlässigen Bahn nur schwieriger. Lutz sollte sich, wenn er Bahnchef bleiben will, entschlossen gegen diese Politik wehren.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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