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Cyber-Attacken : Schaden durch Hacker wird immer größer

Die Produktion wird immer vernetzter. Die Gefahr von Angriffen von außen nimmt zu. Bild: ddp

Der Hackerangriff auf Sony führt der Welt wieder vor, wie anfällig große Computernetze für Attacken sind. Kürzlich konnte auch ein Hochofen nach einem Angriff nicht mehr richtig gesteuert werden. Versicherer entdecken das Risiko als künftiges Geschäftsfeld.

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          Manchmal braucht es ein mediales Großereignis, um das Bewusstsein für ein Problem zu schaffen. Der Hackerangriff auf das Unternehmen Sony Pictures führt der Welt vor, wie anfällig große Computernetze für Attacken von Spezialisten sind. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm: Der fertige Spielfilm „The Interview“ - überhaupt erst der Grund des kriminellen Aktes - wird vorerst nicht in amerikanischen Kinos zu sehen sein, weil die „Guardians of Peace“, wie sich die Hackergruppe mit angeblichen Kontakten nach Nordkorea nennt, Morddrohungen ausgesprochen hat. Das FBI hat Nordkorea nun erstmals direkt für den Hackerangriff auf Sony verantwortlich gemacht. Es gebe genügend Informationen, die diesen Rückschluss erlaubten, teilte die amerikanische Bundespolizei am Freitag mit. Auf den Sony-Manager lastet zudem ein großer Reputationsschaden, da aus ihrem E-Mail-Verkehr pikante Äußerungen über berühmte Schauspieler veröffentlicht wurden.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Einnahmeverluste, Reputationsrisiken, Datendiebstahl - all dies sind Kategorien, mit denen sich in zunehmendem Maße auch die deutsche Industrie beschäftigt. Vor allem die technologischen Möglichkeiten durch das Internet und die Vernetzung von Wertschöpfungsketten machen das Produzierende Gewerbe anfälliger für Hackerangriffe. An den Datenschnittstellen zwischen Lieferanten und Herstellern entstehen Einfallstore, die Industrie 4.0 zu einem sensiblen Gebilde werden lassen. Durch die Entwicklung zu einer vernetzteren Produktion, die spontan auf Daten zugreifen kann, entsteht das Potential, Kundenbedürfnisse individueller zu befriedigen. Doch selbst bei der geeignetsten Architektur der Informationstechnik lässt sich das Risiko krimineller Eingriffe nicht aus der Welt schaffen.

          Diese Risikolage beschäftigt seit diesem Jahr auch die Versicherungswirtschaft immer intensiver. Vor drei Jahren begann sie, unter Online-Händlern und in der Industrie ein Bewusstsein zu schaffen für das Cyberrisiko, gegen das sie eigens Cyberversicherungen geschaffen hat. Der Markt ist noch überschaubar. Einer Schätzung des Versicherungsmaklerverbands VDVM zufolge betrug das Prämienvolumen in Deutschland im Oktober zwischen 5 und 7 Millionen Euro. Damals war von rund 100 Policen hierzulande die Rede. Seither habe es aber weitere Abschlüsse gegeben, ist von Anbietern zu hören, so dass aktuell eine Zahl von 140 Versicherungen durch den Markt geistert.

          Der ferngesteuerte Hochofen

          Die Versicherer hatten in den vergangenen Jahren vor allem auf Risiken wie Folgeschäden aus Datendiebstahl und den Reputationsschaden im Internet abgehoben, gegen den ihre Policen Schutz gewähren sollten. „In diesem Jahr gab es aber mehr Nachfrage aus dem Produzierenden Gewerbe als aus dem Online-Handel“, sagt Robert Dietrich, Hauptbevollmächtigter des Spezialversicherers Hiscox in Deutschland. Bei der Zahl der Verträge, nicht aber unbedingt beim Prämienvolumen, sieht sich das britische Unternehmen als Marktführer in Deutschland. Denn das Produkt, das seit diesem Sommer auf Wunsch der industriellen Mittelständler auch das Risiko von Betriebsunterbrechungen deckt, richtet sich besonders an mittelgroße Unternehmen.

          Im Dezember zog die Allianz nach. Ihre neue Police zahlt ebenfalls, wenn die Produktion durch Hackerangriffe stillgelegt wird. „Die digitale Fabrik ist vielerorts bereits Realität“, begründete Martin Zschech von der Industrieversicherungs-Tochtergesellschaft AGCS diese Erweiterung. „Softwareprobleme oder IT-Ausfälle lassen Bänder stillstehen und sorgen für kostspielige Betriebsunterbrechungen.“ Erst am Donnerstag hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) berichtet, ein deutsches Stahlwerk sei jüngst durch einen Hackerangriff geschädigt worden. Ein Hochofen konnte nicht geregelt heruntergefahren werden. Das Einfallstor war das Büronetzwerk, über das sich die Angreifer in die Produktions-IT vorgearbeitet haben.

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