https://www.faz.net/-gqe-9sqvj

Saudi Aramco macht ernst : Der größte Börsengang aller Zeiten?

Ein Saudi-Aramco-Mitarbeiter in Abqaiq in Saudi Arabien Bild: Reuters

Der größte Ölkonzern der Welt will an die Börse. Auch die Deutsche Bank ist beteiligt. Ein russischer Fonds ist schon in den Startlöchern.

          2 Min.

          Der Börsengang des weltgrößten Ölkonzerns Saudi Aramco kommt nun doch ins Rollen. Finanzkreise in Frankfurt zeigten sich überzeugt, dass die heiße Phase des Werbens um Anleger am 3. November beginne, ab 4. Dezember Aktien in einer dann festgelegten Preisspanne bestellt und am 11. Dezember die Aktien erstmals an der Börse gehandelt werden können.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diesen Zeitplan für den Börsengang hatte der staatliche Nachrichtensender „Al-Arabiya“ am Dienstag mitgeteilt. Saudi-Aramco hatte dies auf einen „Investorentag“ in Riad nicht kommentiert. Allerdings veröffentlichte Saudi-Aramco dort Gewinnzahlen für das laufende Jahr, die offenbar als Kaufargument für die Aktie dienen sollen. Demnach verdiente Saudi-Aramco in den ersten Monaten dieses Jahres 68 Milliarden Dollar, das ist mehr als die profitabelsten Unternehmen der Welt wie Apple und Exxon als Nettogewinn ausweisen.

          Dem Vernehmen nach sollen von der bisher rein staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco 1 bis 2 Prozent verkauft und an der Börse plaziert werden. Mit einem avisierten Emissionsvolumen von mehr als 20 Milliarden Dollar wäre es einer, wenn nicht der größte Börsengang aller Zeiten. Den bisherigen Rekord hält der chinesische Online-Händler Alibaba, der 2014 mit seinem Börsengang 21,8 Milliarden Dollar einsammelte.

          Deutsche Bank an Bord

          Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hatte einen Börsengang von Saudi Aramco vor drei Jahren erstmals ins Spiel gebracht. Doch der Schritt auf das Parkett verzögerte sich immer wieder. Erst Mitte des Monats hatte Saudi Aramco entschieden, die Erstemission nach den Anschlägen auf Förderanlagen im Herzen der saudi-arabischen Ölindustrie zu verschieben. Beratern sollte Zeit für die Suche nach Ankerinvestoren gegeben werden.

          Zu den Banken, die nun beim Verkauf der Aktien helfen sollen, gehört auch die Deutsche Bank, obwohl sie wegen ihres in seiner Heimatregion weitgehend isolierten Großaktionärs Qatars zunächst außen vor schien. Allerdings gehört die Deutschen Bank nicht zur neun Institute starken ersten Gruppe im Bankenkonsortium („global coordinators“) sondern mit fünfzehn weiteren Banken zu den Helfern im zweiten Rang („joint bookrunners“). Insgesamt soll das Bankenkonsortium für den Verkauf der Aktien dem Vernehmen nach mit rund 450 Millionen Euro entlohnt werden.

          Kronprinz Mohammed will mit den Einnahmen aus dem Börsengang von Saudi Aramco den Umbau der Wirtschaft finanzieren. So plant er etwa ein gigantisches Infrastruktur-Projekt zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Akaba, wo sich Unternehmen aus allen möglichen Branchen wie der Energie- und Wasserwirtschaft, der Biotechnologie und der Unterhaltungsbranche ansiedeln sollen. Dadurch soll das Königreich weniger abhängig vom Öl- und Gassektor werden, der bislang den Großteil der saudi-arabischen Export-Einnahmen beisteuert.

          Der russische Staatsfonds Russian Direct Investment Fund (RDIF) arbeitet nach eigenen Angaben an einem Investorenkonsortium für den Börsengang von Saudi Aramco. „Es gibt mehrere russische Pensionsfonds, die daran interessiert sind, in den Aramco-Börsengang zu investieren“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters RDIF-Chef Kirill Dmitriev. „Wir haben auch Informationen von unserem Russland-China-Fonds erhalten, dass einige große chinesische Institute ebenfalls an einem Börsengang von Aramco interessiert sind“, sagte Dmitriev weiter.

          Weitere Themen

          „Wettbewerb belebt das Geschäft“ Video-Seite öffnen

          VDA zu Tesla : „Wettbewerb belebt das Geschäft“

          Der Automobilverband VDA wertet die Entscheidung des Elektropioniers Tesla, sein erstes Werk für Elektroautos in Europa in der Region Berlin-Brandenburg zu bauen, als Stärkung des Automobilstandortes Deutschland.

          Topmeldungen

          Unsere Sprinter-Autorin: Heike Göbel

          F.A.Z.-Sprinter : Rezession, oder nicht?

          Die beunruhigenden Abschwungsignale in der deutschen Wirtschaft mehren sich schon länger. Heute erfahren wir, ob das Land in einer Rezession steckt. Was sonst noch wichtig wird, steht im Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.