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Markus Braun : Der Wirecard-Chef und sein teurer Ratgeber

„Ich wohne in der JVA Augsburg“, sagte Markus Braun vor dem Untersuchungsausschuss. Sehr viel mehr sagte er nicht. Bild: dpa

Die Hinweise auf das dubiose Geschäftsgebaren der Wirecard AG werden immer skurriler. Neben Schmiergeldzahlungen wird nun auch nach verschleierten Identitäten des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Markus Braun ermittelt.

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          Markus Braun ist Österreicher von Geburt, ehemaliger Chef eines deutschen Dax-Konzerns und Weltbürger aus Leidenschaft. Das nationale Klein-Klein hatte der Top-Manager längst überwunden. Grenzen und Schlagbäume – alles Dinge aus der Welt von gestern im Selbstverständnis eines Visionärs mit globalen Ambitionen. „Der Pass spielt für mich keine Rolle, ich bin Europäer, Weltbürger“, sagte er der F.A.S. im Februar in der Konzernzentrale, damals noch in Amt und Würden. Mitte Juni wurde Braun gefeuert, keine Woche später brach das Unternehmen zusammen. Der ehemalige Dax-Konzern Wirecard wird abgewickelt, der ehemalige Chef sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft sieht in Braun den Kopf einer hierarchisch organisierten Bande, mit ihm als „Kontroll- und Steuerungsinstanz“. Der Vorwurf lautet, unter anderem, auf „gewerbsmäßigen Betrug“.

          Georg Meck
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Bettina Weiguny
          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dabei prüfen die Ermittler auch, ob Brauns Aussage, dass ein einzelner Pass ihm nichts bedeute, näher an der Wahrheit liegt als viele andere Geschichten aus Aschheim, die sich inzwischen als Lug und Trug herausgestellt haben. Konkret geht es um den Verdacht, dass Braun sich mehrere Pässe besorgt haben soll und er sich falsche Identitäten gebastelt hat. Dies würde darauf hindeuten, dass er nicht so unschuldig ist, wie er tut, sondern ahnte, dass der Schwindel eines Tages auffliegen könnte, er also besser für den Tag der Wahrheit vorsorgen sollte. Von Jan Marsalek, seinem Vorstandskollegen, gesucht mit internationalem Haftbefehl, fehlt seit Ende Juni jede Spur. Mal wird er in Russland vermutet, dann in der Türkei, dann wieder in Weißrussland.

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