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Vorstandswechsel bei Henkel : Der neue König von Persil

  • -Aktualisiert am

Carsten Knobel, 50 Jahre, soll Henkel neuen Erfolg bringen. Bild: Henkel

Kein „Heile-Welt“-Gehabe beim Familienunternehmen Henkel: Nach der frühzeitigen Verabschiedung von Hans Van Bylen hat zum Jahreswechsel Carsten Knobel den Chefposten übernommen – dafür hat er schon als Student geübt.

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          Eine halbe Woche ist Carsten Knobel nun Chef von Henkel. Seit Mittwoch darf er sich als der „König von Persil“ fühlen, als der „Kaiser von Pritt“ oder der Herrscher über ein paar hundert weiterer Marken aus der Kosmetik-, Klebstoff- und Reinlichkeitsbranche. Welches ist ihm selbst das liebste Produkt? Carsten Knobel zögert keine Sekunde: „Taft Wet Gel. Das nutze ich jeden Tag.“ Die nach hinten gegelten Haare sind Markenzeichen des Mannes, der bisher vor allem Bankern und Analysten bekannt war. Etliche Jahre war er Finanzvorstand des Henkel-Konzerns, zum Jahreswechsel wurde er nun befördert zum Chef des Ganzen; Vorgänger Hans Van Bylen, ein Belgier, wurde vor Weihnachten halbwegs gesichtswahrend verabschiedet, obschon klar war, dass die Trennung weniger freiwillig geschah als offiziell verlautbart.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer je an das „Heile-Welt“-Gehabe von Familienunternehmen geglaubt hat, der wurde im Jahr 2019 ein paar Illusionen ärmer. Ausgerechnet Henkel und BMW, die beiden von Familien dominierten Traditionskonzerne, haben ihre Chefs gefeuert. Beide Male waren den Managern keine persönlichen Verfehlungen vorzuwerfen. Allein, es mangelte am Profit, am ökonomischem Erfolg. Nein, nicht falsch verstehen: BMW und Henkel sind keine Sanierungsfälle, beiden Konzernen geht es vergleichsweise prima. Aber es könnte halt immer noch besser laufen. Vor allem aber quälte die Eigentümer die Furcht: Holt ihr oberster Angestellter alles raus, was drin steckt im Geschäft? Reicht es, um morgen mindestens genauso gut dazustehen?

          „Bisweilen tut Knobel ernsthafter als er in Wirklichkeit ist“

          Die Geschwister Quandt (im Fall von BMW) und die Großfamilie Henkel, vertreten durch die Anführerin Simone Bagel-Trah, fanden: Es reicht nicht. Es muss ein Wechsel her, ein neuer Impuls. Und, unsentimental wie das im Geschäftsleben so ist, findet sich immer ein hungriger Manager in der zweiten Reihe, der einspringt, wenn der CEO patzt. Oliver Zipse heißt der Neue bei BMW, Carsten Knobel bei Henkel. Beide haben sie ihr gesamtes Berufsleben in ihrem jeweiligen Konzern verbracht. Knobel feiert dieses Jahr sein 25. Henkel-Jubiläum. Er habe das Ohr der Familie, sagen Weggefährten. Als schnell im Kopf und ehrgeizig wird er beschrieben, als gut vernetzt und fähig zu bissiger Ironie. „Er nutzt seinen Humor auch, um Leute einzuschüchtern“, sagt einer. „Bisweilen tut er ernsthafter als er in Wirklichkeit ist.“

          Was also ist dieser Carsten Knobel für ein Mensch? Geboren wird er im Januar 1969 in Marburg, als Einzelkind wächst er behütet auf, ein paar Kilometer außerhalb der Universitätsstadt, in einem nordhessischen Flecken namens Stadtallendorf. Die Eltern sind Angestellte, es wartete kein Chauffeur vor einer Fabrikantenvilla. „Bodenständig“ ist das Wort, das dem Henkel-Chef heute zu dem Milieu einfällt. „So bin ich aufgewachsen, so sehe ich mich bis heute, das will ich auch meinen Kindern vermitteln.“ Sohn und Tochter sind inzwischen Teenager, die Debatten am Knobel’schen Küchentisch alterstypisch.

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