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Wirecard-Skandal : Die „Bilanzpolizei“ sieht sich als Bauernopfer

  • -Aktualisiert am

Die Wirtschaftsprüfung wird sich infolge des Wirecard-Skandals verändern. Bild: dpa

Der jähe Absturz von Wirecard bringt auch die Prüfungsaufsicht in Bedrängnis. Die „Bilanzpolizei“ DPR zeigt sich überrascht von der Entscheidung der Politik, ihr zu kündigen. Klar ist: Die Wirtschaftsprüfung wird sich verändern – müssen.

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          Der Fall Wirecard zieht Kreise bis weit in die Prüfungsaufsicht. Der Anlass dafür, dass Bundesjustiz- und Bundesfinanzministerium den Vertrag mit der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) kündigen werden – was ein Sprecher des Justizressorts am Sonntag in Berlin bestätigte – ist die Tatsache, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin im Februar 2019 die DPR beauftragt hatte, den Abschluss für das erste Halbjahr 2018 von Wirecard näher unter die Lupe zu nehmen. Diese Prüfung ist nach 15 Monaten immer noch nicht abgeschlossen. Die Regierung kann bis zum 30. Juni den Anerkennungsvertrag mit der privatrechtlich organisierten DPR zum 31. Dezember 2021 kündigen. Edgar Ernst, Präsident der DPR, zeigt sich überrascht von der Entscheidung der Politik.

          „Mit uns hat niemand darüber gesprochen, nicht einmal jetzt nach der Veröffentlichung in den Medien. Ich sehe uns als Bauernopfer“, sagt Edgar Ernst, Präsident der DPR. Er verweist auf die hohe Akzeptanz seiner Prüfstelle in der Wirtschaft. Man sei nur mit einer Person der Überprüfung des Halbjahresberichts von Wirecard nachgegangen, weil es erstens der Vorgehensweise entspreche. Zweitens habe aber die Bafin selbst seinerzeit das sogenannte Short selling (Leerverkäufe) gegen Wirecard verboten und sei gegen negative Zeitungsberichte vorgegangen, habe also selbst den Fall eher niedrig gehängt.

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