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Deutsche Bahn : „Durch Fernbusse verlieren wir 50 Millionen Euro“

  • Aktualisiert am

Rüdiger Grube steht seit fünf Jahren an der Spitze der Deutsche Bahn AG Bild: Pein, Andreas

Von Frankfurt mal eben zu einer Ausstellung nach München - und zurück. Bahnchef Rüdiger Grube über das Leben im Zug, die Probleme mit dem Internet und das Geschacher der Politik um Bahnposten.

          5 Min.

          Herr Grube, warum kann man die Fußball-WM nicht im Zug auf dem Smartphone verfolgen?

          Daran arbeiten wir. Zusammen mit der Deutschen Telekom wollen wir dafür sorgen, dass es bald überall schnelles Internet über W-Lan gibt - zumindest im ICE und in den 120 größten Bahnhöfen.

          Wo liegt das Problem?

          Wir fahren sehr schnell, die Züge schirmen das Mobilfunknetz zusätzlich ab, oft geht die Fahrt durch Tunnel. Deshalb hat man mit dem gewöhnlichen Handy bisweilen kein Netz. Unser Partner Telekom bietet aber die Möglichkeit, dass Bahnfahrer einen Code fürs W-Lan bekommen – per SMS. Auf 3.000 Kilometern ist die Technik schon einsatzbereit, weitere 2.200 Kilometer sollen noch dieses Jahr folgen. Außerdem installieren wir gerade neue Technik für einen besseren Handyempfang. Die Züge erkennt man an dem Telekom-Hotspot-Logo auf der Scheibe. Rund 200 Züge haben ihn schon, 255 werden es am Jahresende sein.

          Kann man im ICE auch fernsehen, wenn Sie das schnelle Internet eingeführt haben?

          Ich kann Sie beruhigen: Die nächste Fußball-WM wird man wohl im Zug gucken können. Wenn Sie ein Smartphone haben, können Sie über W-Lan auch bewegte Bilder empfangen. Wir versuchen, diesen Empfang noch zu verbessern.

          Die Menschen reisen nicht nur zum Spaß. Immer mehr Berufstätige arbeiten und leben im Zug. Muss sich die Bahn darauf stärker einstellen?

          Wir wollen uns auf alle Kunden einstellen. Die einen wollen auf ihrem Computer schreiben und telefonieren, die anderen wollen einfach ihre Ruhe haben. Der Zug wird zum Büro und zum Wohnzimmer, zum Kinderzimmer und zum Restaurant. Allen Fahrgästen hilft, dass man in der Bahn die Reisezeit sinnvoll nutzen kann. Ich selbst wohnte früher als Daimler-Manager in Stuttgart, einmal pro Woche musste ich von Frankfurt aus nach China fliegen. Anfangs bin ich immer mit Auto und Chauffeur zum Flughafen gefahren. Manchmal hatte ich auch einen Privatflieger nach Frankfurt, was der größte Quatsch war. Am Ende habe ich mich immer für den ICE entschieden. Das ging schnell, und ich konnte die Zeit am besten nutzen.

          Bis 2050 soll sich die Mobilität der Menschen verdreifachen. Welchen Anteil will die Bahn daran haben?

          Wir sehen gute Chancen, unseren Anteil am Verkehr nochmals zu steigern. Die letzten beiden Jahre haben gezeigt: Das geht. Im vorigen Jahr hatten wir 42 Millionen Fahrgäste mehr als im Vorjahr. Im Jahr davor lag die Steigerung sogar bei 49 Millionen.

          Seit es den ICE gibt, pendeln immer mehr Menschen täglich über große Entfernungen – zum Beispiel zwischen Köln und Frankfurt. Kann die Bahn ihr Tempo erhöhen, um noch mehr Städte zusammenrücken zu lassen?

          Das tun wir! Berlin und Rostock verbinden wir jetzt in weniger als zwei Stunden, Berlin und Hamburg in 90 Minuten. Ab 2017 fahren wir unseren ICE-Sprinter von München nach Berlin unter vier Stunden. Das ist unschlagbar.

          Wird man in Zukunft mal eben von Frankfurt zu einer Ausstellung nach München fahren?

          Das machen die Leute doch heute schon. Aber es wird weiter zunehmen. Wir sehen das zwischen Hamburg und Berlin: Die Hamburger gehen in Berlin in die Oper, die Berliner fahren nach Hamburg ins Musical – oder sogar nur mal zum Abendessen.

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