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Deutliche Mehrheit : EU-Parlament ebnet den Weg für einheitlichen Zahlungsverkehr

  • Aktualisiert am

Parlament nickt Sepa ab Bild: dpa

Bargeldloses Bezahlen in der Europäischen Union (EU) soll in den kommenden Jahren billiger, einfacher und schneller werden - durch einen einheitlichen Zahlungsverkehr (Sepa). Nun hat das Europäische Parlament der Rechtsgrundlage dafür zugestimmt.

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          Das Europäische Parlament hat der Rechtsgrundlage für einen einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum (Sepa) zugestimmt. Bargeldloses Bezahlen in der Europäischen Union (EU) soll damit in den kommenden Jahren billiger, einfacher und schneller werden. Das Parlament habe mit deutlicher Mehrheit für den Rechtsrahmen gestimmt, sagte ein Parlamentssprecher am Dienstag.

          Die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) bezeichneten die Entscheidung als einen wichtigen Schritt zur Realisierung von Sepa. Nach der endgültigen Zustimmung des EU-Ministerrates könnten die Mitgliedstaaten die Richtlinie bis November 2009 umsetzen. Vor einem Monat hatten bereits die EU-Finanzminister ihre Zustimmung zu den Regeln gegeben, auf deren Basis die Banken bald europaweite neue Zahlungsprodukte anbieten können. Die nationalen Zahlungsmärkte seien zu zersplittert und Zahlungen oft langsam und teuer, sagte EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy im Parlament. „Die Kosten für Zahlungen sollten reduziert werden.“

          Investitionen in Milliardenhöhe sind nötig

          Die Kreditwirtschaft hat sich freiwillig dazu verpflichtet, Sepa ab 2008 einzuführen. EU-Kommission und EZB haben die Branche lange Zeit zu dem Projekt gedrängt, das ähnlich wie bei der Euro-Einführung Investitionen in Milliardenhöhe erfordert.

          Grenzüberschreitende Zahlungen per Karte oder Überweisung würden damit so einfach und günstig wie bereits im Inland. Auch alle Inlandszahlungen sollen umgestellt werden. Neu eingeführt wird die europäische Lastschrift, mit der ein Kunde Rechnungen per Bankeinzug bezahlen kann. Ein Bankkunde bräuchte für Zahlungstransfers innerhalb der EU nur noch ein Konto.

          Alte Zahlungsregeln zunächst parallel

          Durch die Vereinheitlichung der bisher national unterschiedlichen Systeme könnten die Gebühren für Zahlungen sinken, hofft die EU-Kommission. Sie rechnet mit 50 bis 100 Milliarden Euro niedrigeren Kosten für die Verbraucher pro Jahr. Die Richtlinie ermöglicht neuen, auf Zahlungen spezialisierten Anbietern den Marktzugang. Dadurch würde der Wettbewerb gestärkt; Innovationen würden vorangetrieben, erklärten EZB und Kommission. Auch der Verbraucherschutz würde gestärkt.

          Die alten nationalen Zahlungswege sollen zunächst parallel zu den neuen weiterlaufen. Vor allem kleinere regionale Banken mit wenigen Auslandszahlungen werden nach Einschätzung von Experten nur langsam in Sepa einsteigen. Bis 2012 soll der überwiegende Teil des Massenzahlungsverkehrs umgestellt sein, sodass die Zahlungsmittel in der bisherigen Form irgendwann ganz verschwinden.

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