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Schweiz : Der Milliardär und sein Skidorf

Skifahrer im Sessellift in dem Schweizer Skiort Crans-Montana Bild: ddp Images

Ein tschechischer Investor kontrolliert die Bergbahnen von Crans-Montana. Damit hat er den Schweizer Skiort in der Hand. Noch mehr Geld verdient er mit Immobilien in Berlin.

          7 Min.

          Philippe Magistretti schießen die Tränen in die Augen. „Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich einen meiner Angestellten beerdigen“, sagt er. Magistretti ist Präsident der Bergbahnen von Crans-Montana (CMA). In dieser berühmten Skiregion im Schweizer Wallis ging Ende Februar eine Lawine ab. Die Schneemassen donnerten auf eine geöffnete Piste nieder, was in den streng überwachten Alpen nur sehr selten vorkommt. Ein Pistenkontrolleur der CMA war dort gerade dabei, einem verletzten Skifahrer zu helfen, als sich die Lawine löste. Während der Verletzte mit leichten Blessuren davonkam, verlor der Helfer sein Leben. „Dieses Unglück hat uns alle schwer schockiert“, sagt Magistretti, während er in der „Café Bar 1900“ in der Rue Centrale von Crans-Montana sitzt und sich mit den Handballen die Augen trocken wischt.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Radovan Vítek war zum Zeitpunkt des Unglücks zwar nicht anwesend in Crans-Montana. Der tschechische Milliardär ist der Chef von Philippe Magistretti und Haupteigentümer der Bergbahngesellschaft CMA, bei der das Unglücksopfer angestellt war. Er lebt mit seiner Familie in dem Walliser Dorf, das auf einem Hochplateau 1500 Meter über dem Meeresspiegel oberhalb des Rhône-Tals thront. Doch auch Vítek zeigte sich betroffen und zahlte 100.000 Franken (88.000 Euro) in einen Fonds ein, über den die Ausbildung der beiden Kinder des verstorbenen Mitarbeiters finanziert werden soll. Diese Geste kam bei den Einwohnern gut an. Von denen sind viele nicht gut auf Vítek zu sprechen. Sie wissen: Dieser Mann hat ihr Dorf in der Hand. Und seit einem Jahr wissen sie auch: Es ist ein Würgegriff.

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