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Euro-Krisenfonds : Gramegna folgt Regling als ESM-Chef

Pierre Gramegna Bild: Bloomberg

Im September schien Gramegna im Streit um die Nachfolge Klaus Reglings aus dem Rennen zu sein. Warum bekommt er das Amt jetzt doch noch?

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          Die Charakterisierung stammt aus dem Dezember 2017, als die Eurofinanzminister einen Nachfolger für den Niederländer Jeroen Dijsselbloem an der Spitze der Eurogruppe suchten. Vier Minister gingen ins Rennen, unter ihnen der Luxemburger Pierre Gramegna. Der sei, so sagte damals ein EU-Diplomat, zweifellos ein „versierter Halter von Champagnergläsern“. Ein Kompliment war das nicht. Gemeint war: Der frühere Karrierediplomat und Generaldirektor der luxemburgischen Handelskammer mochte Small Talk perfekt beherrschen, freundlich, jovial und eloquent sein, allzu dicke politische Bretter bohrte er nicht. Und er galt nicht unbedingt als einer, der den Euroraum besonders glaubwürdig vertreten konnte.

          Werner Mussler
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Fünf Jahre später hat ebenjener Gramegna doch noch ein Spitzenamt im Euroraum bekommen. Am Freitag wählten die Eurofinanzminister den 64 Jahre alten Luxemburger an die Spitze des Euro-Krisenfonds ESM, als Nachfolger des ersten Chefs Klaus Regling, der zwölf Jahre lang amtiert hatte. Damit ging ein Streit über die Regling-Nachfolge zu Ende, in dem sich die Eurostaaten ein halbes Jahr lang gegenseitig blockiert hatten. Dass nun ausgerechnet Gramegna das Rennen gemacht hat, ist eine ironische Schlusspointe dieses Streits. Vor zwei Monaten galt er als verbrannt, als Luxemburg seine Kandidatur zurückzog.

          Der Kandidat von Christian Lindner

          Fachliche Expertise gilt für den ESM-Chefposten noch mehr als für das Amt des Eurogruppenchefs als Eignungskriterium. Regling galt vor allem als Idealbesetzung, weil er mit den Finanzmarktakteuren kommunizieren konnte und ihn diese als Gesprächspartner akzeptierten. Gramegna hat den Nachweis bisher nicht erbracht, dass auch ihm das gelingen wird.

          Dass der Luxemburger den Posten jetzt doch noch bekommen hat, geht auf eine Reihe von Gründen zurück. Paschal Donohoe, dem Chef der Eurogruppe, ist es offenbar gelungen, die südlichen Eurostaaten davon zu überzeugen, dass Leão als Vertreter eines früheren „Programmlandes“ kein geeigneter oberster Verwalter der ESM-Milliarden gewesen wäre – und dass Gramegna, der Kandidat von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), tatsächlich als Mittler zwischen Nord und Süd agieren kann.

          Hinzu kam, dass die Eurogruppe keinen Finanzfachmann mehr wollte, sondern einen der ihren, also einen ehemaligen Minister. Für Gramegna sprach dann wohl die Einsicht, dass jeder, der am Finanzplatz Luxemburg einmal als Finanzminister agiert hat, auch die Finanzmärkte kennt und mit ihren Protagonisten zu reden weiß. Für ihn mag auch gesprochen haben, dass er 2014 den Luxemburger Staatsfonds „zugunsten zukünftiger Generationen“ gegründet hat.

          Gramegna war quasi „an der Reihe“

          Eine Rolle spielte ferner, dass Gramegna schon lange dabei und gewissermaßen an der Reihe war. Seine Bewerbung für den Vorsitz der Eurogruppe scheiterte nicht nur 2017, als die Minister aus vier nicht besonders starken Kandidaten nicht ihn an ihre Spitze wählten, sondern den Portugiesen Mário Centeno. Als dieser 2020 an die Spitze der portugiesischen Nationalbank rückte, ging der Luxemburger abermals ins Rennen – und fiel ein weiteres Mal durch, diesmal gegen den heutigen Amtsinhaber, den Iren Donohoe, und die Spanierin Nadia Calviño.

          Im Dezember 2021 gab Gramegna seinen Posten als Finanzminister nach acht Jahren Amtszeit „aus persönlichen Gründen“ auf. Es schien, als wolle sich der Politiker aufs Altenteil zurückziehen und mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Doch der Anschein trog. Jetzt wird der Ex-Diplomat wie sein Vorgänger regelmäßig alle wichtigen Finanzplätze der Welt abklappern und die dortigen Investoren zu überzeugen versuchen, dass ESM-Anleihen ein gutes Investment sind. Und er wird hoffen, dass der Krisenfonds nicht wieder einzelnen Eurostaaten unter die Arme greifen muss, wie es in der Eurokrise fast dauernd geschah.

          Für Donohoe hatte die Lösung der zähen ESM-Personalie einen angenehmen Nebeneffekt. Der Ire ist der einzige Kandidat für eine weitere zweieinhalbjährige Amtszeit an der Spitze der Eurogruppe. An seiner Wiederwahl in einer Woche besteht kein Zweifel.

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