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Der Grüne Punkt schlägt Alarm : In der gelben Tonne landet zu viel unbezahlter Müll

Der Abschied naht: Gelbe Säcke in Freiburg Bild: dpa

Verpackungsrecycling ist teuer, aber die Entsorgungsgebühr für die gelben Tonnen fließt immer spärlicher. Die Betreiber des Mülltrennsystems und der Handel streiten um die Finanzierung.

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          Stefan Schreiter sieht seine Befürchtungen bestätigt: In der gelben Tonne landet immer mehr Verpackungsmüll, für den Handel und Hersteller keine Entsorgungsgebühr bezahlt haben. Die Prognosen für das erste Quartal haben das Grüne-Punkt-Unternehmen Duales System Deutschland (DSD) aufgeschreckt. Besonders dramatisch sei die Entwicklung bei Leichtverpackungen wie Joghurtbechern und Shampooflaschen: Sollten sich Hochrechnungen bestätigen, dürfte die bezahlte Menge noch einmal um rund ein Fünftel sinken – auf weniger als 900.000 Tonnen, rechnet Schreiter, der geschäftsführende DSD-Gesellschafter und CEO, vor. Tatsächlich aber hätten das DSD, mit einem Marktanteil von etwa 50 Prozent immer noch der mit Abstand größte Anbieter, und die übrigen dualen Systeme im vorigen Jahr 2,1 Millionen Tonnen Verpackungen über die gelbe Tonne und den gelben Sack eingesammelt. „Wir brauchen dringend eine Anpassung des regulatorischen Rahmens. Verpackungen, die keinen Beitrag zur Finanzierung leisten, gefährden das gesamte System“, sagte Schreiter der F.A.Z.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Anderswo in der Branche ist schon von einem „Dammbruch“ die Rede; Bund und Länder müssten endlich eingreifen und die Schlupflöcher schließen. Für die finanzielle Auszehrung machen Schreiter und manche seiner Kollegen die Ausnahmeregeln in der Verpackungsverordnung verantwortlich: die Rücknahme von Verpackungen, etwa im Handel oder in der Systemgastronomie, sowie die „Branchenlösungen“ für Großverbraucher wie Krankenhäuser. Diese können sich die teure Beteiligung an der haushaltsnahen Entsorgung ersparen, wenn sie den Müll in Eigenregie abfahren lassen. Über die Branchenlösungen waren im vorigen Jahr schätzungsweise rund 290.000 Tonnen Leichtverpackungen (LVP) entsorgt worden. Weitere gut 120.000 Tonnen wurden als Eigenrücknahme verbucht – in diesem Jahr soll sich die Menge den Prognosen zufolge verdoppeln.

          Schreiter hält schon die bisherigen Mengenmeldungen für wenig glaubhaft. „Das würde zum Beispiel bedeuten, dass jeder fünfte Joghurtbecher an einem Krankenhaus oder einer Mensa anfällt und jeder zwölfte Joghurtbecher vom Verbraucher wieder zum Vertreiber zurückgebracht wird“, sagte er.

          „Das beste System der Welt“

          Die Politik hat dem Mengenschwund im dualen System bisher untätig zugeschaut. Die alte Bundesregierung hatte zwar noch eine Novelle der Verpackungsverordnung auf den Weg gebracht, um neue EU-Vorgaben aufzugreifen. Aber dabei geht es nur um Feinheiten der Müllbürokratie, nicht um die seit Jahren beklagte Trittbrettfahrerei. Einige Hoffnungen richten sich nun auf zwei Änderungsanträge zur Novelle, welche die rot-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen eingebracht hat. Sie wirbt im Bundesrat dafür, die Eigenrücknahme ganz zu verbieten und Branchenlösungen sehr stark einzuschränken. Beide Regelungen ließen sich in der Praxis nicht kontrollieren, und daher würden oft zu hohe Mengen angegeben, begründet die Landesregierung den Vorstoß. „Es ist höchste Zeit, die punktuellen Schwachstellen in der Verpackungsverordnung zu beseitigen. Es kann nicht sein, dass das beste System der Welt für ein Verpackungsrecycling durch Untätigkeit langsam ausgehöhlt wird“, meinte Markus-Müller Drexel, Geschäftsführer des dualen Systems Interseroh, einer Tochtergesellschaft des Berliner Recyclingkonzerns Alba. „Die Änderungsanträge gehen in die richtige Richtung“, kommentiert der Bundesverband der Entsorgungswirtschaft BDE.

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