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Schokoladenkonsum : Wir sind satt

  • -Aktualisiert am

Haben wir wirklich genug von Schokolade? Bild: dpa

Jahrelang haben die Europäer immer mehr Schokolade gegessen. Nun scheint die Grenze erreicht. Das liegt nicht nur am hohen Kaloriengehalt.

          Ob zartbitter, weiß oder mit Nüssen: Schokolade ist ein Geschmackserlebnis. Für viele hat sie etwas Verführerisches. Ihr wird nachgesagt, glücklich zu machen. Glück hat man ja eigentlich nie genug. Aber Schokolade? Ein Blick auf den Markt in Europa zeigt: offenbar schon.

          Von 2003 bis 2008 ist der Hunger der Europäer auf Schokolade noch gewachsen. 3,3 Milliarden Kilogramm wurden 2003 vernascht, 2008 waren es etwas mehr als 4 Milliarden. Das entspricht 40 Milliarden Tafeln. Seitdem schwankt der Absatz jährlich zwischen 3,6 und 4,1 Milliarden Kilo. Große Schokoladenproduzenten wie Barry Callebaut, Lindt und Sprüngli und Nestlé sprechen von einem schwierigem Handelsumfeld und von einem „gesättigten“ europäischen Markt. Währenddessen verzeichnen anderen Snacks wie Nüsse oder Popcorn Umsatzwachstumsraten im zeitweise zweistelligen Bereich.

          Der Trend auf dem deutschen Markt ist ähnlich. Der Absatz wuchs von 963 Millionen Kilo in 2001 auf rund 1,4 Milliarden in 2013 an, seitdem sank er sogar wieder ein kleines bisschen. Woran das liegt, weiß niemand ganz genau. Experten spekulieren über mehrere Gründe.

          Einerseits ist Schokolade teurer geworden. Vor allem in Schwellenländern steigt die Nachfrage nach Schokolade momentan rapide und das Angebot kann nicht gleich schnell mitwachsen. Das treibt den Kakaopreis in die Höhe. Aber dass das die Nachfrage dämpfen soll, wollen die Anbieter nicht glauben. „Ich glaube nicht, dass die höheren Preise das entscheidende Kriterium für unsere Kunden sind“, sagt Thomas Seeger, Sprecher von Ritter Sport. Schokolade sei im Vergleich zum durchschnittlichen Einkommen so erschwinglich, dass es auf ein paar Cent mehr oder weniger pro Tafel nicht ankäme. „Viele unserer Kunden sind durchaus bereit circa fünf Euro für eine Tafel Schokolade auszugeben“, sagt Sabine Seidel, Inhaberin des Schokoladenfachladens „Bitter und Zart“ in der Frankfurter Innenstadt. Es komme vor allem auf Qualität und gute Beratung an, nicht so sehr auf den Preis.

          Ausgefallene Schokoladensorten sind laut Verkäufern im Trend.

          Dabei ist der durchschnittliche Schokoladenpreis in der EU sogar etwas stärker gestiegen als um die reine Erhöhung des Kakaopreises. Das liege unter anderem an einer stärkeren Nachfrage nach hochpreisigen Produkten sagt eine Expertin des Marktforschungsunternehmens Nielsen. „Ein starker Faktor ist die Fokussierung auf Gesundheit und Wellness“, sagt sie. Das führe zu einer Nachfrage nach Schokoladen mit FairTrade oder Bio-Siegel.

          Bei steigenden Temperaturen hat kaum einer Lust auf Schokolade

          Ein weiterer Grund für den „gesättigten“ Markt ist laut Nielsen ein vielfältigeres Angebot an Orten, an denen früher traditionell Schokolade gekauft wurde. Tankstellen und Kiosks hätten heutzutage zum Beispiel oft frisches Obst und Kuchen im Angebot. Das ist für viele Kunden eine Alternative zum Schokoriegel.

          Zudem ist es in den vergangenen Jahren immer wärmer geworden – und der Schokoladenabsatz hängt stark vom Wetter ab. „Ab 25 Grad Außentemperatur kauft eigentlich keiner mehr Schokolade“, sagt Seeger. Ab 30 Grad sei nicht mal mehr Schokoeis umsatzstark. Ritter Sport habe einen direkten, negativen Einfluss der wärmeren Temperaturen in den vergangenen Jahren auf das Schokoladengeschäft gespürt.

          Aus Sicht der Hersteller ist keiner dieser Gründe allein stehend überzeugend. „Ich denke, dass es eine Art natürliche Grenze für Schokoladenkonsum gibt“, sagt Ritter-Sport-Mann Seeger. Schokolade sei ein Genussmittel, und ab einer gewissen Menge hätten Verbraucher schlichtweg keine Lust auf noch mehr. Diese Grenze sei nun wohl erreicht. In der Tat sind die Europäer Weltmeister im Schokoladenkonsum. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch lag 2014 bei 5,77 Kilo jährlich, also mehr als 57 Tafeln Schokolade. In China hingegen liegt er gerade mal bei 200 Gramm. Und nicht mal die Vereinigten Staaten kommen an den EU-Durchschnitt heran.

          Obwohl sich insgesamt am Absatz nicht viel tut, gibt es Verschiebungen innerhalb des Marktes. Der Umsatz von Tafeln und Schokoriegeln stagniert, währenddessen die Verkaufszahlen von  alkoholhaltigen Schokoladen, Pralinen und Kakaopulver in den letzten fünf Jahren sanken. Schokoladenaufstriche hingegen sind im Kommen. Im Fachgeschäft merke man vor allem ein gesteigertes Interesse an Inhaltsstoffen, meint Seidel. „Die Leute wollen wissen, ob zum Beispiel Sojalecithin oder raffinierter Zucker verwendet wird.“ Angesagt seien momentan außergewöhnliche Sorten. „Alles was mit Fleur de Sel oder gesalzener Butter und Karamell hergestellt wird, läuft gut.“ Auch Rose, Veilchen und Flieder seien absatzstark. Chili hingegen sei nicht mehr so beliebt.

          Unternehmen setzen auf den asiatischen Markt

          Um weiter wachsen zu können, hoffen die Hersteller daher auf das Ausland. Gerade asiatische Großstädte sind interessant, da dort die für den Betrieb nötige Infrastruktur etabliert wurde und die Leute immer mehr Geld zur Verfügung haben. Der deutsche Traditionshersteller Halloren ist dafür 2014 eine strategische Partnerschaft mit Charlie Investors eingegangen, um nach Amerika und Asien zu expandieren. „Asien und vor allem China ist für unsere Zukunft ein sehr interessanter Markt“, sagt auch Seeger von Ritter Sport. Barry Callebaut nennt in seinem Strategieplan als ersten Punkt die Expansion in Schwellenländern. Lindt und Sprüngli expandierte in den letzten fünf Jahren nach Australien, Japan, Südafrika und Brasilien.

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