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Der ICE wird 25 : Bahnfahrt in die Zukunft

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Vision des Bahnfahrens in der Zukunft Bild: Carsten Feig

Seit einem Vierteljahrhundert kreuzt der ICE auf Deutschlands Schienen. Wird das auch in 25 Jahren noch so sein? Können Züge dann fliegen oder bleibt alles beim Alten? FAZ.NET-Redakteure über das Bahnfahren der Zukunft.

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          In 25 Jahren hat der schnellste Zug der Deutschen Bahn schon so einiges erlebt. Mittlerweile fährt der ICE in der vierten Generation. Zeit genug, um von sich reden zu machen. Kaum ein Bahnfahrer saß noch nie in einem überhitzten oder unterkühlten ICE. Eigentlich jeder kam schon mal zu spät - ICEs sind für die üblichen Verspätungen besonders anfällig. Und fast jeder Passagier war in einem Zug schon einmal verzweifelt auf der Suche nach einem Snack oder einer funktionierenden Toilette. FAZ.NET hat sich in der Redaktion einmal umgehört und die verschiedensten Zukunftsvisionen gesammelt.

          Immer mit der Ruhe

          Der ICE der Zukunft ist einer, in dem ich mein Fahrrad mitnehmen kann. Er muss gar nicht viel mehr können als heute, nur das mit dem Fahrrad ist mir sehr wichtig. Gut, schneller fahren vielleicht, aber dafür bräuchte es weniger Baustellen. Und Baustellen braucht man, damit der ICE schneller fahren kann. Kann mir vorstellen, dass das nicht einfach ist für die Bahn.

          Ich war gerade in Japan, da wurde jetzt mit großem Brimborium die halbfertige Shinkansen-Verbindung nach Hokkaido eröffnet. Geplant seit den 90ern, richtig fertig wird sie irgendwann in 15 Jahren. Also schneller als der BER. Bis der 2061 in Leipzig aufmacht, hat die Deutsche Bahn infrastrukturell zumindest einen klaren Wettbewerbsvorteil. 

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          Die Unpünktlichkeit: kein Ding. Unpünktlichkeit ist immer auch eine Mahnung. Runterkommen, abschalten. Alles loslassen. Das gilt auch beim Zugfahren. Dass der ICE in 25 Jahren endlich eine kostenlose, oder sagen wir: eine halbwegs funktionierende Internetverbindung haben wird, mag ich bezweifeln. Aber das ist okay. Es braucht – gerade 2041 – internetfreie Räume, um den Gedanken freien Lauf zu lassen. Und das kann man beim Bahnfahren bekanntermaßen besonders gut. Florian Siebeck, Gesellschaft

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          Vor Kurzem versprach Bahnchef Rüdiger Grube mit großem Brimborium das Ende der umgekehrten Wagenreihung. Die umgekehrte Wagenreihung ist ein Ärgernis unter ICE-Passagieren. Die Menschen sind sauer, dass der Zugwaggon, in dem sie Sitzplätze für die lange Reise reserviert haben, nicht dort am Bahnsteig hält, wo er soll. Statt dessen müssen sie mit ihren schweren Koffern zum  anderen Ende des Bahnhofs laufen.

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          Im Jahr 2041 dagegen wird man keinem Kind mehr erklären können, was ein Zug ist, geschweige denn ein Waggon. Grube wird es zwar nicht schaffen, Schluss mit der umgekehrten Wagenreihung zu machen. Doch seinem Nach-Nachfolger Xavier Musk wird das gelingen. Der Sohn von Elon Musk, der mit dem Hyper-ICE schon für sagenhafte Reisegeschwindigkeiten gesorgt haben wird, wird noch einen Schritt weiter gehen, die Schienen beseitigen und die Waggons abschaffen.

          Der Bahnverkehr wird dann komplett personalisiert – warum von Köln Hauptbahnhof nach Frankfurt Hauptbahnhof fahren, wenn man auch aus Köln-Zollstock direkt ins Frankfurter Westend gelangen kann? Der ICE heißt dann IPE, Inter Personal Express. Jeder Fahrgast hat seinen eigenen Mini-Zug. Obwohl: Ein Zug ist es natürlich streng genommen auch nicht mehr, nur in der optischen Anmutung erinnert das Fahrzeug noch an die Stromlinienform des ICE, auch der weiße Anstrich und der rote Streifen von früher bleiben noch.

          Ansonsten bewegt sich der IPE völlig autonom, gesteuert von einem Google-Roboter, ganz nach Wunsch von Haustür zu Haustür. Schienen braucht er nicht, auch Straßen sind nicht nötig, statt dessen fliegt der IPE durch die Luft – völlig CO2-frei, versteht sich, sonst wäre die Bahn ja nicht die Bahn. Für die Distanz Köln-Frankfurt braucht der IPE nur noch knapp fünf Minuten. Schade! Im Zug Zeitung lesen, entspannt ein Buch aufschlagen oder ein Video gucken – das alles wird passé sein. Die Reisezeit reicht dann einfach nicht mehr. Auch Geschäftsreisen werden stressig: Die Vortragsfolien noch fix während der Fahrt vorbereiten, das anstehende Meeting nochmal gedanklich durchgehen, auf dem Laptop im Zug einen Text noch einmal gegenlesen – all das wird nicht mehr funktionieren. Kaum ist man eingestiegen, schon ist man am Ziel.

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