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Eurotunnel-Chef : „Der Brexit wird kommen und wäre gut für Eurotunnel“

Szene einer Völkerwanderung: Sie sind noch in Calais und wollen den Zug nach England nehmen. Bild: dpa

Der Chef des Tunnelbetreibers erklärt im F.A.Z.-Interview, wie die Deutsche Bahn und der Finanzplatz Frankfurt von einem britischen EU-Ausstieg profitieren könnten. Und wie sein Unternehmen die Flüchtlingskrise in den Griff bekommt.

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          Kaum ein europäisches Unternehmen ist so direkt mit der Flüchtlingskrise konfrontiert wie die Tunnelbetriebsgesellschaft Eurotunnel. Tausende von Migranten drängen am französischen Tunneleingang bei Calais nach Großbritannien und riskieren für die Überfahrt oft ihr Leben. Die menschlichen Dramen wurden im Sommer noch durch Protestaktionen streikender Arbeiter ergänzt. Zusammen mit langwierigen Grenzkontrollen führte dies höchst unstabile Gemisch zu kilometerlangen Staus und zu vielen Beschwerden von Reisenden und Transportgesellschaften.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Doch nun habe sich die Lage entspannt – zumindest für den Eurotunnel, berichtet der Vorstandsvorsitzende Jacques Gounon im Gespräch mit der F.A.Z. Denn der Tunneleingang sei inzwischen so schwer befestigt und werde von verstärkten Polizeikräften so scharf bewacht, dass man sich kaum noch in einen Güterzug oder einen auf die Züge auffahrenden Lastwagen einschleichen könne, sagt Gounon. Und er liefert Zahlen, die vom französischen Innenministerium bestätigt werden: „Wir hatten im Sommer noch jede Nacht 200 bis 300 Personen aufgegriffen, die in unser Gelände eindringen wollten, viele von ihnen mehrfach pro Nacht. Heute ist die Zahl auf vielleicht 10 bis 20 gesunken, und wir sind davon überzeugt, dass es praktisch niemand mehr auf die andere Seite schafft, weder auf den Zügen noch auf den Lastwagen.“

          Die Zäune um die Gleise und Kontrollanlagen wurden um 29 Kilometer ins Landesinnere verlängert, man erhöhte sie von 2 auf 4 Meter und verstärkte die oberen Enden mit Stacheldraht. Eurotunnel hat zudem 30 Millionen Euro investiert, so dass die Lastwagen auf dem Tunnelgelände in vierzehn verschiedenen Schlangen abgefertigt werden, wodurch alle paar Sekunden eine Kontrolle möglich ist. Außerdem werden die Flüchtlinge nach einem gescheiterten Eindringversuch von den Polizisten nicht mehr einfach außerhalb des Eurotunnel-Geländes abgesetzt, sondern in das 8 Kilometer entfernte Lager zurückgefahren, das sie „Dschungel“ nennen. Hier leben Tausende von Flüchtlingen in primitiven Behausungen, die man kaum „Zelte“ nennen kann. Die Regierung hat neue Unterkünfte versprochen, doch sie reichen nicht aus. Gleichzeitig versuchen die Behörden die Flüchtlinge davon zu überzeugen, einen Asylantrag in Frankreich zu stellen, anstatt ihr Leben auf der Überfahrt ins angeblich verheißene Land Großbritannien zu riskieren. Dies soll auf zunehmenden Zuspruch stoßen, berichtet die Regierung. Ein Teil der Flüchtlinge wird seither auf verschiedene andere Flüchtlingszentren in Frankreich verteilt. Von dort kehren allerdings viele wieder rasch zurück nach Calais.

          So sind die Spannungen auf der französischen Seite geblieben. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und frustrierten Flüchtlingen. Gounon räumt ein, dass sich nun etliche Migranten wieder auf das Eindringen ins Hafengelände mit seinen Fähren konzentrieren, das nicht unter der Verantwortung des Eurotunnels steht. So war es schon in den vergangenen Jahren, bis die Zäune am Hafen erhöht wurden und der Tunnel somit einige Monate lang als das leichtere Schlupfloch erschien. Die Höhe von Zäunen und ihre Unüberwindbarkeit ist in Augen der Flüchtlinge eben eine relative Frage.

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