https://www.faz.net/-gqe-7qokq

Deutsche Bahn : „Durch Fernbusse verlieren wir 50 Millionen Euro“

  • Aktualisiert am

Wie soll das gehen, wenn der letzte Zug den Hamburger Hauptbahnhof schon um 21.21 Uhr verlässt?

Schauen Sie in den Fahrplan: Für Nachtschwärmer gibt es am Wochenende noch eine späte Verbindung.

Viele junge Leute in den Großstädten finden Autos generell nicht mehr so sexy. Was bedeutet das für die Bahn?

Die Einstellung zum Reisen verändert sich zu unseren Gunsten. Der Stress des Besitzen-Müssens nimmt ab, Teilen ist modern. Das kommt uns zugute: Ein Auto hat man, einen Zug teilt man sich. Das bedeutet aber auch, dass wir als Bahn viel mehr anbieten müssen als nur eine Verbindung von Stadt zu Stadt. Die jungen Leute müssen ja erst mal zum Bahnhof kommen. Deshalb gehören auch Leihwagen und Carsharing zu unserem Programm - am besten vernetzt über das Smartphone.

Nach langer Wartezeit haben Sie jetzt die ersten neuen ICE-Züge von Siemens bekommen. Warum gibt es darin eigentlich nur Großraumwagen?

Umfragen haben gezeigt, dass unsere Kunden gerne im Großraum reisen. Die meisten mögen nicht mehr in Abteile eingesperrt sein wie früher bei der Bahn. Sie wollen einen offenen Raum haben. Und beim Telefonieren nehmen hoffentlich alle aufeinander Rücksicht. Kinderabteile wird es natürlich weiter geben.

Warum gibt es heute mehr Erste-Klasse-Abteile als früher?

Das hängt mit neuen Kundensegmenten zusammen, die wir für die Bahn erschlossen haben. Seit viele Geschäftsleute nicht mehr den Flieger nehmen oder das Auto mit Chauffeur, haben wir eine viel stärkere Nachfrage nach Plätzen in der ersten Klasse. Darauf haben wir reagiert.

Von den Stehplätzen im Bistro hat sich die Bahn bei den neuen Zügen wieder verabschiedet. Hat sich das nicht bewährt?

Einspruch: Es gibt dort einige Stehplätze. Aber da wechseln die Moden immer mal. Jetzt wollen die Leute lieber wieder sitzen. Die Idee aus der Zeit meines Vorgängers, den Speisewagen abzuschaffen, ist auf jeden Fall vom Tisch. Speisewagen und ICE sind eine untrennbare Einheit - das gehört zum Leben im Zug.

Verkaufen sich die Gerichte von berühmten Köchen im Speisewagen gut?

Das Konzept wird gut angenommen. Auch über den Service unserer Mitarbeiter höre ich viel Gutes.

Mit der Pünktlichkeit haben Sie dagegen einige Schwierigkeiten, oder?

Von wegen: In den ersten fünf Monaten waren wir so pünktlich unterwegs wie seit sechs Jahren nicht mehr. Allerdings hat uns das schlimme Unwetter in Nordrhein-Westfalen jetzt zurückgeworfen, es war das schwerste in der Geschichte der Deutschen Bahn. 2.000 Züge kamen zusammen auf 100.000 Minuten Verspätung.

Ärger machen Ihnen auch die neuen Fernbusse: Für 40 Euro kommt man von Frankfurt nach Berlin und zurück - das finden gerade junge Party-People toll. Muss die Bahn billiger werden?

Seien Sie fair: Auch wir haben tolle Sparangebote. Unser Ziel ist es, ständig besser zu werden. So haben wir auf der Strecke Berlin–Hamburg einen günstigeren Zug neu erfunden, den Interregio-Express. Allerdings: Selbst wenn wir wollten, wir haben nicht genug Züge, um diesen IRE auf ganz Deutschland auszuweiten. Man soll die Busse auch nicht überschätzen. Meine Tochter ist neulich für neun Euro mit dem Bus von Stuttgart nach Mannheim gefahren. Sie war wegen eines Staus über drei Stunden unterwegs. Zurück hat sie die Bahn genommen - und war in 38 Minuten da.

Weitere Themen

Im Ausland mitbabbeln

Sprachlernplattform : Im Ausland mitbabbeln

Millionen Menschen lernen mit „Babbel“ eine Fremdsprache. Jetzt strebt das virtuelle Klassenzimmer an die Börse. Doch lohnt es sich überhaupt, 2021 noch eine Fremdsprache zu lernen – wenn Translation-Dienste die Sprachen live übersetzen?

Topmeldungen

Bryson DeChambeau vom Team USA am 15. Loch des 43. Ryder Cup.

43. Ryder Cup : US-Golfstars gegen Europa klar in Führung

Die Titelverteidiger aus Europa geraten beim Ryder Cup in den USA schon am ersten Tag klar in Rückstand. Bei den US-Golfstars beeindruckt Kraftprotz Bryson DeChambeau mit seinen gewaltigen Abschlägen.
Sorgt für diplomatischen Streit: Meng Wanzhou im August in Vancouver

Spannungen mit Kanada : Huawei-Managerin Meng wieder auf freien Fuß

Ihr Fall hat zu großen Spannungen zwischen Kanada und China geführt. Nun erzielte die Huawei-Managerin Meng Wanzhou eine Einigung mit der US-Justiz und kann in ihre Heimat zurückkehren. Auch zwei in China inhaftierte Kanadier sind auf dem Heimweg.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.