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Deutsche Bahn : „Durch Fernbusse verlieren wir 50 Millionen Euro“

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Sie verlieren durch die Busse aber ganz ordentlich Einnahmen.

Die Fernbusse haben uns 2013 rund 20 Millionen Euro an Fahrkartenerlösen gekostet. In diesem Jahr werden es 50 Millionen Euro sein, noch nicht einmal 1,5 Prozent unseres Umsatzes im Fernverkehr. Keine Frage, die Busse verändern aber das Gefühl für die Preise und den Wert von Reisen. Nur allen muss klar sein: Kein Busanbieter verdient mit den heutigen Dumpingpreisen Geld. Wenn sich der Markt bereinigt, werden auch die Buspreise steigen.

Schaffen Sie es dann noch, den Umsatz der Bahn bis 2020 auf 70 Milliarden Euro zu verdoppeln - wie Sie einst angekündigt hatten?

Das ist und bleibt die Strategie. Organisch wollen wir bis 2020 auf einen Umsatz von 54 Milliarden Euro wachsen. Dieses Gesamtziel ist natürlich sehr ehrgeizig, aber zu erreichen. Daran arbeiten wir hart.

Wie lief es im vergangenen Geschäftsjahr?

Wir haben vor Steuern und Zinsen gut 2,2 Milliarden Euro verdient. Allerdings mussten wir viele Rückschläge wegstecken. Im Güterverkehr und in der Logistik hat uns die schlechte Konjunktur über 100 Millionen Euro gekostet. Durch das Hochwasser an der Elbe haben wir 200 Millionen Euro verloren, durch die EEG-Umlage 108 Millionen Euro. Hinzu kamen zusätzliche Personalkosten von 220 Millionen Euro. Und mehr als 20 Millionen Euro kostete uns das Debakel um den Berliner Flughafen.

Wieso trifft das die Bahn?

Uns entgehen erwartete Einnahmen, aber wir haben trotzdem die Kosten. Unter anderem müssen wir dort Geisterzüge durch die Tunnel fahren lassen - damit der Luftzug Schimmelbildung vermeidet und die Betriebserlaubnis für die Strecke nicht erlischt. Eine verrückte Welt.

Ihre Kontakte zur Politik soll jetzt der frühere Kanzleramtsminister Ronald Pofalla verbessern. Er bekommt erstaunlich viele Aufgaben übertragen. Wird er ein neuer Co-Bahnchef?

Nein! Er übernimmt als Generalbevollmächtigter einen Teil meiner Aufgaben, unter anderem die Kontaktpflege in Berlin und Brüssel. Er berichtet direkt an mich. Perspektivisch ist geplant, dass er 2017 in den Vorstand aufrückt. Diese Entscheidung trifft aber ganz allein der Aufsichtsrat. Die Bahn spart damit übrigens eine Million Euro im Jahr – weil wir uns neu organisieren.

Können Sie die Entrüstung über Pofallas Wechsel trotzdem verstehen?

Die Kommunikation war nicht glücklich, da habe ich lernen müssen. Aber andererseits reden wir immer vom notwendigen Austausch zwischen Politik und Wirtschaft. Darum muss es doch auch möglich sein!

Jetzt darf die SPD im Gegenzug TUI-Chef Frenzel zum Aufsichtsratschef der Bahn machen. Wird die Bahn zu einer Proporz-Veranstaltung der Politik?

Da wissen Sie mehr als ich. Ich arbeite hervorragend mit unserem Aufsichtsratsvorsitzenden Professor Felcht zusammen.

Zurück zum Fußball: Haben Sie bei der Bahn auch getippt, wer Weltmeister wird?

Da höre ich auf unsere Kunden. Die Käufer unserer aktuellen Sieger Bahncard tippen zu mehr als 50 Prozent auf Deutschland als Weltmeister. Das ist auch mein Tipp.

Das Gespräch führte Christian Siedenbiedel.

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