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Desertec : Wüstenstrom-Projekt zerbricht an „Meinungsverschiedenheiten“

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Der Streit über den Strom aus der Wüste eskaliert Bild: AP

Günstige Energie aus Nordafrika erhofften sich internationale Großkonzerne aus dem Desertec-Projekt. Nun hat sich die Desertec-Stiftung offiziell aus dem Projekt verabschiedet. Grund seien „Meinungsverschiedenheiten über die Strategie“.

          Der Streit zwischen der Stiftung  Desertec, die Wüstenstrom aus Nordafrika und dem Nahen Osten nach  Europa bringen will, und dem Industriekonsortium Dii, das diese  Vision realisieren soll, ist eskaliert. Die Desertec-Stiftung  erklärte am Montag in Heidelberg, sie kündige ihre Mitgliedschaft  bei der Dii GmbH, die sie 2009 mitgegründet hatte. Grund seien „unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten bezüglich der  zukünftigen Strategie“.

          Desertec richtete schwere Vorwürfe an die Führung der Dii, zu der Unternehmen wie Schott Solar, Deutsche Bank, Eon, RWE oder ABB  gehören. Mit ihrem Ausstieg wolle Desertec vermeiden, „unverschuldet in den Sog negativer Berichterstattung über die  Führungskrise und Orientierungslosigkeit des Industriekonsortiums  gezogen zu werden. Medienberichten zufolge streiten die  Dii-Geschäftsführer Paul van Son und Aglaia Wieland über die  künftige Strategie: Van Son wolle Pläne für einen raschen Export  von Wüstenstrom nach Europa vorerst zu den Akten legen, Wieland verfolge dieses Ziel weiter. Noch Anfang des Monats hatte DII-Geschäftsführer van Son eine Lieferung des Wüstenstroms für 2020 nach Europa in Aussicht gestellt.

          Nach einem Bericht der F.A.Z. will die Stiftung dem Konsortium untersagen, den Begriff Desertec in den Konzepten und  Veröffentlichungen der Dii weiter zu erwähnen. Für das  Dii-Konsortium wäre dies ein weiterer Rückschlag, nachdem Siemens  und Bosch der Initiative den Rücken gekehrt hatten.

          Desertec-Geschäftsführer Thiemo Gropp erklärte, er habe Verständnis  für die „Herausforderungen“, mit denen die Dii zu kämpfen habe. „Es  war uns immer klar, dass die Umsetzung der Idee, in den Wüsten  dieser Erde Strom zu produzieren, kein leichtes Unterfangen wird.“ Nach „diskussionsreichen Monaten“ müsse die Stiftung aber „leider feststellen“, dass sie ihre Unabhängigkeit nicht gefährden dürfe. „Deshalb werden Dii und die Stiftung fortan getrennte Wege gehen.“ Dies schließe eine künftige Zusammenarbeit aber nicht aus.

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