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„Der Wal von London“ : Millionen-Strafe für JP Morgan

  • -Aktualisiert am

Die größte amerikanische Bank hat sich im Handelsskandal um den „Wal von London” mit den Behörden auf einen Vergleich geeinigt. JP Morgan Chase zahlt 920 Millionen Dollar als Strafe für mangelnde Kontrollen.

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          Die Geldstrafe für die größte amerikanische Bank JP Morgan Chase & Co. wegen des Handelsdebakels um den „Londoner Wal“ fällt höher aus als bisher erwartet. Im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs mit amerikanischen und britischen Aufsichtsbehörden zahlt JP Morgan jetzt 920 Millionen Dollar. Zunächst war mit einer niedrigeren Strafe gerechnet worden.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          JP Morgan räumte gegenüber der amerikanischen Börsenaufsicht SEC zudem erstmals Fehlverhalten ein. Die Behörden hatten der Bank Mängel bei den internen Kontrollen vorgeworfen. Dazu soll JP Morgan falsche Angaben zu den Transaktionen gemacht haben. JP Morgan hatte im vergangenen Jahr in seiner Anlagesparte in London mit riskanten Derivate-Geschäften mehr als 6 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Wegen der Größe der Positionen erhielt einer der verantwortlichen Händler damals an den Finanzmärkten den Spitznamen „Londoner Wal“. Gegen führende Manager der Bank wurden allerdings keine Vorwürfe erhoben. Nach Einschätzung von George Canellos, einer der beiden Leiter der Strafverfolgung bei der SEC, wurden die Spitzenmanager von JP Morgan von den verantwortlichen Händlern „belogen“.

          Bei den Behörden, die sich jetzt mit JP Morgan auf einen Vergleich verständigt haben, handelt es sich neben der SEC um die Bankenaufsicht OCC und die Notenbank Fed. Auf britischer Seite war die U.K. Financial Conduct Authority beteiligt. Damit droht JP Morgan noch eine weitere Strafe der amerikanischen Terminbörsenaufsicht CFTC, die auch in der Angelegenheit ermittelt. Strafrechtliche Ermittlungen gegen die Bank laufen nach amerikanischen Medienberichten ebenfalls weiter.

          Die SEC drängt unter ihrer neuen Vorsitzenden Mary Jo White, einer ehemaligen Bundesstaatsanwältin, auf Schuldeingeständnisse im Rahmen außergerichtlicher Vergleiche. In der Vergangenheit kamen Unternehmen trotz Geldstrafen in der Regel davon, ohne Fehlverhalten einzuräumen. Die schärferen Richtlinien der SEC machen JP Morgan nun anfällig für weitere Klagen von Aktionären.

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