Landwirtschaft in EU :
Größter Milchpulver-Berg seit 20 Jahren

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In einem Milchpulver-Lager von Nordfrost am Jade-Weser-Port.
Während der vergangenen Preiskrise ließ die EU viel Milchpulver von notleidenden Höfen aufkaufen. Nun liegen Tausende Tonnen in den Lagern. Und die Butter ist teurer.

Die Milchseen sind vergangen – die Milchpulver-Berge sind gegenwärtig. Weil sie während der vergangenen Preiskrise so viel Milchpulver von notleidenden Höfen aufkaufen ließ, sitzt die Europäische Union (EU) derzeit auf Pulvervorräten im Rekordumfang.

Sie häufte zur Unterstützung notleidender Bauern den größten Milchpulver-Berg seit mehr als 20 Jahren an: Derzeit sind in ganz Europa beinahe 358.000 Tonnen Magermilchpulver auf Lager, so viel wie seit Mitte der neunziger Jahre nicht mehr. Sie lagern an vielen Orten; alleine 5700 Tonnen etwa in den Räumen der Tiefkühl-Logistikgruppe Nordfrost in Wilhelmshaven.

Butter deutlich teurer

Doch bald könnte ein günstiger Zeitpunkt für Verkäufe sein. Der Vollmilchpulverpreis auf dem Weltmarkt ist seit dem vergangenen Jahr um etwa 50 Prozent gestiegen, liegt aber andererseits noch fast 50 Prozent unter seinem Höchststand der vergangenen Jahre im Frühjahr 2013.

Der Preisanstieg macht sich im Handel derzeit für Verbraucher bemerkbar. Ketten wie Aldi, Rewe, Lidl und Edeka verkaufen die Milch ab 69 Cent je Liter, in Zeiten der Preiskrise im Jahr 2015 waren dies teils nur rund 45 Cent.

Besonders stark sind die Preissteigerungen für Butter. Für deren Herstellung ist ein Vielfaches an Milch nötig. Der Verbraucher zahlt für die Butter von Molkereien und Herstellern wie Deutsches Milch-Kontor, Weihenstephan oder Eigenmarken oft ab 1,99 Euro. Der Preis hat sich damit laut dem Agrarmarktdienst AMI seit den Krisenmonaten mehr als verdoppelt.

Was für Erzeuger und die Milchindustrie erfreulich ist, das ist es für am Preis orientierte Verbraucher nicht. Der Staat hatte Milchhöfen in Existenznot mit Millionenkrediten geholfen. Trotzdem hatten mehrere tausend Milchhöfe alleine in Deutschland aufgeben müssen. Allein die EU sprach damals 500 Millionen Euro an Unterstützung für die Milchbauern aus.