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Detroit Auto Show : Nach einem Jahr voller Erschütterungen

Mit dem Mini geht viel: Die neueste Studie heißt Beachcomber Bild: dpa

In Detroit beginnt die Automesse. Die amerikanischen Hersteller wollen nach überstandener Radikalkur ein Lebenszeichen von sich geben und Hoffnung verbreiten. Das wird nicht leicht, denn der Automarkt erholt sich nur langsam.

          Aus Sicht der amerikanischen Autobranche ist das einzig Gute am Jahr 2009, dass es endlich vorüber ist. Die Region um die amerikanische Autometropole Detroit, in der die drei großen amerikanischen Autohersteller General Motors (GM), Ford und Chrysler ihren Sitz haben, kämpft schon seit Jahren gegen einen allmählichen Niedergang. Aber 2009 war das Jahr eines beispiellosen Bebens, das in die Geschichtsbücher eingehen wird. GM und Chrysler stürzten in die Insolvenz - und die Unternehmen sind nur deshalb nicht vollständig liquidiert worden, weil die amerikanische Regierung ihnen Milliardenbeträge für die Sanierung zuschoss. GM ist heute mehrheitlich ein Staatskonzern. Eine unfassbare Demütigung für das einst stolze Unternehmen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die North American International Auto Show (NAIAS), die am Montag in Detroit begonnen hat, ist für die amerikanischen Autohersteller die Gelegenheit, ein Lebenszeichen von sich zu geben. Leicht wird das nicht, denn es ist bestenfalls eine zaghafte Erholung des Automarktes zu erwarten. Trotzdem wird damit gerechnet, dass die Stimmung auf der Messe diesmal nicht ganz so desolat ist wie im vergangenen Jahr, als die Wirtschaftskrise auf einem Höhepunkt war und die Branche noch mitten in einer Abwärtsspirale steckte. Nach den überstandenen Radikalkuren dürfte diesmal zumindest ein bisschen Hoffnung in die Messehallen des Cobo-Center in Detroit zurückkehren. Schließlich kann es schlimmer als 2009 kaum noch kommen.

          Verlust auch bei Toyota

          Vor einem Jahr ließ die Trostlosigkeit auf der Messe erahnen, welche Erschütterungen der Branche bevorstanden. Einige Hersteller waren der Messe gleich ganz ferngeblieben, was für brache Flächen in der Halle sorgte. Andere beschränkten sich auf einen Minimalauftritt: Chrysler zum Beispiel, traditionell für aufwendige Messepräsentationen bekannt, hatte nur einen großen Teppich ausgelegt, auf dem Autos geparkt wurden. In den Monaten nach der amerikanischen Automesse jagte dann eine Schreckensmeldung die nächste. Die Regierung drängte Chrysler und GM in die Insolvenz. Chrysler ging dabei eine Notallianz mit dem italienischen Fiat-Konzern ein. GM wurde unter Staatskontrolle gestellt und sah sich gezwungen, mehrere Marken wie Pontiac oder Saturn sterben zu lassen.

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          Die schlechten Nachrichten beschränkten sich aber nicht nur auf amerikanische Hersteller. Selbst das Vorzeigeunternehmen Toyota aus Japan musste erstmals in seiner Geschichte einen Verlust vermelden. Der Autoabsatz auf dem amerikanischen Markt stürzte insgesamt im vergangenen Jahr um 21 Prozent auf 10,4 Millionen Fahrzeuge ab. Bis vor wenigen Jahren hatte die Branche noch regelmäßig mehr als 16 Millionen Autos verkauft.

          Ford schlägt sich besser als die Konkurrenz

          Es gab allerdings auch ermutigende Signale. So konnte sich Ford von seinen beiden amerikanischen Konkurrenten abgrenzen. Das Unternehmen brauchte keine milliardenschweren staatlichen Finanzspritzen und konnte ein Insolvenzverfahren vermeiden. Ford ist von der Krise keineswegs unberührt geblieben, schlägt sich aber besser als die Konkurrenz. Der Autoabsatz des Unternehmens sank auf dem Heimatmarkt im vergangenen Jahr um 15 Prozent, GM und Chrysler mussten Rückgänge von 30 und 36 Prozent hinnehmen. In seinem jüngsten Quartalsbericht wies Ford sogar überraschend einen Nettogewinn von fast einer Milliarde Dollar aus.

          Allgemein hat sich das Bild zum Jahresende hin etwas aufgehellt. Im Dezember legten die Verkaufszahlen in Amerika deutlich zu - es war der zweitbeste Monat des Jahres nach dem August, als das Geschäft von der staatlichen Abwrackprämie angekurbelt wurde. Mit Blick auf das neue Jahr herrscht in der Branche keinesfalls Euphorie, aber immerhin die Hoffnung auf eine zaghafte Belebung des Geschäfts. Die Absatzprognosen von Experten und Unternehmen für den amerikanischen Markt bewegen sich um 11,5 Millionen Fahrzeuge. Das würde einem Wachstum von mehr als 10 Prozent gegenüber 2009 entsprechen, läge damit aber noch immer deutlich unter dem Niveau früherer Jahre. Weltweit sagt das CAR-Institut der Universität Duisburg für dieses Jahr einen Absatzzuwachs von 4 Prozent auf 55 Millionen Fahrzeuge voraus.

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